FC St. Pauli

Die Kooperation mit Stoke wird fortgesetzt – aber wie?

St. Paulis Geschäftsführer Andreas Rettig (l.) und Tony Scholes, Vorstandschef von Stoke City

St. Paulis Geschäftsführer Andreas Rettig (l.) und Tony Scholes, Vorstandschef von Stoke City

Foto: Witters

Andreas Rettig räumt ein, dass die Zusammenarbeit mit dem englischen Absteiger bislang unter keinem guten Stern stand.

Hamburg.  Der FC St. Pauli und sein englischer Kooperationspartner Stoke City hatten in der vergangenen Saison eines gemeinsam: Sie steckten mitten im Abstiegskampf. Doch während sich das Team vom Millerntor dank der beiden Heimsiege gegen Fürth und Bielefeld in der Zweiten Liga hielt, erwischte es den Club von der britischen Insel. Stoke City konnte seinen monatelangen Abwärtstrend nicht stoppen, beendete die Saison in der englischen Premier League auf dem 19. und damit vorletzten Platz. Der Club muss in der kommenden Saison in der etwas irreführend als „Championship“ bezeichneten zweithöchsten Spielklasse Englands antreten.

Kein optimaler Verlauf

So hatten sich weder die Verantwortlichen von Stoke City noch die des FC St. Pauli die Entwicklung vorgestellt, als sie im Sommer vergangenen Jahres ihre Kooperation begründeten. Schließlich war es ein wichtiges Ziel dieser Zusammenarbeit, dass junge, hochtalentierte Spieler, die bei Stoke unter Vertrag stehen, aber noch nicht reif für regel­mäßige Einsätze in der Premier League sind, beim FC St. Pauli in Deutschlands Fußball-Unterhaus Spielpraxis sammeln. Ist also diese Kooperation unter den neuen Umständen noch sinnvoll? Auf Nachfrage sagte dazu St. Paulis Geschäftsführer Andreas Rettig: „Es gibt von beiden Seiten ein klares Ja zur Fortsetzung der Partnerschaft, daran ändert auch der Abstieg von Stoke City nichts.“

Gleichzeitig aber räumte Rettig ein, dass die im Sommer 2017 begründete Partnerschaft mit den Engländern bisher nicht gerade ideal verlaufen ist. „Aufgrund der sportlichen Situation beider Clubs stand die Kooperation bisher unter keinem guten Stern. Die Intensität hat gelitten, weil sie vom Tagesgeschäft überlagert wurde“, sagte St. Paulis Geschäftsführer. Dabei spielten auch die Trainerwechsel bei beiden Vereinen eine Rolle.

Verlinden-Deal floppte

Bislang sind die bekannten Inhalte der Kooperation eher unspektakulär. Im vergangenen Winter kam der belgische U-19-Nationalspieler Thibaud Verlinden aus Stoke als Leihgabe nach Hamburg. Seine Einsatzzeit beim FC St. Pauli in der Zweiten Liga: null Minuten. War dieses Leihgeschäft nur eine PR-Masche, um nach außen zu demonstrieren, dass es die Kooperation überhaupt gibt? „Verlinden passte als schneller, dribbelstarker Außenbahnspieler sehr wohl in unser Anforderungsprofil. Sein Problem war seine körperliche Verfassung und dann seine Verletzung, das kann immer passieren“, sagte Rettig dazu. „Außerdem darf man nicht glauben, dass ein Spieler, der in der Premier League nicht stark genug für den 18er-Kader ist, hier mal eben sofort die Zweite Liga in Grund und Boden spielt.“

Rettig: „Fischen nicht im selben Teich“

Wie sinnvoll ist die Kooperation aber jetzt noch, da Stoke nun auch zweitklassig ist und womöglich eine ähnliche Kategorie von Spielern sucht wie St. Pauli? Rettig sieht dies anders. „Die Wirtschaftskraft eines englischen Zweitligisten ist immer noch weit höher als die des FC St. Pauli. Bei der Suche nach neuen Spielern fischen wir auch jetzt nicht im selben Teich“, sagte er.

Abseits der öffentlichen Wahrnehmung habe es einen regelmäßigen Austausch im Scouting gegeben, betonte Rettig. „Wir haben Informationen über bestimmte Spieler erhalten, die wir ohne die Partnerschaft nicht bekommen hätten. Das war hilfreich, auch wenn es noch nicht zu einem Transfer geführt hat.“ Zudem sei St. Paulis Technischer Direktor Ewald Lienen mehrfach in Stoke gewesen. Jetzt werde man abwarten, wer dort neuer Trainer wird, und dann besprechen, wie die Kooperation konkret fortgesetzt wird.