Zweite Bundesliga

St. Pauli gegen Sandhausen: Befreiungsschlag oder Absturz

Christopher Buchtmann (l.), hier im Duell mit Sandhausens Manuel Stiefler, dürfte als Einwechselspieler sein Zweitliga-Comeback
nach genau vier Monaten geben. Er hat seine Schambeinentzündung auskuriert

Christopher Buchtmann (l.), hier im Duell mit Sandhausens Manuel Stiefler, dürfte als Einwechselspieler sein Zweitliga-Comeback nach genau vier Monaten geben. Er hat seine Schambeinentzündung auskuriert

Foto: Witters

Der FC St. Pauli könnte nach dem Spiel gegen Sandhausen Fünfter, aber auch 16. sein. Sobota verlängert bis 2020.

Hamburg.  Über die Bedeutung des Heimspiels gegen den SV Sandhausen am Ostersonntag (13.30 Uhr) lässt St. Paulis Cheftrainer Markus Kauczinski keine Zweifel aufkommen. „Mehr als die halbe Liga befindet sich im Abstiegskampf. Und da sind wir auch“, sagte er am Karfreitag. Doch haben auch seine Spieler diese definitiv zutreffende Einschätzung sieben Spiele vor dem Saisonende wirklich verinnerlicht? Die zuletzt beim 1:1 in Kaiserslautern durch eine Nachlässigkeit bei einem gegnerischen Freistoß verschenkten zwei Punkte deuten nicht gerade darauf hin. Dazu wäre auch die aktuelle Zwischenbilanz – Platz elf und 36 Punkte aus 27 Spielen – im Normalfall kein Anlass zu größerer Sorge.

Aber normal ist in dieser Zweitligasaison eben nichts. Dies ist allein daran zu erkennen, dass St. Pauli an diesem 28. Spieltag im Idealfall, also bei einem eigenen Sieg und sonst günstigen Ergebnissen, auf den fünften Tabellenplatz springen kann. Im schlechtesten Fall aber, bei einer eigenen Niederlage und ungünstigen Resultaten in den anderen Partien, könnte das Team vom Millerntor auf den Abstiegs-Relegationsrang 16 abstürzen und so schlecht wie noch nie in dieser Saison dastehen. Derartige Tabellen-Konstellationen und -Sprünge sind sonst nur aus der Anfangsphase einer Saison bekannt.

Sobiech und Buchtmann als „Joker“

„Wir haben in dieser Trainingswoche Fahrt aufgenommen und die Sinne geschärft. Morgen werden wir noch einmal nachlegen. Es ist jedem meiner Spieler klar, was die Stunde geschlagen hat“, sagte Kauczinski am Freitag nach dem Vormittagstraining, das er angesichts der Platzverhältnisse im Trainingszentrum ins Millerntor-Stadion verlegt hatte. „Bis auf einzelne Momente kann ich der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Es ist sicher nicht
alles perfekt. Aber die Jungs haben immer gekämpft, deshalb mache ich mir auch keine Sorgen, dass sie nicht erkennen, worum es geht. Nach dem Spiel in Kaiserslautern haben wir aber etwas gutzumachen – vor allem in Sachen Cleverness.“

Ganz besonders motiviert war in den vergangenen Tagen Mittelfeldspieler Christopher Buchtmann, der seine Schambeinentzündung überwunden hat und auf den ersten Zweitligaeinsatz seit dem 1. Dezember 2017 brennt. „Buchti ist auf jeden Fall ein Kandidat für den Kader, aber nicht für die Startelf, weil die Kondition noch nicht reicht. Er kann aber auch als Einwechselspieler entscheidende Impulse geben und dann den Unterschied ausmachen“, sagte Kauczinski.

Nehrig mit Muskelfaserriss

Auch Abwehrchef Lasse Sobiech ist nach überstandener Sprunggelenksverletzung laut St. Paulis Trainer noch kein Startelf-Kandidat. „Er hat erst heute das erste Mal wieder mittrainiert. Da fehlt es ihm noch etwas an Luft“, sagte Kauczinski. Auf die Ersatzbank will er den Vizekapitän aber voraussichtlich setzen. „Zuletzt haben ja auch Philipp Ziereis und Christopher Avevor ihren Job gut gemacht.“

Da Kapitän Bernd Nehrig mit einem leichten Muskelfaserriss definitiv ausfällt, war am Freitag noch nicht geklärt, wer die Spielführerbinde tragen und das Team auf den Rasen des bereits ausverkauften Millerntor-Stadions führen wird. „Das ist eine gute Frage. Johannes Flum ist wohl ein Kandidat. Das kann die Mannschaft auch intern regeln“, sagte Kauczinski. Neben Flum gehören noch die Startelf-Anwärter Richard Neudecker und Sami Alla­gui sowie Ersatztorwart Philipp Heerwagen und der verletzte Marc Hornschuh dem Mannschaftsrat an.

Sobota eine wichtige Stütze

Auch wenn er wegen eines Sehnenrisses an der Ferse noch länger ausfällt, war Waldemar Sobota am Karfreitag Gesprächsthema. Der 30 Jahre alte Offensivspieler einigte sich mit dem FC St. Pauli auf eine Verlängerung seines Vertrages um zwei Jahre bis Juni 2020. Der Pole, der 16 A-Länderspiele für sein Heimatland bestritten hat, war im Januar 2015 zunächst als Leihgabe vom FC Brügge ans Millerntor gekommen.

In 96 Ligaspielen für St. Pauli bereitete er zehn Treffer vor und erzielte ebenfalls zehn Tore selbst, vier davon in der laufenden Saison. „Er war in der Vergangenheit eine wichtige Stütze in unserem Team. Wir sind der festen Überzeugung, dass er diese Rolle auch in Zukunft ausfüllen wird“, sagte Sportchef Uwe Stöver.

Von den Spielern, deren Verträge am Saisonende auslaufen, ist jetzt noch bei Bernd Nehrig, Jan-Philipp Kalla und Joel Keller offen, wie es für sie nach dem 30. Juni weitergeht. Zudem gilt zu klären, ob die Leihspieler Mats Möller Daehli (Freiburg) und Thibaud Verlinden (Stoke) über das Saisonende hinaus bleiben können. Bis Ende März wollte Sportchef Stöver ursprünglich diese Personalien geklärt haben, jetzt wird es wohl etwas länger dauern.

FC St. Pauli: Himmelmann – Park, Ziereis, Avevor, Buballa – Flum, Dudziak – Sahin, Allagui, Neudecker – Bouhaddouz.
SV Sandhausen:
Schuhen – Stiefler, Karl, Knipping, Paqarada – Linsmayer, Kulovits – Daghfous, Förster, Gislason – Sukuta-Pasu.
Schiedsrichter: Sather (Grimma).