Zweite Liga

St. Pauli feuert Trainer Janßen und holt Kauczinski

FC St. Pauli stellt Kauzinski als neuen Trainer vor
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Neuer Coach spürt in der Situation eine "besondere Energie", denkt aber auch an seinen Vorgänger. Auch Janßens Co-Trainer muss gehen.

Hamburg. Die Weihnachtsfeier der Geschäftsstelle des FC St. Pauli lief am Mittwochabend auf Hochtouren, als der Kiezclub um 19 Uhr per E-Mail zu einer Pressekonferenz einlud. Auf vier Zeilen verkündete der Verein, dass Sportdirektor Uwe Stöver am Donnerstag um 9.30 Uhr im Millerntorstadion Stellung zur sportlichen Situation beziehen werde. Das ist nur die halbe Wahrheit. St. Pauli hat sich mit sofortiger Wirkung von Trainer Olaf Janßen (51) getrennt. Auch Co-Trainer Patrick Glöckner muss gehen, Assistent Markus Gellhaus darf dagegen bleiben.

Janßens Nachfolger steht bereits fest. Markus Kauczinski soll die Hamburger, die in der Zweiten Liga sieben Spiele in Folge sieglos sind und mit 20 Punkten aus 16 Spielen auf Rang 14 stehen, aus der Krise führen. Der 47-Jährige wurde am Donnerstag auf einer Pressekonferenz vorgestellt und sollte anschließend seine erste öffentliche Trainingseinheit an der Kollaustraße leiten. Als Co-Trainer bringt Kauczinski Patrick Westermann mit. Der 36-Jährige hatte den Trainer bereits auf seinen Stationen beim Karlsruher SC und dem FC Ingolstadt zur Seite.

Kauczinski spürt besondere Energie

Beim damaligen Bundesligisten aus Bayern war Kauczinski am 6. November 2016 entlassen worden. Bei St. Pauli sitzt er nun erstmals am Sonntag (13.30 Uhr) gegen Aufsteiger MSV Duisburg auf der Bank. "Ich halte den Kader insgesamt für gut", sagte Kauczinski bei seiner Präsentation. Dennoch sei die kurzfristige Übernahme der Mannschaft eine Herausforderung. "Ich kann jetzt nicht sagen, dass es das Schönste der Welt ist. Wenn die Mannschaft auf die Fresse gekriegt hat, ist es eine besondere Aufgabe, die Spieler wieder aufzurichten. In dieser Situation steckt eine besondere Energie", sagte Kauczinski, der von Sportdirektor Stöver erstmals am Montagabend kontaktiert worden war – und nach "intensiven Gesprächen" nicht mehr lange überlegen musste. "Ich habe das Gefühl bekommen, dass es zusammenpasst", sagte Kauczinski, der zuvor mehrere andere Angebote ausgeschlagen hatte.

"Markus Kauczinski ist ein Kenner der Zweiten Liga. Er hat bewiesen, dass er Mannschaften stabilisieren und entwickeln kann", sagte Stöver über den neuen Übungsleiter, dem er vor allem auch ein Händchen für junge Spieler bescheinigte. Schließlich habe Kauczinski unter anderem Hakan Calhanoglu (AC Mailand), Pascal Groß (Brighton & Hove Albion/Premier League), Marco Terrazzino (SC Freiburg) oder Kevin Akpoguma (TSG Hoffenheim) herausgebracht. "Er hat große Erfahrung im Nachwuchsbereich und weiß um die Bedürfnisse der jeweiligen Trainer im Jugendbereich", sagte Stöver.

Trotz der Vorfreude auf den neuen Job dachte Kauczinski selbst am Tag seiner Vorstellung an seinen Vorgänger. "Auch ich kenne Olaf Janßen. Wenn jemand Neues kommt, bedeutet es auch immer, dass jemand anderes geht. Deshalb ist jetzt auch Zeit für Wehmut, ab morgen gilt es aber, den Blick auf Duisburg zu richten." Stöver wiederum wollte Janßen die Gelegenheit geben, sich in Ruhe von der Mannschaft zu verabschieden – dies tat der geschasste Trainer dann auch parallel zur Pressekonferenz seines Nachfolgers. "Wir wollten eine saubere und vernünftige Trennung, weil wir einen guten Umgang miteinander haben", sagte Stöver.

Die Vorstellung von Markus Kauczinski:

Janßen wollte den Torhüter wechseln

Gleichwohl überraschte der Zeitpunkt der Trennung, hatte doch Stöver nach dem blamablen 0:5 bei Arminia Bielefeld am vergangenen Freitag erklärt, dass die aktuelle Lage nicht Schuld eines Einzelnen sei. Nach eingehenden Gesprächen trauten die Verantwortlichen jetzt Janßen nicht mehr zu, die Wende einzuleiten. Der ehemalige Profi, der das Cheftraineramt erst im Sommer von Ewald Lienen übernahm, hatte in den vergangenen Wochen viele Dinge probiert, kaum eine Maßnahme aber zeigte Wirkung.

Nach wochenlangem Schönreden der schwachen Leistungen folgte auf Zuckerbrot die Peitsche. Am ersten Advent zitierte er die Mannschaft um 7.30 Uhr zum Straftraining. Eine Maßnahme, die viele im Verein als Aktionismus einstuften. Auch dass Janßen einen Ausscheidungskampf um die Stammplätze ausrief, obwohl der Kader mit sieben Ausfällen stark dezimiert war, verwunderte. Wie das Abendblatt erfuhr, sollte in dieser Woche ein weiterer Paukenschlag folgen. Janßen plante gegen Duisburg einen Torwartwechsel von Robin Himmelmann zu Philipp Heerwagen. Dieses Vorhaben wird er nicht mehr umsetzen können. Nach 157 Tagen im Amt muss Janßen gehen.