Zweite Bundeslga

Spieler des FC St. Pauli haben Klassenziel nicht erreicht

Lasse Sobiech
kämpfte mit
Verletzungen
und der Form

Lasse Sobiech kämpfte mit Verletzungen und der Form

Foto: Witters

Das Halbjahreszeugnis fällt ungenügend aus. Kaum ein Profi zeigte, was er kann - und selbst der Erfolgreichste muss an sich arbeiten.

Hamburg.  Mehr Schatten als Licht gab es beim FC St. Pauli in der Hinrunde der Saison 2016/17. Nur zweimal ging die Mannschaft als Sieger vom Platz, zwischendurch gab es eine Serie von elf Partien. Natürlich gab es viel Verletzungspech und unglückliche Schiedsrichterentscheidungen. Bei der Kaderplanung wurden jedoch auch Fehler gemacht, die nun in der Winterpause (teuer?) korrigiert werden müssen. Es fehlen torgefährliche Stürmer, spielstarke Mittelfeldspieler und gute Außen. Sportchef Thomas Meggle musste deshalb Anfang November gehen. Doch auch hinter Trainer Ewald Lienen wurden die Fragezeichen mit zunehmender Spielzeit größer. Der Routinier wirkte einige Male ratlos.

Nach einem halben Jahr ist das Zwischenzeugnis für die Spieler eindeutig und am Tabellenplatz 18 klar abzulesen: Klassenziel nicht erreicht, Versetzung hochgradig gefährdet.

TOR

Himmelmann (15 Spiele/0 Tore): Nach durchwachsenem Beginn stabilisierte sich der Torwart merklich. Nach wie vor könnte der 26-Jährige, der an einem Muskelfaserriss laboriert, konsequenter in der Strafraumbeherrschung sein.

Heerwagen (3/0): Alter schützt vor Leistung nicht. St. Paulis ältester Spieler im Kader zeigt, dass St. Pauli kein Torwartproblem hat.

ABWEHR

Hedenstad (15/0): Der Norweger wurde als offensivstarker Außenverteidiger verpflichtet. Diese Rolle konnte er nur bedingt ausfüllen. In der Rückwärtsbewegung ist er nicht immer sattelfest, seine Standards kommen zu unpräzise.

Hornschuh (10/0): Nach starker Vorsaison fand sich der Außenverteidiger oft auf der Bank wieder. Der Vertrauensentzug schlug sich auf sein Spiel nieder. Der Ex-Dortmunder wirkt verunsichert.

Ziereis (6/0): Immer wieder warfen den Abwehrspieler Krankheiten und Verletzungen zurück. Der Leistungsträger fand nie einen Rhythmus.

Sobiech (14/0): Der Vizekapitän spielte häufig, obwohl er nicht bei 100 Prozent war. Das wirkte sich auf sein Spiel aus. Sobiech wirkte längst nicht so souverän wie gewohnt.

Gonther (10/0): Der Kapitän wollte im Sommer den Verein verlassen, durfte aber nicht. Angemerkt hat man ihm das nicht. Gewohnt charakterstark präsentierte sich der Führungsspieler in der Hinrunde, auch wenn er sportlich nicht immer überzeugen konnte.

Kalla (6/0): Immer wieder warfen Verletzungen das Urgestein zurück. Ein Mentalitätsspieler wie „Schnecke“ wird in der Rückrunde gebraucht.

DEFENSIVES MITTELFELD

Buballa (14/0): Manchmal hatte man das Gefühl, ein untalentierter Zwillingsbruder hätte auf dem Platz gestanden. Erschreckend viele Fehler im Zweikampf und Aufbauspiel. Der Linksverteidiger muss dringend den Reset-Knopf finden.

Keller (5/0): Das Kraftpaket will viel, macht aber noch zu viele Fehler und muss an seiner Konstanz arbeiten.

Koglin (2/0): Das Talent durfte sein Profidebüt in einer schweren sport­lichen Situation feiern.

Avevor (7/0): häufig ein Sicherheitsrisiko, gerade technisch nicht zweitligatauglich. Der Defensivallrounder wird es schwer haben, sich einen Platz im Team zu erarbeiten.

Buchtmann (14/2): An Engagement mangelte es dem Mittelfeldmotor nie, an zwingenden Aktionen umso mehr. Der Techniker muss ein Fixpunkt im Spielaufbau werden.

Nehrig (15/1): Der Routinier schonte in den Zweikämpfen weder sich noch die Gegner. Das kaschierte so manch technisches und taktisches Defizit.

Dudziak (6/0): Wenn er mal nicht verletzt war, ging er mit unter.

Neudecker (5/0): Der lange verletzte Wirbelwind ist einer der wenigen Hoffnungsträger. Macht er die Vorbereitung komplett mit, wird sein Spielwitz das Offensivspiel beleben.

Rosin (3/0): Das Eigengewächs durfte Zweitliga-Luft schnuppern und offenbarte, dass er Talent, aber im körperlichen Bereich Nachholbedarf hat.

OFFENSIVES MITTELFELD

Sobota (15/0): Einer, der davon träumt, wieder Nationalspieler zu werden, muss sich anders präsentieren. Der Pole ist zu phlegmatisch, war mehr Mitläufer als Leistungsträger.

Miyaichi (12/0): Der Japaner führt einen ständigen Kampf gegen seinen fragilen Körper. Allerdings war es bei seiner Verletzungshistorie fahrlässig, mit ihm als Konstante zu planen.

Sahin (12/2): Ein Flügelflitzer zwischen Genie und Wahnsinn. Letzteres war leider zu oft zu sehen. Mit seiner unorthodoxen Spielweise unberechenbar für Mitspieler und Gegner.

Litka (4/0): Das Talent musste lange auf seine Chance warten. Nachhaltig nutzen konnte er sie bisher nicht.

Choi (12/0): Die Schusstechnik sucht bei St. Pauli ihresgleichen. Das Pro­blem: Er zeigt sie nur im Training. Im Ernstfall wirkte er häufig wie ein Junge, der bei den Männern mitspielen durfte.

ANGRIFF

Bouhaddouz (14/5): St. Paulis Ein-Mann-Offensive. Der Marokkaner litt häufig unter der mangelnden Kreativität seiner Mitspieler. Trotzdem muss sich der Stürmer mehr am Spiel beteiligen. Seine Theatralik im Zweikampf und sein häufiges Lamentieren mit dem Schiedsrichter sorgte dafür, dass ihm der eine oder andere Elfmeter verweigert wurde.

Ducksch (10/1): Der Neuzugang aus Dortmund enttäuschte auf ganzer Linie. Ein Möchtegernstar mit einer Zweikampfführung, die nicht zweitliga-, geschweige denn abstiegskampftauglich ist.

Empen (2/0): Das Nachwuchstalent durfte sich erstmals auf großer Bühne präsentieren. Dabei enttäuschte er nicht. Die fehlende Tiefe in der Offensive könnte eine Chance für den 20-Jährigen sein.

Picault (6/0): Vom Publikumsliebling zum Sorgenkind. Der flinke US-Amerikaner muss an seinen körperlichen Defiziten arbeiten und sich das Vertrauen des Trainerteams neu erarbeiten.