FC St. Pauli

Aziz Bouhaddouz: „Ich bin jetzt im besten Profialter“

Aziz Bouhaddouz (29) vor dem Alpenpanorama
von Maria Alm

Aziz Bouhaddouz (29) vor dem Alpenpanorama von Maria Alm

Foto: Witters

St. Paulis neuer Stürmer ist einer der letzten Straßenfußballer im Profigeschäft. Bouhaddouz: „Ich bin keinen einfachen Weg gegangen.“

Maria Alm.  Er ist so etwas wie der Gegenentwurf zu einem Fußballprofi moderner Prägung. Aziz Bouhaddouz ist nicht schon seit seinem 15. Lebensjahr in einem Nachwuchsleistungszentrum taktisch perfekt geschult und auf eine Karriere als Berufskicker getrimmt worden. Und mit 20 Jahren war er noch weit davon entfernt, Spiele in der Zweiten oder Ersten Liga zu bestreiten.

„Als andere Jugendspieler schon bei großen Clubs waren, habe ich mit 16, 17 Jahren noch auf der Straße Fußball gespielt“, erzählt Stürmer Bouhaddouz. Das war seinerzeit im hessischen Dietzenbach. Dort ist er aufgewachsen, seit er ein Jahr alt war und seine Eltern aus Marokko mit ihm ausgewandert waren. „Ich bin keinen einfachen Weg gegangen“, sagt der 1,88 Meter große Angreifer rückblickend. Erst beim SV Sandhausen hat er sich in den vergangenen zwei Saisons als Zweitligaprofi etabliert und als Leistungsträger profiliert.

Seine 18 Treffer und elf Torvorlagen in 56 Punktspielen für den SV Sandhausen waren für die sportlich Verantwortlichen des FC St. Pauli Empfehlung genug, sich für die kommenden drei Jahre die Dienste von Bouhaddouz zu sichern. Gemeinsam mit dem aus Dortmund geholten Marvin Ducksch soll er die Lücke füllen, die Lennart Thy (zurück zu Werder Bremen) und John Verhoek (zum 1. FC Heidenheim) hinterlassen haben. Legt man allein die statistischen Werte zugrunde, sollte dies für Bouhaddouz eine machbare Herausforderung sein. Thy hatte in den vergangenen beiden Jahren in 62 Spielen 13 Treffer erzielt und acht Tore vorbereitet. Verhoek war in 45 Partien gar nur auf sechs Tore und ein Assist gekommen.

„Ich bin sehr froh, dass ich die Kurve noch bekommen habe und es bis hierhin geschafft habe“, sagt Aziz Bouhaddouz. Schon in seiner Zeit als älterer Spieler in der U-23-Mannschaft von Bayer Leverkusen habe er viel gelernt und in die Spur gefunden, für seinen Beruf zu leben. Zuvor hatte er es bei seinen Stationen wie FSV Frankfurt, SV Wehen Wiesbaden und Viktoria Köln nicht geschafft, sich über einen längeren Zeitraum als Stammspieler zu etablieren.

„Ich bin jetzt praktisch erst im dritten richtigen Profijahr und weiß, dass noch etwas geht. Auch wenn ich jetzt 29 Jahre alt bin, fühle ich mich jung. Wenn ich meinen Bart abrasiere, denkt man ja auch, dass ich erst 22 bin. Auf jeden Fall bin ich jetzt im besten Profialter“, sagt Bouhaddouz. In den Übungseinheiten mit seinem neuen Club, wie jetzt im Trainingslager in Maria Alm (Österreich), untermauert er dies mit Engagement und Einsatzfreude.

Diese Qualitäten hätte St. Paulis Clubführung nach Abendblatt-Informationen auch schon gern in der Rückserie der abgelaufenen Saison in den eigenen Reihen gesehen. Dazu passt, dass Bouhaddouz schon im November 2015 für zwei Tage in Hamburg weilte. „Ich habe mir damals an einem freien Wochenende zusammen mit meiner Frau nur die Stadt angeschaut“, sagt Bouhaddouz jetzt. Das jedenfalls ist auch heute noch die offizielle Version. Der angedachte Transfer in der Winterpause scheiterte letztlich, ein halbes Jahr später wurde er perfekt. „Ich hatte auch erste Anfragen von Eintracht Frankfurt und 1899 Hoffenheim, aber beim Angebot von St. Pauli habe ich sehr schnell zugesagt. Ich freue mich sehr darauf, künftig immer vor vollem Haus zu spielen“, sagt er. Dabei denkt er gern an den 3:1-Sieg, den er in der vergangenen Hinrunde mit Sandhausen am Millerntor landete. „Ich hatte davor nur zweimal trainiert. Aber bei dem Spiel wollte ich unbedingt dabei sein“, erzählt er.

Bouhaddouz besitzt die marokkanische und deutsche Staatsbürgerschaft, fühlt sich dabei zwar „zu hundert Prozent“ als Marokkaner, aber sein Spitzname könnte kaum deutscher sein: „Ich werde ,Atze’ genannt.“

Stürmer Fabrice-Jean Picault blieb am Montag wegen einer fiebrigen Erkältung in der Unterkunft. Mittelfeldspieler Bernd Nehrig absolvierte neben dem Trainingsplatz in Maria Alm eine Einheit auf dem Fahrradergometer.