Zweite Liga

St. Pauli nutzt den Frühstart für taktische Finessen

St. Paulis Trainer Ewald Lienen gibt die Richtung für sein Team vor

St. Paulis Trainer Ewald Lienen gibt die Richtung für sein Team vor

Foto: Axel Heimken / dpa

An diesem Montag nimmt das Team von Trainer Lienen wieder das Training auf. 14 Konkurrenten beginnen später mit ihrer Vorbereitung.

Hamburg.  16 Tage hatten die Zweitligaprofis des FC St. Pauli nach dem letzten Punktspiel des Jahres 2015 frei, an diesem Montag erwartet sie Cheftrainer Ewald Lienen spätestens um 14 Uhr wieder im Trainingszentrum an der Kollaustraße in Niendorf. In den knapp fünf Wochen Vorbereitung sollen die Kiezkicker in die bestmögliche Verfassung gebracht werden, um am 7. Februar das Auswärtsspiel bei der SpVgg. Greuther Fürth erfolgreich gestalten zu können.

Wie in solchen Trainingsphasen üblich, wird es in den kommenden Wochen häufig zwei Übungseinheiten pro Tag geben. Dabei steht allerdings nicht etwa die Steigerung der Ausdauer im Vordergrund. „Die Spieler haben konditionell nicht viel verloren“, sagt Trainer Lienen. Er ist davon überzeugt, dass seine Akteure die individuellen Trainingspläne, die ihnen für die zweite Urlaubswoche mit auf den Weg gegeben worden waren, eingehalten haben. Ein paar Laufeinheiten, Kraft- und Stabilisationsübungen sowie Gymnastik hatten sie zu absolvieren. Athletiktrainer Janosch Emonts hatte die Programme ausgearbeitet.

Ewald Lienen will die Wochen bis zum Wiederbeginn der Zweiten Liga vielmehr dafür nutzen, an Varianten der Spielführung zu feilen. „Wir wollen uns taktisch viel erarbeiten“, sagt er. Bereits in den vergangenen Monaten hatte er oft betont, dass er eine Variabilität im Spielkonzept anstrebe. „Wir müssen für alle Eventualitäten gewappnet sein“, lautet seine Devise.

Andere Situation als vor einem Jahr

Vor einem Jahr hatte der Schwerpunkt in der Wintervorbereitung noch darauf gelegen, die bis dahin höchst anfällige Defensive zu stabilisieren. Dies war letztlich erfolgreich und bildete die Grundlage dafür, dass sich das Team noch vom letzten auf dem 15. Tabellenplatz retten konnte. Jetzt stellt sich die Situation für den aktuellen Tabellenvierten völlig anders dar. Seit dem Saisonstart bewegt sich St. Pauli im oberen Tabellenbereich, Lienen und Sportchef Thomas Meggle werden immer wieder mit der Frage konfrontiert, ob das Ensemble jetzt eine Spitzenmannschaft sei. Lienen antwortet darauf gern mit der Aussage, dass dies erst der Fall sei, wenn man ganz unterschiedliche taktische Ausrichtungen wirklich beherrsche.

Sowohl die Fähigkeit, aus einer kompakten Defensive schnelle Gegenangriffe zu starten, als auch die Qualität, mit einem dominanten Ballbesitzspiel einen Gegner unter Druck zu setzen und zu gefährlichen Abschlüssen zu kommen, seien vonnöten, um ein echtes Topteam zu sein. Im besten Fall sei eine Mannschaft in der Lage, innerhalb eines Spiels diese Varianten wechselweise zu praktizieren und damit für den Gegner unberechenbarer zu sein. Vor allem die anspruchsvollere Option, aus einer Feldüberlegenheit heraus torgefährlich zu werden, ist bei den Kiezkickern noch steigerungsfähig. Hier dürfte bei der von Lienen ankündigten Arbeit an den taktischen Finessen der Schwerpunkt liegen.

Lienen trainiert auch den Spiel-Rhythymus

Die fünf Testspiele im Rahmen der Vorbereitung finden an den Wochenenden statt. „So übertreiben wir es nicht mit der Spielbelastung, zudem ergibt sich gleich ein Rhythmus“, begründet Lienen diese Planung. Am kommenden Sonnabend (14 Uhr) ist in Bardowick die erste Partie gegen den Regionalliga-15. Lüneburger SK Hansa angesetzt.

Der FC St. Pauli ist in Übrigen gemeinsam mit dem Tabellendritten 1. FC Nürnberg, dem Fünften Eintracht Braunschweig und dem Sechsten VfL Bochum der Frühstarter der Zweiten Liga. Alle anderen Teams starten später mit ihrer Vorbereitung, die meisten am kommenden Donnerstag, ausgerechnet der abstiegsbedrohte SC Paderborn gar erst am Freitag.