FC St. Pauli

Antrittsbesuch beim selbstbewussten neuen Ausrüster

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Carsten Harms und Alexander Berthold
Geschäftsführer Andreas Rettig weilt derzeit

Geschäftsführer Andreas Rettig weilt derzeit

Foto: Klaus Bodig / HA / Klaus Bodig

Under Armour kleidet St. Pauli ab 2016/17 ein. Jetzt lud der US-Konzern Sportchef Meggle und Geschäftsführer Rettig nach Baltimore ein.

Hamburg.  Das 0:0 beim SC Paderborn hatte Thomas Meggle am vergangenen Sonnabend verpasst. Der Sportchef des FC St. Pauli hatte allerdings einen guten Grund für sein Fehlen. Meggle war bereits nach Baltimore im US-Bundesstaat Maryland geflogen. Er folgte damit der Einladung des künftigen Ausrüsters Under Armour, zu Deutsch: Unter einer Rüstung.

Der 1996 vom damals 23 Jahre alten Kevin Plank gegründete Sportartikelkonzern wird mit Beginn der Saison 2016/17 die Zweitliga-Profis des FC St. Pauli komplett ausstatten und sich dieses Engagement nach Angaben des Branchendienstes Sponsors rund eine Million Euro pro Jahr kosten lassen.

Dabei wird der FC St. Pauli der erste deutsche Verein im Profi-Fußball sein, der im Rahmen der gerade gestarteten Deutschland-Offensive von Under Armour ausgerüstet wird. Angeblich sollen auch Borussia Mönchengladbach und der FC Schalke 04 noch folgen, die aber noch über das Ende der aktuellen Saison hinaus an ihre bisherigen Ausrüster gebunden sind. Bereits von 2008 bis 2011 war Under Armour Ausrüster von Hannover 96 gewesen, wobei diese Verbindung lediglich über einen in den Niederlanden ansässigen Dienstleister organisiert wurde.

Nach Meggle flog auch St. Paulis neuer Geschäftsführer Andreas Rettig mit einer Delegation nach Baltimore. Dazu gehören auch Fan-Vertreter des Kiezclubs. Dabei geht es darum, dass es nach der Bekanntgabe des Vertrages in den einschlägigen Fanforen kontroverse Diskussionen über die Partnerschaft mit dem US-Konzern gab. „Wir nutzen als Verein die Möglichkeit, uns gemeinsam mit Vertretern des Präsidiums, Aufsichtsrats, Nachwuchsleistungszentrums sowie Vertretern der Fanszene und der Sporttreibenden Abteilungen vor Ort ein Bild von Under Armour zu machen“, sagte Andreas Rettig.

Selbstbewusster Brief an Nike

An Bescheidenheit mangelte es dem Konzern noch nie. Nach der Gründung schickte Plank jedes Jahr eine Weihnachtskarte an den damaligen Nike-Chef Phil Knight mit den Worten: „Sie kennen uns noch nicht, aber Sie werden eines Tages von uns hören.“ Under Armour hat sich zu einer der führenden Marken im US-Sport entwickelt. Neben den populären Teamsportarten wie Baseball und Football ist die Firma auch im Golf in die Offensive gegangen. Dabei spielt Shootingstar Jordan Spieth, 22, in diesem Jahr Sieger bei zwei der vier Major-Turniere, eine große Rolle als Werbeträger.

Im deutschen Fußball haben sich die Führungskräfte des Konzerns nun den FC St. Pauli als Vorreiter ausgesucht. Dabei geht es allerdings nicht allein darum, Trikots und Hosen werbeträchtig zu präsentieren. „Under Armour liebt es, die Dinge anders zu sehen als die Konkurrenten. Eine Einstellung, die dem FC St. Pauli sehr nahekommt“, hatte Oke Göttlich bei der Bekanntgabe der Partnerschaft gesagt.

Beim USA-Besuch geht es auch darum, sich über Entwicklungen im Sport auszutauschen. „Wir können von den amerikanischen Sportarten im Bereich der technischen Innovationen sicherlich noch einiges lernen“, sagt Rettig. Vor allem das Nachwuchsleistungszentrum soll von der Kooperation profitieren. Zudem soll beim Besuch in Baltimore besprochen werden, wie sich Under Armour im Rahmen der sozialen Projekte der Initiative „Kiezhelden“ einbringen wird.

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