Kiezkicker

Personalsorgen: Verletzen beim FC St. Pauli verboten!

St.-Pauli-Profi Sebastian Maier (r) im Zweikampf mit Gladbachs Granit Xhaka. Der 21-Jährige zog sich eine leichte Verletzung zu

St.-Pauli-Profi Sebastian Maier (r) im Zweikampf mit Gladbachs Granit Xhaka. Der 21-Jährige zog sich eine leichte Verletzung zu

Foto: ValeriaWitters / WITTERS

Der FC St. Pauli will zeitnah neue Spieler verpflichten. Kallas längere Pause verschärft die Personalsorgen in der Abwehr.

Hamburg. Der Tag nach dem 1:4 gegen Borussia Mönchengladbach begann für Trainer Ewald Lienen mit einer guten Nachricht. Unter den Stammspielern, die nach dem Aus im DFB-Pokal zur Regeneration aufs Fahrrad stiegen, um eine lockere Runde durchs Niendorfer Gehege zu drehen, war auch Sebastian Maier. Die Wadenprobleme des 21-Jährigen scheinen weit weniger gravierend zu sein, als zunächst befürchtet. Eine weitere Hiobsbotschaft hätte in diesen Tagen irgendwie ins Bild des gepasst.

Es waren tiefe Sorgenfalten, die sich am späten Montagabend im Pressekonferenzsaal im zweiten Stock des Millerntorstadions auf dem Gesicht von Lienen abgezeichnet hatten. Nach den Ausfällen von Lasse Sobiech (Bluterguss in der Wade) und Marcel Halstenberg (Oberschenkelverletzung) gesellte sich auch kurzfristig Jan-Philipp Kalla ins Lazarett. Der Defensiv-Allrounder hatte sich im Abschlusstraining vor dem Gladbach-Spiel eine Muskelverletzung zugezogen. „Das sieht nicht gut aus. Es sieht nach einem massiver Muskelfaserriss aus. Es ist schon sehr bedauerlich, wir könnten Kalla überall gebrauchen. Es ist immer wieder sein rechtes Bein. Ich kann nicht sagen, wie lange es dauern wird“, sagte Lienen mit einem Kopfschütteln.

Die Ausfälle des Trios sowie die langfristigen Verletzungen von Ryo Miyaichi (Kreuzbandriss) und Christopher Buchtmann (Innenband) offenbaren die Schwächen, die der Kader derzeit aufbietet. Es fehlt vor allem im Abwehrverbund an erfahrenen Alternativen. Auf der Bank saßen gegen den Champions-League-Teilnehmer die Nachwuchsspieler Joel Keller, 20, Yannick Deichmann, 20, und Andrej Startsev, 20. Zusammen haben die drei sieben Zweitligaspiele auf dem Buckel. Daher arbeiten die Verantwortlichen um Sportdirektor Thomas Meggle mit Hochdruck an Neuverpflichtungen. Das Problem: Der Markt ruht im Moment, bezahlbare Spieler mit Qualität sind schwer zu finden. Erwartungsgemäß kommt unmittelbar vor dem Ende der Transferperiode am 31. August in ganz Europa noch einmal Bewegung in den Markt. „Wir können ja einen Aufruf starten. Wer zu uns kommen möchte, soll sich melden“, scherzte Lienen, und ergänzte: „Es ist klar, dass wir in absehbarer Zeit, ein, zwei, drei Leute dazu holen werden.“ Der 63-Jährige will aber keineswegs öffentlich Druck auf Meggle ausüben. „Wir sind hier ja nicht im Weihnachtsgeschäft. Wir besprechen diese Dinge gemeinsam. Sportchef, Vorstand, Aufsichtsrat. Wir sind dran“, so Lienen.

Das Anforderungsprofil der neuen Spieler ist ohnehin klar umrissen. Oberste Priorität hat ein Abwehr-Allrounder, der sowohl in der Innenverteidigung als auch auf den Außenbahnen einsetzbar ist. Der ursprünglich geplante Transfer eines kopfballstarken „Sechsers“ wurde mittlerweile wieder verworfen. „Wir haben uns dagegen entschieden. Auf der Position haben wir mit Alushi, Rzatkowski, Nehrig, Rosin und bald wieder Buchtmann genügend Alternativen. Wir suchen auch noch jemanden im Offensivbereich“, sagte Sportchef Meggle, der nach wie vor nach einem Abnehmer für Stürmer Ante Budimir fahndet.

Chievo holt sich Abfuhr wegen Ziereis ab

Einem Wechsel von Philipp Ziereis schob der Sportchef einen Riegel vor. Die italienischen Serie-A-Clubs Chievo Verona und Capri FC sollen ein Auge auf den 22-Jährigen geworfen haben. „Das ehrt mich natürlich, so etwas zu hören. Mehr gibt es dazu aber nicht zu sagen. Ich habe noch ein Jahr Vertrag bei St. Pauli“, sagte Ziereis, der in Abwesenheit von Sobiech ein starkes Spiel gegen Borussias Zehn-Millionen-Neuzugang Josip Drmic ablieferte.

Ohnehin lieferte das Pokalspiel die wichtige Erkenntnis, dass St. Pauli zumindest kurzfristig Ausfälle auf Schlüsselpositionen kompensieren kann. Vor allem Ziereis machte deutlich, dass er mehr ist als nur eine Alternative im Abwehrzentrum. „Natürlich sind die Verletzungen auch eine Chance für andere Spieler. Aber viel mehr darf bei uns hinten nicht mehr passieren, sonst wird es wirklich eng“, sagte der Youngster. Immerhin gibt es Hoffnung, dass bis zum Heimspiel am Sonntag (13.30 Uhr) gegen Greuther Fürth Halstenberg und Sobiech wieder zurückkehren könnten.

Jammern will bei St. Pauli aber ohnehin niemand. Trotz der am Ende deutlichen Niederlage blieg die Stimmung beim Kiezclub gut. Aus der starken ersten Halbzeit will das Lienen-Team Mut für die kommenden Spiele in der Zweiten Liga sammeln.

„Wir lecken jetzt kurz unsere Wunden und dann geht es weiter. Wir gehen mit erhobenem Haupt aus dem Pokal“, gab Kapitän Sören Gonther unmittelbar nach dem Mönchengladbach-Spiel zu Protokoll. „Wenn man gegen eine Mannschaft wie die Borussia ausscheidet, gibt das keinen Knacks“, betonte Mittelfeldspieler Enis Alushi, dessen Trainer seinen Spielern beipflichtete. „Ich sehe das Pokal-Aus nicht als Rückschlag an“, so Lienen, der hofft, dass im Laufe der Woche noch mehr gute Nachrichten auf ihn zukommen. Auf dem Transfermarkt oder spätestens am kommenden Sonntag gegen Greuther Fürth.

Die Partie des FC St. Pauli am Sonntag (13.30 Uhr, Millerntorstadion) gegen Greuther Fürth ist bereits ausverkauft.