FC St. Pauli

Zur Sensation reichte gegen die Fohlen die Klasse nicht

Ettäuschte Gesichter beim FC St. Pauli

Ettäuschte Gesichter beim FC St. Pauli

Foto: Martin Rose / Bongarts/Getty Images

FC St. Pauli darf im DFB-Pokal eine Halbzeit lang auf die Überraschung hoffen, bekommt dann aber von Gladbach die Grenzen aufgezeigt.

Hamburg.  Die Hoffnung auf eine Pokalsensation hielt bei den Spielern und Fans des FC St. Pauli knapp eine Stunde. Doch auch nach dem 1:4 (1:0) gegen Borussia Mönchengladbach feierten die Anhänger des Kiezclubs ihre Akteure noch lange im Millerntor-Stadion und animierten sie zu einer Ehrenrunde. „St. Pauli, St. Pauli“, schallte es immer wieder von allen vier Tribünen. Am Ende blieb die Erkenntnis, sich gegen ein Topteam der Bundesliga gut präsentiert zu haben, aber eben doch nicht mithalten zu können, wenn eine solche Mannschaft ihre ganze Qualität zeigt.

„Wir haben in der ersten Halbzeit viel umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Trotz der Niederlage macht uns das Spiel Mut für die Liga“, sagte St. Paulis Kapitän Sören Gonther. Sein Trainer Ewald Lienen hatte vor dem Spiel einen weiteren personellen Rückschlag hinnehmen müssen. Nach Innenverteidiger Lasse Sobiech und Außenverteidiger Marcel Halstenberg musste er auch Jan-Philipp Kalla aus seinen Planungen streichen. Den vielseitigen Defensivspieler stoppte eine erneute Muskelverletzung im Oberschenkel. Fast schon notgedrungen schickte Lienen eine ziemlich offensiv ausgerichtete Startelf ins Rennen, mit Waldemar Sobota und Kyoungrok Choi auf den Außenbahnen im Mittelfeld.

Im roten Pokaldress bestimmten die St. Paulianer denn auch in den ersten Minuten das Geschehen und wurden in der zehnten Minute erstmals torgefährlich. Der von Sebastian Maier in Szene gesetzte Choi brachte den Ball flach und scharf in die Strafraummitte, wo der heransprintende Stürmer Lennart Thy mit der Fußspitze den Ball ganz knapp rechts am Tor vorbeisetzte.

Auf der Gegenseite war zuvor eine erste heikle Situation zu überstehen. Blitzschnell war Raffael freigespielt worden, seinen Schuss konnte Torwart Robin Himmelmann parieren (7.). Mit zunehmender Spielzeit übernahmen die Borussen das Kommando und versuchten, ihre individuellen Vorteile entscheidend zum Tragen zu bringen. Doch mehr als ein Torschuss von Stürmer Josip Drmic (31.) sprang in der ersten Halbzeit dabei nicht heraus.

Der bis dahin schönste Angriff des Spiels ging in der Mönchengladbacher Hälfte von St. Paulis defensivem Mittelfeldspieler Enis Alushi aus. Nachdem er zunächst das Zuspiel auf Daniel Buballa verpasst hatte, gelang ihm dies im zweiten Versuch. Er sah im Strafraum den freistehenden Waldemar Sobota, der den Ball maßgerecht auf den heranstürmenden Marc Rzatkowski legte. Mit seinem linken Fuß schoss der Mittelfeldspieler den Ball unhaltbar für Torwart Yann Sommer zum 1:0 (33.) in Netz. „Ich muss beim Torschuss noch entschlossener werden“, hatte Rzatkowski kürzlich im Gespräch mit dem Abendblatt gesagt. Dies waren offenbar nicht nur leere Worte.

Mönchengladbach wirkte reichlich geschockt, zu einem Zeitpunkt in Rückstand geraten zu sein, als man das Spiel in den Griff zu bekommen schien. Mit Beginn der zweiten Halbzeit aber zeigte der Favorit ein völlig anderes Gesicht. Scheiterte Lars Stindl in der 53. Minute noch mit seinem Torschuss, so beförderte der Mittelfeldspieler den Ball nach Zuspiel von Ibrahima Traoré nur eine Minute später zum 1:1 ins St.-Pauli-Tor. Der Treffer wirkte für die Borussia wie eine Befreiung. Plötzlich begannen die technisch starken Offensivspieler zu wirbeln und St. Paulis Defensive in Schwierigkeiten zu bringen.

Nur zwei Minuten nach dem Ausgleich zeigte Traoré, mit dem Buballa zunehmend Probleme bekam, seine Klasse. Von der rechten Seite lief er ein Stück parallel zur Strafraumgrenze, um dann den Ball mit links gezielt ins linke untere Toreck zu zirkeln.

Ein weiterer schneller Angriff sorgte für die Entscheidung. Diesmal wurde auf St. Paulis rechter Abwehrseite Bernd Nehrig überlaufen. Raffaels Schuss aus zwölf Metern konnte Himmelmann per Fuß noch abwehren, doch gegen den Nachschuss von Stindl war auch er machtlos – 1:3 (67.)

Trotz dieser erdrückend starken 13 Minuten der Gladbacher brach St. Pauli jedoch nicht zusammen, sondern raffte sich noch einmal zu eigenen Angriffen auf – und hatte Chancen. Bei den Schüssen von Rzatkowski und Nehrig musste Sommer sein Können auf der Linie zeigen, John Verhoeks Schuss aus der Strafraummitte wurde gerade noch zur Ecke abgewehrt.

Den sportlichen Schlusspunkt setzte der eingewechselte Mönchengladbacher Thorgan Hazard mit seinem fulminanten Schuss aus vollem Lauf zum 1:4-Endstand (86.). Der Stimmung auf den Rängen aber tat auch dies keinen Abbruch. Noch lange nach dem Schlusspfiff feierten die Fans beider Seiten ihre Spieler, nach einem Pokalabend, der nur eine Halbzeit Sensationspotenzial besaß.

St. Pauli: Himmelmann – Nehrig, Philipp Ziereis, Gonther, Buballa – Alushi, Rzatkowski – Sobota, Maier (70. Verhoek), Choi (79. Litka) – Thy.
Mönchengladbach: Sommer – Jantschke, Marvin Schulz, Christensen, Wendt – Stindl, Xhaka (87. Dahoud) – Traoré (84. Herrmann), Johnson – Raffael, Drmic (77. Hazard).
Tore: 1:0 Rzatkowski (33.), 1:1 Stindl (54.), 1:2 Traore (56.), 1:3 Stindl (67.), 1:4 Hazard (86.). Schiedsrichter: Meyer (Burgdorf). Zuschauer: 28.175. Statistik: Torschüsse 8:16; Ballbesitz 36:64 %; Fouls 9:12.