Zweite Liga

Junge Hoffnungen und alte Probleme bei St. Pauli

Der 20 Jahre alte Koreaner Kyoungrok Choi (Pauli), hier im Kopfball-Duell mit Winterthurs Marco Köfler, erzielte am Sonnabend den 1:0-Siegtrefferi

Der 20 Jahre alte Koreaner Kyoungrok Choi (Pauli), hier im Kopfball-Duell mit Winterthurs Marco Köfler, erzielte am Sonnabend den 1:0-Siegtrefferi

Foto: TayDucLam / WITTERS

Beim FC St. Pauli profilieren sich die Nachwuchsspieler, aber Verletzungen und ungefährliche Stürmer bereiten Sorgen.

Oberstaufen.  Am Tag danach war Jan-Philipp Kalla war schon wieder zum Scherzen aufgelegt. „Dann werde ich mal mit Buchti das Schwimmbad ein bisschen aufmischen“, sagte der dienstälteste Profi des FC St. Pauli am Sonntag. Dabei sprach Kalla allerdings nicht über einen geplanten Freizeitspaß mit Mittelfeldspieler Christopher Buchtmann, sondern über harte Trainingseinheiten im Aquajogging, die er nun ebenso wie sein Kollege wird absolvieren müssen.

Nachdem sich Buchtmann vor gut einer Woche im Testspiel in Kopenhagen einen Teilanriss des Innenbands im linken Knie zugezogen hatte, erwischte es Kalla jetzt am Sonnabend im Testspiel beim Schweizer Zweitligisten FC Winterthur (1:0). „Ich bin beim Torschuss von meinem Gegner etwas nach hinten gezogen worden“, berichtete Kalla. Die Folge war nicht nur, dass der aus gut 20 Metern geschossene Ball über das Tor flog, sondern auch, dass sich Kalla bei der unglücklichen Landung eine schwere Zerrung im Adduktorenbereich zuzog und nun vorerst nicht mehr zur Verfügung steht.

Harmlosigkeit der nominellen Stürmer im Torabschluss ein Problem

„Es nervt inzwischen wirklich, dass wir praktisch nach jedem Testspiel einen Ausfall zu beklagen haben“, kommentierte Trainer Ewald Lienen die neuerliche Verletzung. „Ständig müssen wir auf zwei bis vier Spieler verzichten.“ Die Verletzung Kallas trifft St. Pauli besonders hart, weil der 28-Jährige im aktuellen Kader der einzige gestandene Spieler ist, der für die Rechtsverteidiger-Position vorgesehen ist. In Winterthur rückte jetzt Okan Kurt als Ersatz auf diesen Posten, der 20-Jährige ist aber im defensiven Mittelfeld zu Hause. Nomineller Ersatz wäre Andrej Startsev, 20, der aber derzeit von seinen Bestleistungen entfernt ist. Ansonsten bliebe Lienen nur, Innenverteidiger Philipp Ziereis oder den für das defensive Mittelfeld eingeplante Bernd Nehrig auf die erst einmal vakante Rechtsverteidiger-Stelle zu schieben.

Während Lienen es für unrealistisch hält, dass Kalla zum ersten Saisonpunktspiel am 25. Juli (15.30 Uhr) gegen Arminia Bielefeld wieder einsatzbereit sein könnte, schätzt Kalla die Lage etwas optimistischer ein. „Es geht heute schon wieder etwas besser. Ich arbeite auf das Ziel hin, gegen Bielefeld dabei zu sein“, sagte er. „Ich werde mich ja körperlich weiter in Form halten, nur erst einmal nicht mehr mit dem Ball trainieren.“

Leicht angeschlagen sind derzeit auch noch Marcel Halstenberg und Bernd Nehrig. Neuzugang Ryo Myiaichi, der zuletzt unter Achillessehnenproblemen gelitten hatte, könnte dagegen im letzten Testspiel des Trainingslagers am Dienstag (18.30 Uhr) in Friedrichshafen gegen Bundesliga-Absteiger SC Freiburg zum Einsatz kommen. Im Training am Sonntag zeigte der Japaner bereits wieder seine Schnelligkeit.

Neben den Verletzungen bleibt die Harmlosigkeit der nominellen Stürmer im Torabschluss ein Problem des FC St. Pauli. Weder John Verhoek noch Ante Budimir konnten bei ihren Einsätzen in den Testspielen gegen Lustenau und Winterthur überzeugen. Auch Lennart Thy gelang es am Sonnabend gegen den Schweizer Zweitligisten nur einmal bei einem gefährlichen Torschuss, sich entscheidend durchzusetzen.

Hoffnungsträger Choi

Dass St. Pauli dennoch im siebten Testspiel der Sommer-Vorbereitung zu seinem siebten Sieg kam, war einer Gemeinschaftsarbeit zweier junger Talente zu verdanken. Der 19 Jahre alte Maurice Jerome Litka setzte den auf der rechten Seite freistehenden Kyoungrok Choi, 20, mit einem Pass mustergültig an, der Koreaner spielte noch zwei Gegner aus, um den Ball dann maßgerecht aus 22 Metern in den linken Torwinkel zum 1:0 (80. Minute) zu zirkeln.

Noch am Tag zuvor schien es undenkbar, dass der seit acht Jahren dem FC St. Pauli angehörende Litka überhaupt spielen könnte, nachdem er beim Test gegen Lustenau einen Riss im Trommelfell erlitten hatte. Zum Schutz hatte ihm ein HNO-Arzt in Immenstadt ein Kunststoffplättchen ins Ohr eingesetzt. Nachdem St. Paulis Mannschaftsarzt Professor Hauke Mommsen noch einmal Rücksprache mit dem HNO-Arzt gehalten hatte, gab es dann doch grünes Licht für einen Einsatz, wobei er Kopfbälle möglicht vermeiden sollte. „Das tut er doch ohnehin“, frotzelte Trainer Lienen später, sagte dann aber ernsthaft: „Er hat seine Sache auf der linken Außenbahn sehr gut gemacht. Er muss aber noch lernen, seine guten Dribblings auch noch mit einer gefährlichen Vorlage oder einem guten Torschuss abzuschließen.“

Gegen Winterthur gelang ihm vor dem Tor ein solches Zuspiel. Der Torabschluss von Choi zeigte darauf, dass der hochveranlagte Koreaner mit einer solchen Aktion allein entscheiden kann. Dies hatte er schon im Frühjahr mit seinen beiden Toren gegen Düsseldorf (4:0) gezeigt, aber damit andere Clubs auf sich aufmerksam gemacht. Sportchef Thomas Meggle besteht allerdings auf Erfüllung des noch ein Jahr laufenden Vertrages.

Wie Litka und Choi hinterlassen auch die anderen Nachwuchsspieler wie Dennis Rosin, Nico Empen, Yannick Deichmann und Svend Brodersen sportlich, aber auch vom gesamten Auftreten her einen sehr positiven Eindruck. „Ich habe bei ihnen allen viel Fantasie“, sagt Meggle.