FC St. Pauli

„Absoluter Wahnsinn“: Bierdusche tat Retter Lienen gut

Beide Trainer strahlen vor Erleichterung: Ewald Lienen wegen des Klassenerhalts, Darmstadt-Coach Dirk Schuster wegen des Bundesliga-Aufstiegs

Beide Trainer strahlen vor Erleichterung: Ewald Lienen wegen des Klassenerhalts, Darmstadt-Coach Dirk Schuster wegen des Bundesliga-Aufstiegs

Foto: Alex Grimm / Bongarts/Getty Images

Ewald Lienen erwies sich als Glücksfall. Mit stoischer Ruhe führte der Routinier St. Pauli vom Tabellenende auf den sicheren 15. Rang.

Hamburg. Die Bierdusche tat Ewald Lienens guter Laune nach dem geglückten Klassenverbleib mit dem FC St. Pauli keinen Abbruch. Im Gegenteil: „Das ist der absolute Wahnsinn!“, jubelte der Coach, dessen Verpflichtung sich für den Kiez-Club als Glücksfall erwiesen hat. Mit stoischer Ruhe führte der 61 Jahre alte Routinier, der im Fußball als Spieler und Trainer schon alles erlebt hat, St. Pauli vom Tabellenende der zweiten Liga auf den sicheren 15. Rang - trotz des 0:1 im letzten Spiel bei Erstliga-Aufsteiger Darmstadt 98 . „Wir hätten heute gern einen Punkt mitgenommen, den hätten wir auch verdient, aber wir haben die Klasse gehalten, und das ist alles, was im Moment zählt“, betonte der von 1600 mitgereisten Fans als Retter gefeierte Coach.

So durften nach dem Abpfiff am Pfingstsonntag beide Teams feiern: Die „Lilien“ aus Darmstadt marschierten in einem Jahr von der 3. in die 1. Liga durch. Und die Braun-Weißen verhinderten das Horror-Szenario, ihre Heimspiele im bald komplett fertigen Schmuckstück am Millerntor in der Drittklassigkeit absolvieren zu müssen. Damit hatten sie sich die Rettungsparty in der Kiez-Kultkneipe „Knust“ wahrlich verdient.

„Wir sind sehr erleichtert, es nach den harten Wochen und Monaten geschafft zu haben“, sagte Torwart Robin Himmelmann, der im Dezember zur Nummer eins ernannt wurde und gerade in den letzten Wochen für viele Gegner unüberwindbar war. „Wir haben über die Saison hinweg so viele Rückschläge erlitten. Nun können wir zusammen die Rettung feiern.“ Spieler und Trainer fielen sich in die Arme, die Anspannung des Existenzkampfes fiel sichtlich von allen ab.

Blick in die Vereinsgeschichte macht Mut

Rückschläge hatte es tatsächlich reichlich gegeben. Ursprünglich wollte sich St. Pauli unter den Top-25 in Deutschland etablieren. Als die Hamburger nach vier Spielen aber lediglich vier Punkte auf dem Konto hatten, wurde Trainer Roland Vrabec entlassen. Nachfolger war Vereinslegende Thomas Meggle, der zuvor die U23 trainiert hatte. Unter ihm ging die sportliche Talfahrt ungebremst weiter, sodass im Dezember ein weiterer Schnitt notwendig war. Der erfahrene Lienen wurde als Trainer verpflichtet, Meggle übernahm den Posten des entlassenen Sportchefs Rachid Azzouzi. Routinier Lienen stabilisierte die Defensive, strahlte trotz der prekären Lage Ruhe aus. Folge: Gerade im entscheidenden Endspurt behielt St. Pauli die Nerven und rettete sich mit starken 15 Punkten aus acht Partien.

„Ich bin überglücklich, dass wir die 2. Liga halten konnten. So konnte ich einen schönen Abschluss feiern und komme im nächsten Jahr mit Union ans Millerntor zurück“, sagte Dennis Daube, der vor einem Umzug nach Berlin steht. Auch Ersatztorhüter Philipp Tschauner (Hannover 96) und Florian Kringe (Karriereende) verlassen den Verein. Die Zukunft einiger anderer Spieler, etwa des vom HSV ausgeliehenen Innenverteidigers Lasse Sobiech, ist auch noch offen. Doch die Gesprächsbasis ist für Meggle angesichts der Rettung besser.

Wie auch immer der Kader künftig aussehen mag: Eine Zittersaison werden die Hamburger nicht noch einmal erleben wollen. Mut macht ein Blick in die Vereinsgeschichte. Auch in der Saison 1999/2000 musste St. Pauli bis zum letzten Spieltag um den Verbleib in Liga 2 zittern. Ein Jahr später gelang den Kiezkickern der Sprung in die Bundesliga.

(dpa/HA)