FC St. Pauli

Vertrag von Hoffnungsträger Choi läuft am Saisonende aus

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Fynn Engelbrecht-Greve
Kyoung Rok Choi feiert seinen ersten von zwei Treffern gegen Fortuna Düsseldorf

Kyoung Rok Choi feiert seinen ersten von zwei Treffern gegen Fortuna Düsseldorf

Foto: FrankPeters / WITTERS

Der neue Fan-Liebling ist bereits seit 2012 beim Kiezclub. Doch wer ist der 20-Jährige, den selbst Wikipedia bis Montag nicht kannte?

Hamburg. Mit seinem Traumdebüt gegen Fortuna Düsseldorf (4:0) hat sich Kyoung-Rok Choi in nur 16 Minuten zum Hoffnungsträger des FC St. Pauli im Kampf um den Klassenerhalt geschossen.

Der Doppelpack des 20-jährigen Nachwuchspielers in seinem ersten Profi-Spiel war genau der Hoffnungsschimmer, den Fans, Spieler und Verantwortliche des Kiezklubs so lange herbeisehnten. Dabei kannten den jungen Südkoreaner bis Montagabend wahrscheinlich nur seine Trainer und Mitspieler sowie die Fans, die auch regelmäßig die Spiele der Pauli-Reserve in der Regionalliga verfolgen.

Choi spielt bereits seit mehr als zwei Jahren in der Hansestadt. Im Sommer 2012 wechselte der am 15. März 1995 geborene Südkoreaner im Alter von 17 Jahren vom Team der heimischen Ajou Universität in die Nachwuchsakademie des FC St. Pauli, durchlief fortan bis zur U23 die Jugendmannschaften der Clubs und fuhr sogar mit der Profimannschaft ins Trainingslager. In der abgelaufenen Spielzeit hatte Choi 19-mal für die A-Jugend in der Bundesliga gespielt und dabei neunmal getroffen (sechs Vorlagen). Dem südkoreanischen Verband blieb das Nachwuchstalent natürlich auch nicht verborgen: Fünfmal trug Choi das Trikot der U17-Nationalmannschaft.

Einzelkritik: Choi in 16 Minuten zum Fanliebling

Vor der laufenden Saison unterschrieb der 1,76 Meter große Matchwinner gegen Düsseldorf im Juli 2014 einen Einjahresvertrag bei den Profis, trainierte dort auch regelmäßig und fleißig mit, kam jedoch bis Montag nur in der zweiten Mannschaft zum Einsatz. Choi wartete geduldig auf seinen Moment und versuchte sich durch starke Leistungen in der Regionalliga für die Profis zu empfehlen. Für die U23 schoss der Offensiv-Mann in 22 Einsätzen bislang fünf Tore und bereitete ein weiteres vor. In allen 22 Spielen stand Choi in der Startelf.

Im Testspiel vor einer Woche gegen den Bundesligisten Borussia Mönchengladbach, bei dem St. Pauli ein respektables 0:0 erkämpfte, hatte Choi mit einem Lattentreffer zum ersten Mal aufhorchen lassen und sein Potenzial angedeutet.

Die meisten Zuschauer am Millerntor rieben sich sicherlich verwundert die Augen, als die Aufstellung gegen Fortuna bekannt gegeben wurde. Selbst die Online-Enzyklopädie "Wikipedia" kannte Choi bis Montagabend nicht. Der Artikel zu seiner Person entstand am Montag um 21:13 Uhr, knapp eine Stunde nach Anpfiff der Partie gegen Düsseldorf.

Der beidfüßig talentierte, flexibel einsetzbare Offensiv-Spieler ließ mit seinem Blitz-Doppelpack schnell alle Zweifler verstummen. Als er dann noch den 4:0-Endstand durch Buballa mustergültig vorbereitete, begannen endgültig alle von einem südkoreanischen Erfolgs-Märchen auf dem Kiez zu träumen. Und sein Trainer kam aus dem Staunen nicht mehr heraus: „Er hat vor dem Tor im Training immer gezeigt, dass er vor dem Tor kalt ist. Dass er das hier so umsetzt, hatte ich auch nicht gewusst“, freute sich Trainer Ewald Lienen nach dem Sieg.

Die nächste Chance, weitere Choi-Tore feiern zu können haben die Fans bereits am kommenden Freitag, wenn der FC St. Pauli die schwere Auswärtshürde beim Aufstiegskandidaten Karlsruher SC nehmen will. Sollte der Südkoreaner an seine Gala vom Montag anknüpfen, sollten Spordirektor Thomas Meggle und Co. schnell handeln und den am Saisonende auslaufenden Vertrag des 20-Jährigen verlängern. Da in diesem jedoch eine Option auf ein weiteres Jahr vorgesehen ist, wird dies dann wohl zu einer reinen Formsache.

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