St. Paulis Präsidium mit stolzer Abschiedsbilanz

Rund 14 Millionen Euro Gewinn in vier Jahren Amtszeit. Eigenkapitalquote steigt auf 17,1 Prozent, doch jetzt drohen Einnahmerückgänge

Hamburg. Die Genugtuung war Stefan Orth anzumerken. „Gute Nachrichten sind bei uns die Regel geworden. Doch wir finden das überhaupt nicht langweilig“, sagte der Präsident des FC St. Pauli, der nur noch bis zur Mitgliederversammlung am 16. November im Amt bleiben darf. Anlass war in diesem Fall die Veröffentlichung der Bilanz sowie der Gewinn- und Verlustrechnung für das am 30. Juni abgelaufene Geschäftsjahr 2013/14. Das Zahlenwerk weist für den Gesamtkonzern des FC St. Pauli einen Gewinn vor Steuern von 1,89 Millionen Euro aus. Der sogenannte Konzern umfasst neben dem eingetragenen Verein insgesamt sechs Gesellschaften für die verschiedenen Aufgabenbereiche.

Wie berichtet hat der FC St. Pauli, der vor rund einem Jahrzehnt noch vor der Insolvenz stand, jetzt in den vergangenen vier Jahren, also der gesamten Amtszeit des aktuellen Präsidiums, insgesamt rund 14 Millionen Euro vor Steuern an Überschüssen erzielen können. In dieser Zeit spielte der Kiezclub nur ein Jahr in der Ersten und drei Jahre in der Zweiten Bundesliga. Allein für die drei Spielzeiten in der Zweiten Liga steht ein Gesamtgewinn von 6,55 Millionen Euro zu Buche.

„Einen Teil des Gewinns haben wir erneut den Rücklagen zugeführt. Damit haben wir unsere Eigenkapitalquote von 15,9 auf 17,1 Prozent gesteigert“, sagte am Donnerstag Tjark Woydt, der für die Finanzen verantwortliche Vize-Präsident des Millerntor-Clubs. Im Gegensatz dazu hätten die meisten anderen Zweitligaclubs, die ebenfalls nicht durch einen finanzstarken, strategischen Partner unterstützt oder überhaupt am Leben gehalten werden, ein negatives Eigenkapital.

Schon jetzt zeichnet sich aber ab, dass es für das laufende, am 30. Juni 2015 endende Geschäftsjahr, keinen erneuten Millionengewinn geben wird. Entscheidender Grund ist der Abriss der Nordtribüne des Millerntor-Stadions, der nach dem DFB-Pokalspiel am Dienstag, (20.30 Uhr, ARD live) gegen Borussia Dortmund beginnen wird. Bis zum Ende der Saison wird die Kapazität des Stadions nur noch rund 24.000 statt bisher 29.063 betragen. Die Einnahmen aus dem Ticketverkauf werden sich damit um 700.000 bis 900.000 Euro reduzieren. „Es wird schon eine große Herausforderung, im laufenden Geschäftsjahr, eine schwarze Null zu erreichen“, sagte am Donnerstag St. Paulis Geschäftsführer Michael Meeske. „Aber wir sind jetzt in der Lage, auch einen geringen Verlust zu ertragen.“ Mit der Fertigstellung der neuen Nordtribüne und damit des letzten Bauabschnitts des Stadions zu Beginn der Saison 2015/16 sei der Club dann aber so aufgestellt, dass die Ertragssituation besser als mit der jetzigen Nordtribüne sein wird.

Insgesamt erzielte St. Pauli in 2013/2014 Erträge von 30,73 Millionen Euro (Vorjahr 30,06). An Steuern wurden 1,13 Millionen Euro gezahlt. Die wichtigsten Einnahmeposten waren laut Geschäftsführer Meeske die Erträge aus dem Spielbetrieb mit knapp zwölf Millionen Euro, die mediale Verwertung (vor allem TV-Gelder) mit 8,13 Millionen Euro und die Werbung mit 4,4 Millionen Euro. Dagegen standen auf der Ausgabenseite unter anderem rund 11,5 Millionen Euro Personalkosten.

Aufgrund der großen Bauprojekte Millerntor-Stadion und Trainingszentrum in Niendorf hat der FC St. Pauli derzeit Verbindlichkeiten von insgesamt rund 40 Millionen Euro bei Banken und – über die Fan-Anleihe – bei Privatpersonen. Das Investment in die genannten Projekte beträgt insgesamt 62 Millionen Euro. „Wir übergeben unseren Club wirtschaftlich gesund und gut aufgestellt“, sagte Orth.