FC St. Pauli

Am Millerntor gelingen die Premieren

Die bisher letzten fünf Cheftrainer des FC St. Pauli konnten jeweils ihr erstes Heimspiel gewinnen. Die Gesamtbilanz seiner drei Vorgänger sollte für Thomas Meggle zudem ein Anreiz sein, diese zu überbieten.

Hamburg. Am kommenden Sonntag zählt es für Thomas Meggle. Seit genau einer Woche ist der 39-Jährige neuer Cheftrainer des FC St. Pauli, zwei Testspiele hat das Team unter seiner Leitung bereits erfolgreich bestritten – 2:2 bei Bayer Leverkusen, 11:1 bei BW Löwenstedt –, doch wirklich wichtig wird es erst, wenn es in der Zweiten Liga um Punkte geht, also am Sonntag um 13.30 Uhr im Heimspiel gegen 1860 München. Die Erwartungen sind hoch, nachdem es in den vergangenen Monaten vor allem in den Spielen im heimischen Millerntor-Stadion etliche enttäuschende Auftritte der St.-Pauli-Mannschaft gab. An der Unzufriedenheit darüber konnte auch der jüngste, sehr glückliche 2:1-Sieg gegen den SV Sandhausen nichts ändern.

In diesem Zusammenhang lohnt sich ein Blick zurück, insbesondere darauf, mit welchen Ergebnissen Thomas Meggles Vorgänger als St.-Pauli-Cheftrainer in ihre Amtszeit gestartet sind und wie sich die Bilanz im Laufe der Zeit entwickelt hat. Es ist rund zehn Monate her, als der am vergangenen Mittwoch beurlaubte Roland Vrabec sein Debüt in verantwortlicher Position gab. Am 11. November 2013 startete er mit einem 3:0 im Heimspiel gegen Energie Cottbus. Es folgten ein 1:0-Sieg in Aalen sowie danach zwei weitere Siege in den nächsten vier Spielen. Doch das war es dann schon fast mit der Herrlichkeit. Vrabec kam insgesamt auf 25 Zweitligaspiele mit je neun Siegen und Niederlagen sowie sieben Unentschieden – im Schnitt 1,36 Punkte pro Spiel.

Vor Vrabec war Michael Frontzeck für knapp 13 Monate St. Paulis Cheftrainer. Er gab sein Debüt am 21. Oktober 2012 mit einem 1:1 beim SC Paderborn, das folgende Heimspiel gegen Dynamo Dresden gewann St. Pauli mit 3:2 und siegte auch danach bei 1860 München 2:0. Frontzecks Gesamtbilanz bei St. Pauli: 38 Punktspiele, 15 Siege, zehn Unentschieden und 13 Niederlagen und damit im Schnitt 1,45 Punkte.

Frontzeck hatte André Schubert abgelöst, der seinerseits das Cheftraineramt zu Saisonbeginn 2011/12 nach dem Bundesligaabstieg übernommen hatte. Das erste Spiel unter seiner Regie gewann St. Pauli gegen Ingolstadt 2:0. Die Partie fand zwangsweise in Lübeck statt. Es folgten mit dem 1:1 bei Eintracht Frankfurt sowie einem 3:1 gegen Aachen weitere erfolgreiche Spiele unter Schubert, der das Team am Ende auf Platz vier führte. Dagegen sprangen in der anschließenden Spielzeit bis zu seiner Ablösung nach sieben Spielen nur ein Sieg und drei Unentschieden heraus. Dies macht 1,66 Punkte pro Partie.

Die Gesamtbilanz seiner drei Vorgänger sollte für Meggle zudem ein Anreiz sein, diese zu überbieten. Dies wird schon schwieriger, wenn sich Meggle an Schuberts Vorgänger Holger Stanislawski orientiert. Allein mit seiner Amtszeit vom 20. November 2006 bis zum 30. Juni 2011 setzte er einen Maßstab. Seit dem Zweiten Weltkrieg war nur Heinz Hempel (1952–1963 und 1967–1968) länger Trainer des FC St. Pauli. Stanislawski startete in der damaligen Regionalliga zwar mit einem 0:3 in Dresden, das erste Heimspiel unter seiner Regie aber gewannen die Kiezkicker mit 2:0 gegen den 1. FC Magdeburg. Dies war der erste Schritt zum Zweitliga-Aufstieg. Drei Jahre später gelang unter Stanislawski sogar der bisher letzte Bundesliga-Aufstieg.

Dies wird von Meggle niemand auf Anhieb verlangen. Doch ein Sieg im ersten Heimspiel darf es schon sein. Zumindest dies schafften alle fünf Vorgänger, denn auch Andreas Bergmann startete im März 2004 mit einem 1:0 gegen Chemnitz. Dagegen war Franz Gerbers Trainereinstand im Januar 2003 ein 1:1 gegen Eintracht Frankfurt.