Warum St. Pauli und Upsolut jetzt zusammenarbeiten

Beide Seiten teilen sich vorerst die Gewinne aus dem lukrativen Fanartikelgeschäft

Hamburg. Vor Gericht waren sie bisher unerbittliche Kontrahenten, die sich auch auf mehrmalige Aufforderung des Richters nicht außergerichtlich einigen wollten. Jetzt aber machen der FC St. Pauli und die Upsolut Merchandising GmbH & Co. KG doch gemeinsame Sache beim Verkauf der Fanartikel des Kiezclubs. „In sehr vernünftigen Gesprächen haben wir uns darauf geeinigt“, sagte jetzt St. Paulis Präsident Stefan Orth im Interview mit dem Abendblatt. Je zur Hälfte profitieren beide Seiten nun vom Merchandisingabsatz. Bisher erhielt Upsolut aufgrund eines vor zehn Jahren geschlossenen Vertrages 90 Prozent der Überschüsse, der Kiezclub zehn.

Dieser für den FC St. Pauli ungünstige Vertrag war Teil der Rettungsaktion des damals vor der Insolvenz stehenden Vereins, Upsolut erwarb seinerzeit die Merchandisingrechte für 30 Jahre. Vier Jahre später klagte St. Pauli gegen diesen Vertrag und insbesondere die für sittenwidrig erachtete Laufzeit. Der Prozess zog sich fünfeinhalb Jahre hin, ehe im vergangenen Dezember das Hanseatische Oberlandesgericht (OLG) dem FC St. Pauli in entscheidenden Punkten recht gab. Der Vertrag wurde auf zehn Jahre verkürzt und endet nun am 30. Juni dieses Jahres.

Allerdings hat Upsolut Revision eingelegt, jetzt muss der Bundesgerichtshof endgültig entscheiden. Dies allerdings wird sich nochmals für eine längere Zeit hinziehen. Von mindestens eineinhalb bis zu drei Jahren gehen die Beteiligten aus. Bisher sollen noch nicht einmal die Schriftsätze von den Anwälten eingereicht worden seien.

Angesichts der Unwägbarkeit, wie das BGH-Urteil ausfallen wird, haben sich die Parteien entschlossen, das wirtschaftliche Risiko so gering wie möglich zu halten. Bei der 50:50-Regelung, die vom 1. Juli bis zum endgültigen Urteil gelten soll, ist auch vereinbart, dass keine Seite einen Regressanspruch besitzt.

Nach dem Urteil des OLG hätte St.Pauli vom 1. Juli an das Merchandising über Fanshops und im Internet übernehmen können. Am Ende stand die Erkenntnis, dass der logistische Aufwand zu groß ist, um den Plan in wenigen Monaten zu realisieren. So wird das operative Geschäft weiter von Upsolut betrieben. Doch statt bisher rund 350.000 Euro pro Jahr dürfte der Kiezclub künftig rund 1,75 Millionen Euro als Gewinn aus dem Merchandisinggeschäft erhalten.