Chaos bei St. Pauli

Im Video: Manager Azzouzi „traurig“ – Frontzeck reagiert

Michael Frontzeck wollte sofort verlängern - oder den Verein im Sommer verlassen. Da zog der Zweitligist die Reißleine. Stimmen Sie hier ab: Wer soll neuer Trainer werden?

Hamburg. Paukenschlag beim Zweitligisten FC St. Pauli: Die Hamburger haben Trainer Michael Frontzeck mit sofortiger Wirkung freigestellt. Lesen Sie hier die aktuelle Entwicklung im Liveticker:

14.30 Uhr: Der gefeuerte Frontzeck hat sich inzwischen ebenfalls zu Wort gemeldet, seine Forderung nach einer baldigen Vertragsverlängerung als „legitim“ verteidigt und darüber hinaus Unverständnis über die Beurlaubung zum Ausdruck gebracht. „Nach 14 Monaten enger Zusammenarbeit sollte ein Verein in der Lage sein, eine Entscheidung zu treffen. Das hat wenig mit Druck zu tun“, sagte der frisch entlassene Trainer.

Frontzeck betonte, dass es „gar keine Auseinandersetzungen“ mit Club-Verantwortlichen, wohl aber „unterschiedliche Ansichten über die grundsätzliche Ausrichtung“ gegeben habe. Zudem sei der sogenannte „Fahrplan“, der Vertragsverhandlungen in der Winterpause vorsieht, nicht wie dargestellt mit ihm abgestimmt worden sei. „Der Zeitpunkt für die Gespräche wurde mir mitgeteilt“, betonte der 49-Jährige. Deshalb sei er vor rund vier Wochen auf die Verantwortlichen zugegangen. „Ich habe gesagt, dass sich in diesem fantastischen Club alles positiv entwickelt: Mannschaft, Stadion, Trainingsgelände. Das einzige, was kurzfristig gesehen wird, ist die Trainerfrage. Und dann habe ich gesagt, dass ich nicht bis zum Winter warte.“

13.50 Uhr: Die Partie gegen Energie Cottbus am kommenden Montag (20.15 Uhr/im Liveticker auf abendblatt.de) wird auf jeden Fall in die Geschichte eingehen: Da sich auch die Lausitzer gerade erst von ihrem Cheftrainer Rudi Bommer getrennt hatten, werden mit Roland Vrabec beim FC St. Pauli und einem möglichen Bommer-Nachfolger oder einer Interims-Lösung bei Cottbus mitten in der Saison zwei Trainer-Neulinge aufeinander treffen.

13.15 Uhr: Die ersten Tendenzen sind eindeutig: Die Fans des FC St. Pauli wünschen sich Holger Stanislawski zurück. Nach aktuellem Stand sind zwei Drittel aller Abendblatt-Leser für den Ex-Profi und -Trainer des Zweitligisten. Möglich wäre es ja: Im Mai ist der 44-Jährige beim 1. FC Köln zurückgetreten und bis heute ohne Job.

12.55 Uhr: Unterm Strich bleibt aber der Verdacht, dass es möglicherweise doch gravierendere Gründe als nur der von Frontzeck geforderte Vertrag den Ausschlag für die plötzliche Trennung gegeben hat. Denn erst Ende Oktober hatte Präsident Orth bei der Bekanntgabe des Jahresabschluss-Berichtes kritisiert, dass die Trennung von Frontzecks Vorgänger André Schubert einen deutlich höheren Überschuss als die 950.000 Euro verhindert habe. Nun wird die Trennung von Frontzeck erneut teuer – einen Kostenfaktor, denman sich hätte sparen können.

12.40 Uhr: Die offizielle Pressemitteilung des FC St. Pauli liest sich folgendermaßen: Der FC St. Pauli hat Cheftrainer Michael Frontzeck mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Diese Entscheidung trafen Präsidium und Sportdirektor Rachid Azzouzi in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat am späten Dienstagabend. „Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen. Aber Michael Frontzeck hat uns mitgeteilt, dass er nach Saisonende nicht mehr für den Verein tätig sein möchte, da wir seiner Forderung nach einer sofortigen Vertragsverlängerung nicht nachgekommen sind“, erklärte Präsident Stefan Orth.

„Wir haben einen Fahrplan vorgegeben, der Gespräche im Winter vorsah. Diesen hat Michael Frontzeck nicht akzeptiert. Wir wollten die Entwicklung der neuformierten Mannschaft abwarten und anschließend die Gespräche mit dem gesamten Trainerteam über den weiteren Weg führen. Unsere gegebenen Signale waren durchweg positiv. Daher haben uns Reaktion und Vorgehen von Michael Frontzeck sehr überrascht. Mit Blick auf die bevorstehenden Aufgaben und die nun beginnende Kaderplanung für die neue Saison sehen wir keine Grundlage mehr für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und haben uns zu dem Schritt entschlossen“, sagte Sportdirektor Rachid Azzouzi, der die Mannschaft über die Entwicklung am Mittwochmorgen informierte.

Die Mannschaft wird ab sofort vom bisherigen Co-Trainer Roland Vrabec betreut, der auch beim Heimspiel gegen Energie Cottbus als verantwortlicher Trainer auf der Bank sitzen wird.

12.20 Uhr: Der Rauswurf von Frontzeck bedeutete bereits den sechsten Trainerwechsel in der laufenden Zweitliga-Saison. Zuvor hatte sich 1860 München von Alexander Schmidt, der 1. FC Kaiserslautern von Franco Foda, Dynamo Dresden von Peter Pacult getrennt, der FC Ingolstadt von Marco Kurz und erst am Dienstag Energie Cottbus von Rudi Bommer getrennt.

12.00 Uhr: Die Ära Frontzeck beim FC St. Pauli verlief solide, ohne große Höhepunkte. Werfen Sie noch einmal einen Blick zurück in der Bildergalerie ander linken Seite dieses Artikels.

11.30 Uhr: Haben sie die Pressekonferenz verpasst? Kein Problem, ab sofort können Sie sich die Begründung der sportlichen Führung zur Trennung von Michael Frontzeck hier noch einmal im Video anschauen.

11.20 Uhr: Kaum ist der alte Trainer weg, wird natürlich über den Nachfolger spekuliert. Kommt jetzt Stanislawski zurück? Wird Marco Kurz Nachfolger von Frontzeck? Was glauben Sie? Nehmen Sie an unserer Umfrage teil.

11.10 Uhr: Die deutlichste Aussage kam wohl von Präsident Orth: „Wir sahen uns zu diesem drastischen Schritt gezwungen, da uns Michael Frontzeck mit der Forderung einer sofortigen Vertragsverlängerung so unter Druck gesetzt hat, dass wir diesen Weg nicht gehen konnten und wollten. Der FC St.Pauli wird sich niemals einem Ultimatum untersetzen und immer selber das Heft des Handelns in der Hand behalten.“ Frontzeck wollte seinen Ende der Saison auslaufenden Vertrag zeitnah bis 2016 verlängern. St. Pauli aber hat immer gesagt, dass man die Entwicklung bis zur Winterpause abwarten wolle.

10.55 Uhr: Das war‘s. Die Pressekonferenz ist beendet.

10.54 Uhr: Azzouzi: „Wir haben erst eben unseren Cheftrainer beurlaubt und werden jetzt nicht über mögliche Nachfolger spekulieren.“

10.53 Uhr: Azzouzi: „Wir wollten einen klaren Schnitt.“

10.50 Uhr: Azzouzi: „Natürlich ist das eine traurige Geschichte. Ich bin auch überrascht gewesen, warum jetzt so schnell eine Entscheidung getroffen werden sollte.“

10.48 Uhr: Azzouzi: „Der Fahrplan war jedem bekannt, er ging bis Winter, dann wollten wir eine Entscheidung treffen. Diesen Fahrplan wollten wir nicht ändern. Die Signale waren positiv, es gab keinen Grund, jetzt frühzeitig eine Vertragsverlängerung einzufordern. Michael wollte zeitnah eine Entscheidung, sonst wollte er im Sommer aufhören.“

10.47 Uhr: Azzouzi: „Es ging voriges Jahr darum, einen Trainer zu finden, der wieder eine Mannschaft formt, der Ruhe ins Umfeld bringt. In diesem Jahr ging es darum, eine neu formierte Mannschaft dahin zu entwickeln, dass wir wieder unsere Ziele erreichen können. Bis hierher lief ja alles in guten Bahnen. Wir waren auf einem guten Weg, deswegen war es so überraschend, dass plötzlich diese Forderungen kamen.“

10.44 Uhr: Azzouzi: „Die Mannschaft war überrascht, aber Frontzeck war nicht ausfallend, die Diskussionen waren sachlich.“

10.41 Uhr: Azzouzi: „Michael wollte Klarheit, wir wollten an unserem Fahrplan festhalten, bis zum Winter warten zu wollen.“

10.40 Uhr: Azzouzi: „Natürlich ist es legitim vom Trainer, vorzeitig Bescheid wissen zu wollen. Aber wir hatten immer gesagt, dass wir im Winter entscheiden wollen. Deswegen war die Forderung überraschend.“

10.38 Uhr: Der bisherige Co-Trainer Roland Vrabec wird am Montag gegen Cottbus auf der Bank sitzen.

10.36 Uhr: Azzouzi sagt, dass man mit der neuformierten Mannschaft zunächst die Entwicklung abwarten wollte.

10.34 Uhr: Präsident Stefan Orth bestätigt die sofortige Trennung von Frontzeck, weil der eine Vertragsverlängerung gefordert hatte. „Der FC St. Pauli lässt sich nicht unter Druck setzen.“

10.33 Uhr: Die Protagonisten haben den Raum betreten.

10.30 Uhr: In wenigen Augenblicken beginnt die Pressekonferenz mit der Erklärung der sportlichen Führung. Als Gesprächspartner haben sich Präsident Stefan Orth, Sportvorstand Jens Duve und Sportdirektor Rachid Azzouzi angekündigt.

10.20 Uhr: Frontzeck war der sechste Trainer in den vergangenen zehn Jahren beim FC St. Pauli. Die Chronologie: Franz Gerber (2002 bis 2004), Andreas Bergmann (2004 bis 2006), Holger Stanislawski (2006 bis 2007 und 2008 bis 2011), André Trulsen (2007 bis 2008), André Schubert (2011 bis 2012) und Michael Frontzeck (2012 bis 2013).

10.00 Uhr: Frontzeck bestätigt inzwischen die Trennung: „Ich bin ein Stück weit traurig über diese Entscheidung. Sie kam für alle überraschend. Ich muss das jetzt erstmal sacken lassen. Jeder, der mich ein bisschen kennt, weiß, dass ich sehr gerne mit der Mannschaft zusammengearbeitet habe“, sagte der Trainer: „Wir hatten unterschiedliche Auffassungen über die Entwicklung des Clubs.“

9.50 Uhr: Die Hintergründe laut Abendblatt-Informationen: Frontzeck soll am Dienstagabend gegenüber dem Präsidium und Sportchef Rachid Azzouzi einen neuen Zweijahresvertrag gefordert haben - und anschließend laut geworden sein. Bereits zuvor soll er laut Abendblatt-Informationen mehrfach mit Azzouzi aneinandergeraten sein.

Schon nach dem ersten Spieltag kam es zum Eklat zwischen Präsident Stefan Orth und Frontzeck. Orth hatte vor der Partie gegen 1860 München (1:0) einen "klaren Sieg" vorausgesagt, Frontzeck missfielen diese Worte, weshalb er ihn öffentlich in der Pressekonferenz angriff. Schon dort soll der Trainer kurz vor einer Abmahnung gestanden haben.

9.45 Uhr: „Man muss nicht alles verstehen“, wird Frontzeck von der „Bild“-Zeitung zitiert. Der gebürtige Mönchengladbacher hatte bei St. Pauli Andre Schubert als Trainer beerbt und in 40 Pflichtspielen 15-mal gewonnen, zehnmal Unentschieden gespielt und 15-mal verloren. Vor seiner Station bei St. Pauli war Frontzeck unter anderem bei Alemannia Aachen, Arminia Bielefeld und in der Bundesliga bei Borussia Mönchengladbach als Trainer tätig.

9.40 Uhr: Frontzeck hatte sein Amt bei St. Pauli im Oktober 2012 angetreten. Der Kiez-Club steht zurzeit auf dem achten Tabellenplatz der 2. Liga. „Wir geben keine Stellungnahme ab“, sagte Vereinssprecher Christoph Pieper und verwies auf eine Pressekonferenz um 10.30 Uhr.

9.30 Uhr: Auch andere Medien berichten von der Entlassung.

9.15 Uhr: Das Hamburger Abendblatt hat die Information bekommen, dass sich der FC St. Pauli mit sofortiger Wirkung von Trainer Michael Frontzeck trennt.