„St. Pauli hatte kein Interesse“

Der einstige Publikumsliebling vom Millerntor spricht über seinen Wechsel zum Rivalen HSV

Hamburg. Natürlich habe es die eine oder andere SMS mit Frotzeleien der alten Kollegen vom FC St. Pauli gegeben. „Aber immer mit einem Augenzwinkern“, erzählt Fabio Morena, „eigentlich freuen sich alle, dass ich wieder da bin.“ Gut gelaunt kommt der 33-Jährige zum Gespräch mit Journalisten ins Café Estoril in Eimsbüttel. Morena ist zurück in seiner Stadt. Dort, wo der Schwabe im Sommer 2003 ein Zuhause fand und seine Zukunft mit der Familie sieht. Zurück in Hamburg – nicht jedoch bei seinem Herzensverein FC St. Pauli, wo er als Kapitän Aufstiege aus der Regionalliga und in die Bundesliga feierte. Morena hat für ein Jahr, plus Option auf eine weitere Saison, beim HSV unterschrieben. Er soll als Innenverteidiger die U23-Regionalligaelf von Trainer Rodolfo Cardoso führen.

Nach neun Jahren hatte der Deutschitaliener St. Pauli im Mai 2012 verlassen müssen. Beim SV Sandhausen bot man ihm die Perspektive, weiter in der Zweiten Liga spielen zu können. Doch Morena fand nie dauerhaft ins Team, weshalb er den Club unbedingt verlassen wollte. Sein Berater Dirk Lips nahm Kontakt mit HSV-Sportdirektor Oliver Kreuzer und Nachwuchschef Michael Schröder auf. „Es ist kein Geheimnis, dass ich gerne zurück nach Hamburg wollte“, sagt Morena über seinen prekären Wechsel zum Erzrivalen. „Ich habe in Sandhausen erlebt, wie es ist, von der Familie getrennt zu leben. Das wollte ich einfach nicht mehr“, begründet Morena den Schritt. Warum es ausgerechnet der HSV wurde und kein Comeback in St. Paulis zweiter Elf zustande kam, dafür hat er eine einfache Erklärung: „Es gab Kontakt, aber St. Pauli hatte kein Interesse. Das muss ich akzeptieren“, sagt er, ohne dem Verein einen Vorwurf machen zu wollen.

Bei seinem Abschied vom Millerntor hatten alle Beteiligten betont, man wolle Morena nach der Karriere in den Verein einbinden. Der Kontakt ist nie abgerissen, weshalb der Profi eine erneuten innerstädtischen Wechsel nicht ausschließt. „Ich lasse alles auf mich zukommen und bin offen dafür, was die Zukunft bringt. Wenn man so lange bei St. Pauli war, verschwindet man nicht so schnell“, sagt er.

Dass einige Fans die Entscheidung nicht nachvollziehen können, damit hat er gerechnet. „Wer meine Situation kennt, wird es aber verstehen“, hofft der Routinier, der 245-mal für St. Pauli auflief. Beim HSV habe er nun die tolle Möglichkeit, einen großen Verein von innen kennenzulernen und „dem einen oder anderen Fachmann über die Schulter schauen zu können“, erklärt er.

Der Spaß am Fußball ist nach den ersten Einheiten beim HSV schon wieder zurück. „Ich genieße es, mit jungen Talenten zu arbeiten“, sagt der einstige Jugendspieler des VfB Stuttgart. Gegen den VfR Neumünster soll Morena am Sonntag in der Regionalliga Nord im HSV-Trikot debütieren. Schon am 28. August kommt es zum Aufeinandertreffen mit St. Paulis U23. Auf der Tribüne am Millerntor dürften sich dann wohl auch einige seiner früheren Mitspieler einfinden. „Es wird immer ein komisches Gefühl sein, dort aufzulaufen“, blickt Morena voraus. Sein größter Wunsch: „Ich hoffe, dass die Fans mich so empfangen, wie sie mich kennengelernt haben.“