Prozess

Ehemaliger Spieler des FC St. Pauli ein Schleuser?

Keine Geständnisse im Prozess gegen Jouri Sawitschew und Boxpromoter Waldemar Kluch. Das Duo habe neun Fußballern aus Russland und der Ukraine Visa verschafft, heißt es in der Anklage.

Hamburg. Den Umgang mit der Öffentlichkeit sind die beiden gewohnt, der Boxpromotor und der frühere St.-Pauli-Star. Und so blicken Waldemar Kluch und Jouri Sawitschew auch mit entspanntem Lächeln in die zahlreichen Kameras, als sie den Verhandlungssaal des Landgerichts betreten. Kluch, 54, und Sawitschew, 48, wird gemeinschaftliches gewerbsmäßiges Einschleusen von Ausländern vorgeworfen. Und dafür könnte eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren verhängt werden.

Das Duo habe zwischen 2006 und 2009 insgesamt neun Fußballern aus Russland und der Ukraine Visa verschafft, heißt es in der Anklage. Unter dem Vorwand, die Spieler sollten in Deutschland an Lehrgängen teilnehmen, seien Einladungen unter anderem an die Botschaft in Moskau verschickt worden. Tatsächlich soll Kluch die Sportler in seiner damaligen Funktion als lizenzierter DFB-Spielervermittler in deutschen Vereinen als Profifußballer vermittelt und sich so eine Einnahmequelle verschafft haben. Jouri Sawitschew wird vorgeworfen, er habe in Kenntnis der falschen Angaben seine Personalien für die Einladungsschreiben zur Verfügung gestellt und als Fußballtrainer die Betreuung der Spieler übernommen.

Name, Geburtsdatum, Geburtsort und Nationalität – mehr lassen die beiden Angeklagten an diesem ersten Verhandlungstag nicht von sich hören. Aussagen, so kündigen ihre Verteidiger an, würden erst am zweiten Prozesstag kommen.

Geständnis komme für Kluch nicht infrage

Die Vorsitzende Richterin hatte zu Prozessbeginn darauf hingewiesen, dass sich „ein frühzeitiges Geständnis“ strafmildernd auswirken würde. Allerdings ist denkbar, dass das Verfahren gegen Sawitschew gegen eine Geldbuße von 10.000 Euro eingestellt werden könnte. Für Waldemar Kluch gibt es vonseiten der Anklagebehörde keine Bereitschaft, das Verfahren einzustellen. Aber Kluch will offenbar um einen Freispruch kämpfen. Die Staatsanwaltschaft habe „eine Riesenwelle gemacht“, sagt sein Verteidiger. Später habe sich aber herausgestellt, dass an den Vorwürfen wenig oder sogar gar nichts dran sei. Ein Geständnis komme nicht infrage.

Der Prozess wird am 3. September fortgesetzt.