2. Bundesliga

Der Startvergleich: St. Pauli hat die Klasse von 2009

Schon mit einem Remis am Sonntag in Braunschweig würde der FC die beeindruckende Startbilanz der letzten Aufstiegssaison toppen.

Hamburg. "Diese Mannschaft ist so stark wie die der Aufstiegssaison 2009/2010 - mindestens." Helmut Schulte war der Erste, der diese positive Prognose wagte. Noch vor dem Start in die Vorbereitung gelangte er zu der Erkenntnis, die er umgehend erläuterte: "Von den elf Spielern mit den meisten Einsätzen aus der Serie sind noch neun da. Und es sind ja einige neue Profis dazugekommen." Dass der Jahrgang, die Klasse von 2009, beim Auswärtsspiel am Sonntag in Braunschweig (13.30 Uhr/Sky und Liveticker auf abendblatt.de) nur eine Nebenrolle spielt, da Aufstiegshelden wie Carsten Rothenbach, Fabio Morena, Ralph Gunesch, Deniz Naki, Charles Takyi, Marius Ebbers oder Rouwen Hennings verletzt fehlen oder nur als Reservist auf ihren Einsatz hoffen, mag die Begründung von St. Paulis Sportchef infrage stellen. Schultes Kernthese aber hat nach den ersten fünf Spieltagen den Praxistest bestanden: vier Siege, ein Unentschieden, 13 Punkte, Tabellenführer. Der FC St. Pauli hat einen Start wie in der Aufstiegssaison 2009/2010 hingelegt - und kann die 24 Monate alte Bilanz nun sogar toppen (siehe Grafik rechts).

2:1 gegen Ahlen, 5:0 in Aachen, 2:2 gegen Duisburg, 4:0 in Karlsruhe und 3:2 beim FSV Frankfurt waren damals die Zahlenkombinationen, die den Grundstein für den Jackpot am Ende legten. 2:0 gegen Ingolstadt, 1:1 bei Eintracht Frankfurt, 3:1 gegen Aachen, 2:1 in Bochum und ein 2:1 gegen Duisburg ließen den aktuellen Trend entstehen. "Es ist klar, dass wir nicht alle 34 Spiele gewinnen werden, und wir haben ja auch schon ein Unentschieden dabei gehabt", weiß André Schubert, der als neuer Trainer mit den Parallelen zum letzten Aufstieg nichts anfangen kann und will und am Sonntag voraussichtlich auch sechs Spieler auf den Platz schicken wird, die die Geschichten von den Feiern im Jubiläumssommer 2010 nur aus Erzählungen kennen. Doch schon ein Unentschieden aus den Partien bei der Eintracht und in zwei Wochen am Millerntor gegen 1860 München würden dazu führen, dass der Aufstiegskurs noch härter genommen wird als einst unter Holger Stanislawski, der mit seiner Mannschaft am sechsten und siebten Spieltag die ersten Niederlagen kassierte: 1:2 gegen Kaiserslautern und 0:1 bei Arminia Bielefeld.

Allerdings verspricht die Aufgabe beim Aufsteiger eine ähnlich knifflige Aufgabe wie die beiden bisherigen Auswärtsspiele zu werden. "Die haben sich ihren Erfolg mit einer gewissen Lockerheit erspielt", sagt Fin Bartels, dessen persönliche Situation mit der der Gegner durchaus Parallelen aufweist: "Die schwimmen momentan auf einer Euphoriewelle." Mit einem Sieg könnten die offensivstarken Niedersachsen an St. Pauli vorbeiziehen und das Stimmungshoch beim deutschen Meister von 1967 verlängern. Das Eintracht-Stadion an der Hamburger Straße ist längst ausverkauft, die Polizei hat die Partie zum Risikospiel erklärt.

"Eine nicht ganz so leichte Aufgabe, gerade vor diesem Publikum sind sie einiges zu leisten imstande", weiß Schubert, der einen Gegner mit offenem Visier erwartet: "Die sind sehr gut eingespielt, mit Kumbela und Kruppke vorne sehr gefährlich und haben eigentlich nichts zu verlieren. Selbst eine Niederlage wäre für Braunschweig nicht tragisch, und vor 23 000 Zuschauern kannst du dich nicht einfach nur hinten reinstellen." Was auch für St. Pauli gilt, das zuletzt auch an die spielerische Klasse von 2009 anknüpfen konnte. Angeführt von Bartels, Max Kruse oder auch Florian Bruns und Dennis Daube wurden immer mehr Automatismen im Kombinationsspiel verankert.

Eine Beobachtung, die auch von Perfektionist Schubert wohlwollend vermerkt worden sein dürfte. Die aktuelle Tabellenführung oder gar statistische Parallelen zur Vergangenheit interessieren ihn hingegen überhaupt nicht. "33 Spiele Tabellenführer sein und am Ende auf dem vierten Platz landen, oder andersherum - was wäre Ihnen denn lieber?"