FC St. Pauli

Stanislawski: "Platz drei wäre gerecht gewesen"

Stanislawski will weitere Ungerechtigkeiten vermeiden und geht mit St. Pauli in die Detailarbeit

Hamburg. Als die Spieler aus dem Funktionsgebäude an der Kollaustraße nach draußen zum Auslaufen traten, blieb es still. Lediglich die Ersatzspieler, die noch eine lockere Balleinheit zu absolvieren hatten, sorgten mit ihren Stollenschuhen auf dem gepflasterten Untergrund kurzzeitig für eine Geräuschquelle. Anders als in den vergangenen Wochen waren keine jubelnd klatschenden Fans zum Trainingsgelände gekommen, dabei hätte sich ihre Mannschaft die Respektsbekundungen nach dem gelungenen Auftritt beim VfB Stuttgart mehr noch als an den Montagen zuvor verdient gehabt.

Es fehlte aber nicht nur der Applaus. Auch einen Tag nach der unglücklichen 0:2-Niederlage wurden die drei Punkte schmerzlich vermisst. Keine 16 Zähler, kein dritter Tabellenplatz, stattdessen nachvollziehbares Hadern auf Rang zehn. Die braun-weiße Welt brummte bei herrlichem Sonnenschein in Moll, nachdem die Hamburger in der Mercedes-Benz-Arena noch eine technisch anspruchsvolle Symphonie in Dur angestimmt hatten, sich beim Schlussakkord aber dennoch auf der Schattenseite wiederfanden. Verkehrte Welt in Stuttgart, verkehrte Welt in Hamburg. "Wir hätten zu Recht auf dem dritten Platz gestanden, haben diesen aber verschenkt, weil wir in den entscheidenden Situationen Lehrgeld bezahlt haben. Ich ärgere mich wahnsinnig darüber, wenn man Spiele nicht gewinnt, die man aufgrund der Leistung eigentlich gewinnen muss", gab Holger Stanislawski einen kleinen Einblick in sein Seelenleben, "aber wir haben in den entscheidenden Situationen nicht die beste Lösung gewählt."

Allgemeine Kritik, die der Trainer konkretisierte. Fabian Boll, der das schmeichelhafte 1:0 des VfB durch nachlässiges Zweikampfverhalten ermöglicht hatte, aber auch Offensivspieler wie Max Kruse, dem Stanislawski im Rahmen der Großchance in der 55. Minute Mängel bei der Ballverarbeitung vorwarf, sowie die Einwechselspieler, die diesmal keine neuen Impulse setzten, durften sich als Adressaten fühlen.

Kleinigkeiten, die am Ende große Wirkung hatten. "Das ist eben Erste Liga", erklärte Angreifer Marius Ebbers, der sich mit seinen Kollegen nun in der Detailarbeit wiederfinden wird. Konzentrationsmängel bei gegnerischen Ecken und Freistößen sollen behoben, die Effektivität in der Offensive gesteigert sowie Defizite in der Spieleröffnung abgestellt werden. "Wir müssen die Aufmerksamkeit bei Standards erhöhen, lernen, uns für unser schnelles, flaches Kurzpassspiel zu belohnen und an der Flexibilität in der Spieleröffnung arbeiten", sagt Stanislawski. Ein längerer Prozess, der aber schon nach dem nächsten Spiel gegen Eintracht Frankfurt für Beifall sorgen soll.