FC St. Pauli

Trainer Schubert: "Wahnsinnig viel zu gewinnen"

Nach dem erneuten Patzer von Fortuna Düsseldorf ist sich St. Pauli sicher, Relegationsplatz drei noch zu erreichen - wenn jetzt drei Siege folgen.

Hamburg. Auch wenn sich der Großteil der Mannschaft das Spiel von Fortuna Düsseldorf bei Dynamo Dresden am Montag im TV angesehen hatte, wollten Spieler und Trainer des FC St. Pauli die 1:2-Auswärtsniederlage am Tag danach nicht überbewerten. "Natürlich haben wir das wohlwollend zur Kenntnis genommen. Aber ich zum Beispiel habe es gar nicht gesehen", bekannte Führungsspieler Fabian Boll, "meine Frau hatte Geburtstag. Wir waren was essen." Ja, es gibt wichtigere Dinge, als im Kampf um den zur Teilnahme an der Relegation berechtigenden dritten Tabellenplatz vor dem Fernseher auf Patzer der Konkurrenz zu hoffen - unabhängig von familiären Pflichten: "Es nützt doch nichts, wenn die anderen patzen, wir aber unsere Chancen nicht nutzen."

Dass diese bei umgekehrtem Spielausgang auf ein theoretisches Maß zusammengeschrumpft wären, ist zwar ebenfalls allen Beteiligten bewusst, doch der Schlüssel zum Erfolg wird in den eigenen Reihen gesucht. "Wir sollten unsere Spiele gewinnen und damit gleich am Sonntag gegen Rostock anfangen", empfiehlt Boll, der "ein Elefantenrennen um Platz drei" ausgemacht hat, "jeder sträubt sich." Lediglich einen Sieg konnten Düsseldorf und St. Pauli in den vergangenen sechs Partien feiern, Paderborn genügte der zweite Erfolg aus den zurückliegenden sieben Spielen, um an dem Duo vorbei auf Platz drei zu springen. Unbekümmertheit und Erwartungslosigkeit haben dem Überraschungsteam einen möglicherweise entscheidenden Vorteil verschafft. Während die Ostwestfalen ihr Potenzial uneingeschränkt abrufen, drohen Düsseldorf und St. Pauli an der Drucksituation zu scheitern. "Es ist derzeit eine Kopfsache. Gegen Dresden war unsere Brust erst frei, als das Spiel schon verloren war", attestiert Düsseldorfs Trainer Norbert Meier seiner Mannschaft ein mentales Problem. Auch St. Pauli benötigte zuletzt immer wieder Gegentore, um die Anspannung auf dem Platz zu lösen. "Wir kommen immer erst ins Rollen, wenn wir hinten liegen. Diese Haltung muss schnell aus den Köpfen raus", mahnt Boll.

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Eine Problematik, der sich sein Trainer angenommen hat. "Unsere Aufgabe ist es jetzt, den Spielern etwas klarzumachen: Ihr habt nichts zu verlieren, aber wahnsinnig viel zu gewinnen. Die Relegation ist etwas ganz Besonderes, Einzigartiges", sagt André Schubert. Seine Augen leuchten, er ist jetzt im Motivationsmodus, und man merkt, dass er die maximale Investition, die er fortan in jedem Zweikampf von seinen Spielern fordert, vorlebt: "Du darfst nicht zweifeln, musst die Nerven behalten. Wenn du alle drei Spiele gewinnst, hast du Platz drei sicher." Eine Rechnung, die auch Boll stützt: "Die Erfahrungen der vergangenen Wochen haben gezeigt, dass uns neun Punkte zum dritten Platz reichen werden."

Eine realistische Einschätzung. Denn während die Düsseldorfer fast schon im Schockzustand von der Tabellenspitze bis auf Platz vier durchgereicht wurden, dokumentierten die Hamburger in den vergangenen Spielen aufsteigende Tendenz. Selbstbewusst und kämpferisch wurde beim FSV Frankfurt ein 0:3-Rückstand egalisiert, das 0:1 gegen Union Berlin in letzter Sekunde in ein 2:1 gewandelt.

Wer Großes erreichen und am 34. Spieltag "im ersten von drei Relegationsspielen" (Boll) Paderborn noch überholen will, muss Konstanz nachweisen und unbeirrt in die eigenen Qualitäten vertrauen. Fürth ist als frischgebackener Aufsteiger das beste Beispiel. "Sie haben immer ihr Ding durchgezogen. Respekt", sagt Schubert. Insofern könnte der TV-Abend am Montag mit den Liveschaltungen zu den Fürther Aufstiegsfeierlichkeiten für den einen oder anderen am Ende von ebenso inspirierender Wirkung gewesen sein wie ein Festessen mit der eigenen Frau.

Das Restprogramm im "Elefantenrennen": SC Paderborn (58 Punkte/+15 Tore): Karlsruher SC (A), FSV Frankfurt (H), FC St. Pauli (A). Fortuna Düsseldorf (57/+28): 1. FC Union Berlin (H), SpVgg Greuther Fürth (A), MSV Duisburg (H). FC St. Pauli (56/+18): FC Hansa Rostock (H), Dynamo Dresden (A), SC Paderborn (H).