Polizei erhebt schwere Vorwürfe

St. Paulis Fans sollen Krawalle beim Schweinske-Cup durch Angriffe auf Lübecker provoziert haben

Hamburg. Am Montag hatte der FC St. Pauli seine Version von den Vorfällen beim Schweinske-Cup dargelegt, gestern äußerte sich die Polizei detailliert zur Eskalation der Gewalt in der Sporthalle - und erhob schwere Vorwürfe. Demnach hätten Fans des FC St. Pauli die Krawalle begonnen, was der Darstellung des Kiezklubs, wonach die eigenen Anhänger nur auf Provokationen der Hooligans aus dem Lager des VfB Lübeck und des HSV reagiert hätten, krass widerspricht.

Rund 500 Anhänger St. Paulis seien vor dem Turnier vom U-Bahnhof Lattenkamp zur Halle marschiert und hätten "den Stadtteil in Angst und Schrecken versetzt", sagte der Leitende Polizeidirektor Kuno Lehmann gestern Abend im Innenausschuss der Bürgerschaft. Nach Eintreffen in der Halle habe sich die Lage nur kurzzeitig beruhigt. "Um 17.37 Uhr begann die Veranstaltung eine problematische zu werden", so Lehmann. Aus dem vollen St.-Pauli-Bereich habe es erste Versuche gegeben, in den mit 20 Fans gefüllten Gästeblock zu gelangen. Das hätten Ordner noch verhindert. Ab 17.57 Uhr hätten alle Lager aufeinander eingedroschen.

Nach Lehmanns Darstellung waren 30 HSV-Fans vor dem Turnier nach Lübeck gefahren, um gemeinsam mit den VfB-Anhängern zurück nach Hamburg zu reisen. Überhaupt waren in Lübeck nach Abendblatt-Informationen einzig Tickets für den Freitag verkauft worden. In der Halle sei die Gruppe den St. Paulianern aber zahlenmäßig so unterlegen gewesen, dass die Lübecker um 19.15 Uhr die Polizei darum gebeten hätten, sie aus der Halle zu bringen. Das habe "deutlich schlimmere Folgen verhindert", so Lehmann. Mit Fans des FC St. Pauli habe sich die Polizei dann noch bis um 22.10 Uhr in und vor der Halle, in der U-Bahn und bis auf den Kiez Scharmützel geliefert. "Das, was Pauli-Fans da veranstaltet haben, war organisierte Gewalt", so Vize-Polizeipräsident Reinhard Fallack. "Da fehlen mir schlichtweg die Worte", sagte St. Paulis Pressesprecher Christian Bönig in einer ersten Reaktion, "aber wir haben unsere Sicht der Dinge ja bereits geschildert."

Innensenator Michael Neumann (SPD) ist sich mit der Polizei einig, dass die Sporthalle für solche Veranstaltungen nicht geeignet ist, aber die Halle selbst sei nicht der Grund für die Krawalle, sondern die Menschen. "Das sind Straftäter, keine Fans." Dennoch musste der SC Sperber sein für Sonntag geplantes C-Jugend-Turnier absagen. Das Bezirksamt Nord und Neumann hätten entschieden, dass in der Sporthalle Hamburg vorerst keine Fußballturniere mehr stattfinden dürfen, teilte der Verein mit. "Ich habe dafür wenig Verständnis", sagte Sperbers Abteilungsleiter Jens Stümpel.