FC St. Pauli plant neue Saison

Mit 39 Millionen Euro in die Bundesliga

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Noch ein Sieg bis zur Bescherung - wie der FC St. Pauli im Fall des sehr wahrscheinlichen Aufstiegs für die neue Saison plant.

Hamburg. Als Theaterboss und Schauspieler hat Corny Littmann einen latenten Hang zur Dramatik. Auf eine nervenaufreibende Relegation mit Aufstiegsspielen gegen den Bundesliga-16. würde der Präsident des FC St. Pauli aber dennoch allzu gern verzichten. Es sei nicht das, was ihm für das Saisonfinale vorschwebe, erklärte er nach dem emotionalen 6:1-Sieg gegen die TuS Koblenz am Freitag. Spätestens seit diesem Wochenende ist das große Ziel unmissverständlich formuliert: Platz zwei, gleichbedeutend mit dem direkten Aufstieg. Sagt der Präsident, sagt der Sportchef, sagt der Trainer, sagen die Spieler.

Während die Mannschaft noch einen Sieg aus den beiden letzten Spielen benötigt, sind die wirtschaftlichen Voraussetzungen für die Bundesliga bereits geschaffen. Mit einem verdoppelten Gesamtetat würde der FC St. Pauli eine Bundesligasaison 2010/11 angehen. 39 Millionen Euro sollen dafür sorgen, dass der Aufstieg nicht zum Abenteuer wird. "Der sportliche Bereich wird dann sicher etwas mehr Geld haben wollen", streicht Geschäftsführer Michael Meeske einen gewichtigen Faktor heraus, "allerdings wird es bei uns dann in allen Bereichen Liga-Anpassungen geben."

St. Pauli wächst nicht nur auf dem sportlichen Sektor. Der Service für Fans und Geschäftskunden soll ausgebaut werden, auch im Medienbereich und in der Verwaltung müssten Ressourcen erweitert werden. Eine neue Software soll das Controlling verbessern, Administration und Sekretariat werden ebenfalls personell verstärkt. Zudem steigen die Ausgaben in den Bereichen Finanzierung und Dienstleistung. Investoren und Partner, die den Verein in wirtschaftlich schwierigen Zeiten mit Darlehen unterstützten, partizipieren am Erfolg.

Auf den kann St. Pauli auch beim Verkauf der Logen und Business-Seats hoffen. Bei einem Aufstieg dürfte die Verkaufserwartung von zwei Dritteln der finanziell lukrativen Plätze im Millerntor-Stadion deutlich übertroffen werden. Schon jetzt sind 20 der insgesamt 39 Separees und 60 Prozent der Business-Seats ausgelastet. Überaus zufriedenstellende Zahlen seien das, sagt Meeske und blickt auf das rege Treiben auf der Stadionbaustelle. Die neue Haupttribüne steht als Sinnbild für die parallel verlaufende Entwicklung am Millerntor. Hier entsteht etwas Großes.

Aus einer durchschnittlichen Regionalligatruppe im Winter 2006 ist ein Favorit beim Bundesliga-Aufstieg geworden. Die Bruchbude Millerntor erlebte binnen dreieinhalb Jahren die Wandlung zu einem modernen und dennoch einzigartigen Stadion. Die Baumaßnahmen konnten Schritt halten mit dem sportlichen Aufwärtstrend. Im August soll die neue Haupttribüne planmäßig fertig sein. Gestiegener Komfort und gestiegene fußballerische Qualität, die ihren Preis haben. "Wir behalten pro Spiel zu wenig Geld über", sagt Meeske, "wissen aber, dass Preisdiskussionen stets eine politische Komponente haben." Der Klub erzielt Einnahmen, die im Bundesligavergleich unterdurchschnittlich sind. Auch bei der Verteilung der TV-Gelder, die nach einer Vierjahreswertung ausgeschüttet werden, kann St. Pauli aufgrund der jüngsten Historie nicht mithalten. Immerhin acht Millionen Euro spült der Fernsehvertrag in die Kassen, drei Millionen mehr, als bei einer weiteren Zweitligasaison.

Einen echten Quantensprung erwartet die Vermarktungsabteilung aber dennoch. Mit allen langfristigen Sponsoren wurden Verträge für beide Ligen abgeschlossen. Die Einnahme würde sich auf diesem Gebiet in der Bundesliga verdoppeln. "Das macht sich natürlich bemerkbar", sagt Meeske. Welcher Schriftzug die Trikots in der kommenden Serie ziert, ist allerdings noch offen. Es wird ein Nachfolger für Dacia gesucht. "Wir sind mit mehreren Interessenten im Gespräch", so Meeske.

St. Pauli wächst, und darüber freuen sich auch alle Mitarbeiter, die außerhalb des Rasens zum Erfolg beigetragen haben. Aus Loyalität, aber auch aus eigenen Motiven. Auch für sie würde sich der Aufstieg finanziell auswirken. Verständlich, dass da nicht nur der Präsident auf ein dramatisches Saisonfinale verzichten kann.