Sicherheitsspiel gegen Hansa am Millerntor

Zweite Liga: Polizei will Rostock-Fans aussperren

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Sascha Balasko und Lutz Wöckener

Foto: WITTERS / WITTERS/Witters Sport Presse Fotos

Der FC St. Pauli hatte zuvor einen entsprechenden Antrag an die DFL gestellt, diesen aber zurückgezogen.

Hamburg. Ein Fußballspiel dauert 90 Minuten und wird von zwei Mannschaften ausgetragen, die von ihren Fan-Gruppen unterstützt werden. Was im deutschen Profifußball seit seinen Anfängen gilt, könnte in drei Wochen überholt sein. Das Nordderby zwischen dem FC St. Pauli und Hansa Rostock am 28. März wird möglicherweise ohne Rostocker Fans stattfinden. Im Zuge der "Gefahrenabwehr" versucht die Hamburger Polizei ein Aufeinandertreffen der verfeindeten Fan-Gruppen zu verhindern. "Wir prüfen derzeit, ob wir mit einer Verfügung die Anzahl der gegnerischen Fans beschränken können", sagte Polizeisprecher Ralf Meyer auf Abendblatt-Nachfrage.

Beide Vereine sind seit Wochen in die Überlegungen eingeweiht. Anders als üblich wurden vom FC St. Pauli noch keine Tickets nach Rostock verschickt. "Fest steht, dass das Kontingent reduziert wird", sagt Sven Brux, Sicherheitsbeauftragter beim FC St. Pauli. Und geht es nach dem Willen der Polizei wird keine einzige Karte an die Ostsee verschickt. Die Behörde prüft momentan die rechtliche Grundlage, um die Rostocker auszusperren. Ein Fußballspiel ohne Auswärtsfans wäre ein Novum im deutschen Fußball. "Niemand will das", glaubt Rostocks Fanbetreuerin Saskia Pohl, "beide Vereine und beide Fanlager wollen keinen Präzedenzfall."

Hintergrund sind die Ausschreitungen nach dem Derby am 6. März 2009 in Hamburg. Damals wurden fünf Polizisten und zwei Fans zum Teil schwer verletzt. Ein Beamter, der von einer Flasche getroffen worden war, musste vom Notarzt behandelt werden. Es kam zu mehreren Festnahmen. Rund 1000 Autonome, darunter Fans des Kiezklubs, versuchten Absperrungen zu durchbrechen, um zu den Rostocker Fans zu gelangen. Die Polizei, mit 1350 Beamten im Einsatz, setzte Wasserwerfer, Schlagstöcke und Pfefferspray ein. Es war der größte Polizeieinsatz bei einem Fußballspiel in Hamburg. "Ziel unseres Vorhabens ist es, solche extremen Gewaltausbrüche zu verhindern", sagt Meyer. Beim Hinspiel in dieser Saison war es ebenfalls zu Sicherheitsverstößen in der Rostocker DKB-Arena gekommen. Nach der Partie hatten sich Hansa-Fans Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert.

"Natürlich will das niemand. Aber unsere Fans komplett auszusperren, halte ich nicht für förderlich. Ich habe das Gefühl, dass die Stimmung durch diese Überlegungen neu aufgeheizt wird", sagt Pohl, die gestern in Rostock mit Fanvertretern Lösungsmöglichkeiten diskutierte und auch auf Unterstützung vom sportlichen Gegner hofft. "In Zusammenarbeit mit Hansa werden wir alles tun, um am 28. März - trotz aller Rivalität - Fans beider Lager im Stadion zu haben", sagt Brux.

Pikant allerdings, dass das Präsidium des FC St. Pauli einige Wochen zuvor noch eine andere Linie verfolgt hatte. Nach Abendblatt-Informationen stellten die Hamburger einen Antrag bei der DFL, um die Rostock-Fans vom Spiel auszuschließen, zogen diesen aber wieder zurück. Ein Sachverhalt, der am Dienstag zur Sprache kommen wird, wenn sich Präsidien und Fanvertreter beider Klubs in Hamburg treffen.

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