St. Paulis U 23 steigt ab - Kluft zur Profimannschaft wächst

Hamburg. Die Stimmung beim gestrigen Training war alles andere als prickelnd. Ein Spiel steht der Regionalligamannschaft des FC St. Pauli noch bevor (Sa., 13.30 Uhr in Babelsberg), der Kampf gegen den Abstieg ist seit Sonnabend jedoch verloren. Mit 0:3 unterlag die Mannschaft von Trainer Jörn Großkopf dem SV Wilhelmshaven und hat als Vorletzter mit sechs Punkten Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz sportlich keine Chance mehr, die Klasse zu halten. Während die Profis auf einer Euphoriewelle in die höchste deutsche Spielklasse getragen wurden, muss sich die zweite Mannschaft in der nächsten Saison mit Gegnern wie SC Concordia, Altona 93 und FC Bergedorf messen.

Die U 23 ist die Ausbildungsmannschaft des FC St. Pauli. Spieler, die aus der Jugend kommend den direkten Sprung in die Profimannschaft nicht schaffen, sollen sich hier weiterentwickeln. Doch nun ist die Leistungskluft sehr groß geworden. Aushilfsspieler der ersten Mannschaft waren in der Regionalliga Leistungsträger, in der Oberliga Hamburg könnten sie unterfordert sein. Umgekehrt ist der Schritt aus der Oberliga in die Bundesliga sehr groß. Es drängt sich die Frage auf, ob der Verein nicht mehr Kraft hätte aufbringen müssen, um die Klasse zu halten. Es wurden zwar häufig Profis für die zweite Mannschaft abgestellt. Manche, wie Jan-Philipp Kalla oder Dennis Daube, gehörten dort mehr oder weniger zu den Stammkräften.

Einige der älteren, erfahreneren Profis durften dem Vernehmen nach jedoch selbst entscheiden, ob sie in der Regionalliga spielen wollten oder nicht. "An mangelnder Unterstützung aus der Profimannschaft lag es sicher nicht", sagt Großkopf. "Wenn ein Spieler abgestellt wird, dann ist es sein Job, bei uns zu spielen. Aber es ist doch klar, dass nicht immer alle, die nicht im Profikader stehen, automatisch bei uns spielen können", sagt Großkopf, der hauptsächlich die Verletzungsmisere für den Abstieg verantwortlich macht. Teilweise musste seine Mannschaft ohne sieben Stammspieler auskommen.

Helmut Schulte sieht die Entwicklungschancen junger Spieler weiterhin gegeben. "Wenn wir ein Talent im Jugendbereich haben, werden wir weiterhin versuchen, diesen Spieler direkt in den Profikader einzubinden", sagt der Sportchef. "Dann trainiert er auf Profiniveau und spielt einmal die Woche in einer Liga, in der er sich beweisen muss. Ob vierte oder fünfte ist dann gar nicht entscheidend."