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Aaron Opoku rechnet mit Pfiffen und gibt Erklärung ab

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Ex-HSV-Profi Aaron Opoku (l.) sah gegen Darmstadt 98 im August nach einer Tätlichkeit Rot.

Ex-HSV-Profi Aaron Opoku (l.) sah gegen Darmstadt 98 im August nach einer Tätlichkeit Rot.

Foto: FrankPeters / Witters

Aaron Opoku kehrt am Sonnabend nach seinem unwürdigen Ende beim HSV mit Kaiserslautern in den Volkspark zurück.

Hamburg. An den 19. August erinnert sich Aaron Opoku nicht gern zurück. Es lief die 64. Minute im Heimspiel gegen Darmstadt 98, als dem 23-Jährigen die Sicherungen durchbrannten, er Darmstadts Fabian Holland mit voller Wucht in die Rippen trat. Holland hatte den damaligen HSV-Profi nach einem verlorenen Zweikampf an der Hose festgehalten, Opoku durfte nur acht Minuten nach seiner Einwechslung duschen gehen, der HSV verlor 1:2.

„In dem Moment habe ich an gar nichts gedacht. Ich hatte einfach nur Wut im Bauch, weil ich sauer auf mich selbst war. Dass das mein letztes Spiel für den HSV gewesen sein könnte, war zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht in meinem Kopf“, sagt Opoku, als ihn das Abendblatt am Mittwoch am Telefon erreicht.

Eineinhalb Wochen nach seinem Aussetzer war das Kapitel Opoku beim HSV beendet, das pfeilschnelle Eigengewächs wechselte für rund 200.000 Euro plus Boni zu Zweitligakonkurrent 1. FC Kaiserslautern. Wenige Tage zuvor hatte ihn das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) für fünf Spiele gesperrt.

Aaron Opoku: Hatte lange Pause auch Vorteile?

„Im Nachhinein hatte das nicht nur Nachteile. Ich hatte Zeit, in Ruhe anzukommen, mich in die Mannschaft zu integrieren und noch fitter zu werden“, sagt Opoku, der in Kaiserslautern schnell eine Wohnung gefunden hat, sich mit seinen neuen Mitspielern hervorragend versteht. „Ich persönlich habe die Aktion mittlerweile komplett abgehakt und auch alles Mögliche getan, um die Rote Karte vergessen zu machen. Ich kann mich nur noch mal dafür entschuldigen, weil so etwas nicht passieren darf.“

Am Sonnabend (20.30 Uhr/Sky) kehrt Opoku zurück ins Volksparkstadion, an den Ort, wo er den Zorn der HSV-Fans auf sich gezogen hatte. Ausgerechnet zum Flutlichtduell des HSV gegen den FCK ist der gebürtige Hamburger erstmals wieder spielberechtigt. „Ich will immer unbedingt auf den Platz, musste aber geduldig bleiben. Am Ende des Tages habe ich mir selbst zuzuschreiben, dass ich bisher nicht spielen durfte“, sagt Opoku. „Die Vorfreude auf das Wochenende ist unglaublich groß, ich habe lange darauf gewartet, wieder spielen zu können.“

Kurz nachdem Opoku am Tiefpunkt seiner HSV-Laufbahn unter dem fassungslosen Blick von Trainer Tim Walter in die Kabine getrottet war, löschte er bei Instagram sein Profilbild und deaktivierte unter seinen neuesten Beiträgen die Kommentarfunktion, um dem Shitstorm der Fans zu entkommen. Es gelang ihm nicht. „Das Ende beim HSV war ärgerlich. Trotzdem muss ich jetzt nach vorne gucken“, sagt Opoku.

Opoku war sich längst mit FCK einig

Der Wechsel nach Kaiserslautern war, wie FCK-Trainer Dirk Schuster in dieser Woche im „Kicker“ verriet, eigentlich schon Monate vor der Roten Karte geplant gewesen. „Eigentlich war schon kurz nach der Relegation klar, dass er zu uns kommen würde. Dann zog sich die Sache zwischen den Vereinen immer weiter in die Länge. Nachdem Aaron bei uns im Medizincheck war, musste er plötzlich wieder zurück nach Hamburg“, sagte Schuster.

„Gedanklich war er gar nicht mehr dort und wurde im nächsten Spiel auch noch eingewechselt. Dann wird er am Trikot festgehalten, kann nicht weiterlaufen und verliert die Nerven“, so der 54-Jährige: „Das geht nicht, ganz klar. Ich plädiere nur dafür, die Gesamtsituation zu sehen und ihn nicht pauschal zu verurteilen. Dass er Mist gebaut hat, weiß er selbst und hat sich auch dafür entschuldigt.“

Den Wechsel in die Pfalz vollzog Opoku auch, weil HSV-Coach Walter ihn angesichts des personellen Überangebots auf den offensiven Flügelpositionen gleich mehrfach zum Rechtsverteidiger umschulen wollte, auch gegen Darmstadt agierte Opoku rechts hinten. „Ich habe den Ansatz von Tim Walter verstanden, denke aber, dass ich in Kaiserslautern weiter vorne auf den Flügeln gesehen werde und mir das besser liegt. Am Ende spiele ich dort, wo ich aufgestellt werde“, sagt Opoku.

War Opoku in Hamburg abgelenkt?

Ein weiterer Grund für den Wechsel waren seine Erfahrungen aus den vergangenen Jahren. Bei seinen Leihstationen Hansa Rostock (Saison 2019/20), Jahn Regensburg (2020/21) und VfL Osnabrück (2021/22) merkte der frühere deutsche Junioren-Nationalspieler mit ghanaischen Wurzeln, dass er sich außerhalb seiner Heimatstadt besser auf den Fußball konzentrieren kann: „In Hamburg gibt es für mich natürlich mehr Dinge, die mich ablenken können.“

Der 23-Jährige wuchs im Hamburger Osten auf, wo er seit seiner Kindheit Teil einer außergewöhnlich großen Freundesgruppe ist, zu der unter anderem Ex-St.-Pauli-Profi Christian Conteh (23/Dynamo Dresden), der ehemalige HSV-Juniorenspieler Derrick Köhn (23/Hannover 96) oder auch American-Football-Profi Hiswill Awuah (22/Hamburg Sea Devils) gehören.

„Viele Freunde, mit denen ich in Hamburg aufgewachsen bin, wollten natürlich etwas mit mir unternehmen. Das kann auch schwierig sein. Wenn die zum Beispiel nachts um die Häuser ziehen, habe ich mich schlafen gelegt, um am nächsten Tag wieder zu performen“, sagt Opoku.

Opoku rechnet mit Pfiffen beim HSV

Abgesehen vom ruhigeren persönlichen Umfeld hat sich für Opoku in Kaiserslautern nach seinem Wechsel nicht allzu viel verändert. Der FCK ist wie der HSV ein Traditionsclub mit emotionalen Anhängern, das Fritz-Walter-Stadion auf dem Betzenberg fasst knapp 50.000 Fans. „Es gibt nicht viele Unterschiede zu Hamburg. Hier im Stadion geht es auch unfassbar zur Sache, die Fans nehmen die Spieler immer richtig mit“, sagt Opoku.

Auch im Volksparkstadion wird es am Sonnabend richtig voll, erstmals seit dem verlorenen Relegationsrückspiel gegen Hertha BSC Ende Mai meldet der HSV ein ausverkauftes Haus. Opoku ahnt bereits, dass viele der 57.000 Fans nicht besonders gut auf ihn zu sprechen sein werden: „Ich kann mir vorstellen, dass manche Fans mich auspfeifen werden. Wenn das passieren sollte, akzeptiere ich das.“

Den 19. August wird Aaron Opoku so schnell nicht vergessen. Am Sonnabend hat er aber die Chance, positivere Erinnerungen ans Volksparkstadion zu schaffen.

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