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Glatzel über die Tabellenführung: "Schöne Momentaufnahme!"

| Lesedauer: 7 Minuten

Vor allem in der ersten Halbzeit boten die Hamburger eine überragende Partie. Jansen bekennt sich zu umstrittenem Wüstefeld.

Hamburg. Als Schiedsrichter Sven Jablonski um 22.23 Uhr abpfiff, hielt es keinen der 49.616 Zuschauer im Volksparkstadion mehr auf den Sitzen. Durch den verdienten 2:0 (1:0)-Sieg gegen Fortuna Düsseldorf kletterte der HSV wieder an die Tabellenspitze der Zweiten Liga. Dank der überragenden Torschützen Robert Glatzel und Bakery Jatta feierten die Hamburger den dritten Heimsieg der Saison. "Wir haben von Anfang an gut gespielt. Wir hätten früher das 2:0 nachlegen können, aber vor dem Spiel hätte ich das Ergebnis unterschrieben. Uns zeichnen viele Dinge aus. Wir haben individuelle Qualität. Was uns auszeichnet, ist der Zusammenhalt. Keiner nimmt sich zu wichtig. Das macht gerade richtig Spaß", sagte Stürmer Glatzel.

Für die Hamburger war es bereits der siebte Sieg im neunten Spiel. "Es wird noch ein harter langer Weg. Es ist eine schöne Momentaufnahme. Es macht Spaß, wir wollen so weitermachen, und freuen uns auf alles, was noch kommt", fügte Glatzel an.

Die Partie des HSV gegen Düsseldorf im Liveticker:

HSV-Präsident Jansen bekennt sich zu Wüstefeld

Vor dem Spiel drehte sich mal wieder alles um Interimsvorstand Thomas Wüstefeld, gegen den es am Freitag erneut schwere Vorwürfe gab. „Es gilt die Unschuldsvermutung. Wir werden das intern besprechen“, sagte HSV-Präsident Marcell Jansen bei Sky. Die Fans haben nach dem 200-Millionen-Euro-Bauprojekt von Wüstefeld und den andauernden Gesprächen mit Klaus-Michael Kühne auf einem Banner auf der Nordtribüne ihre Meinung kundgetan. "Investoren unerwünscht" stand auf großen Lettern über den Stehplätzen.

Viele Gespräche gab es unter der Woche auch im sportlichen Bereich. Die führten dazu, dass Trainer Tim Walter Konsequenzen aus dem wenig überzeugenden 3:2-Sieg bei Holstein Kiel am vergangenen Freitag zog. Für den zuletzt schwachen Linksverteidiger Miro Muheim kam Tim Leibold zu seiner Heimspiel-Startelfpremiere nach seinem Kreuzbandriss. Und auch Spielmacher Sonny Kittel erhielt eine kleine Denkpause. Im offensiven Mittelfeld bekam Laszlo Bénes, der gegen Kiel zwei Vorlagen verbuchen konnte, den Vorzug. Während es bei Kittel sportliche Gründe hatte, war der Bankplatz von Muheim eine disziplinarische Maßnahme. Der Schweizer war unter der Woche zu spät zum Training gekommen.

HSV-Fans, die zum Spiel zu spät kamen, verpassten direkt die erste Großchance der Hamburger. Nach einem starken Sololauf schoss Bénes in der zweiten Minute den Ball aus 20 Metern an die Unterkante der Latte, der Ball sprang aber deutlich vor der Linie auf. Es war der Auftakt einer spektakulären Anfangsphase, in der Bénes nur sechs Minuten später erneut zum personifizierten Aluminium-Tester wurde. Nach schöner Vorarbeit von Jean-Luc Dompé drosch der Slowake den Ball erneut an die Torlatte.

HSV dominierte Düsseldorf in der ersten Halbzeit

Spektakel pur, auf und neben dem Platz: Düsseldorfs Trainer Daniel Thioune legte sich lautstark mit HSV-Coach Walter an, nachdem es Streit darum gab, als der HSV den Ball nicht zu den Düsseldorfern zurückgespielt hat, obwohl die Fortuna den Ball absichtlich ins Aus gespielt hatte. Ähnlich wild ging es auch auf dem grünen Rasen weiter. Der HSV wirkte zu Beginn deutlich griffiger und wacher als die Düsseldorfer, die Probleme mit der Hamburger Intensität hatten. Und so war es nur eine Frage der Zeit, wann sich die Dominanz in Zählbares umwandelte.

Die HSV-Einzelkritik zum Düsseldorf-Spiel:

Bénes als Top-Lattentester – Dompé kann wirklich kicken

In der 21. Minuten konnten die Fans erstmals jubeln. Innenverteidiger Mario Vuskovic schickte mit einem langen Ball Bakery Jatta auf die Reise, der zu schnell für seinen Gegenspieler war und den Ball perfekt für Robert Glatzel querlegte – der nur noch einschieben musste. Und der Einbahnstraßen-Fußball ging weiter. Düsseldorf fand überhaupt keine Mittel gegen aggressive und konzentrierte Hamburger. Klare Torchancen sprangen zunächst aber nicht heraus.

Zum Ende der ersten Hälfte beruhigte sich die Partie etwas, doch es wirkte immer so, als hätte der HSV die Partie komplett im Griff. Torhüter Daniel Heuer Fernandes musste in der ersten Hälfte nicht einmal mit einer Parade eingreifen. Und so konnte sich der HSV nur vorwerfen lassen, nicht höher zu führen. Jatta (44.) und Vuskovic (45.) verpassten mit guten Kopfballchancen das zweite Tor, sodass es mit einem 1:0 in die Kabinen ging.

HSV ließ Düsseldorf in der zweiten Halbzeit im Spiel

Nach dem Seitenwechsel bot sich den Zuschauern dasselbe Bild. Der HSV diktierte die Partie nach Belieben, doch die letzte Präzision beim Passspiel fehlte. „Der HSV lässt Fortuna die Tür offen, ins Spiel zurückzukehren“, analysierte Ex-HSV-Profi Martin Harnik bei Sport1. In der Tat wurden die Düsseldorfer Mitte der zweiten Halbzeit aktiver. Trainer Walter reagierte darauf und brachte in der 66. Minute Ransford Königsdörffer und Muheim für Leibold und Dompé. Frische Kräfte für eine wichtige Schlussphase, in der die Hamburger nicht mehr ganz so zwingend und dominant waren wie noch im ersten Durchgang.

Die Folge: Kaum Torchancen und somit ein Nervenspiel für die knapp 50.000 Fans. Für endgültige Ruhe hätte der eingewechselte Sonny Kittel sorgen können, doch sein Weitschuss prallte in der 88. Minute an den Innenpfosten. Der dritte Aluminiumtreffer der Hamburger. So ging das Zittern weiter. Doch nur bis zur Nachspielzeit, als der überragende Jatta per Kopf nach Kittel-Flanke zum 2:0 traf und den Volkspark zum Partytempel machte. "Mein Tor hat Sonny super vorbereitet. Er wusste genau, dass ich am zweiten Pfosten stehe. Heute haben alle ihren Job gemacht, deswegen war es ein verdienter Sieg", sagte Jatta.

Und im Überschwang der Gefühle verhalf Walter auch noch Sommerneuzugang William Mikelbrencis zum Bundesligadebüt. Jubel, Trubel, Tabellenführung beim HSV. "Auch die Jungs, die eingewechselt wurden, haben sich voll reingeworfen. Das macht mir sehr viel Freude, weil dann alle an ihre Leistungsgrenze gehen. Wir waren von Beginn an richtig gut drin, haben uns Torchancen erarbeitet und sind zu vielen Abschlüssen gekommen. Das war durch die Bank ein richtig gelungener Auftritt meiner Mannschaft", bilanzierte Walter.

Schema:

  • HSV: Heuer Fernandes – Heyer, Schonlau, Vuskovic, Leibold (66. Muheim) – Meffert – Reis, Bénes (78. Kittel) – Jatta (90.+3 Amaechi), Glatzel (90.+3 Mikelbrencis), Dompé (66. Königsdörffer)
  • Fortuna Düsseldorf: Kastenmeier – Zimmermann (8. Gavory), Klarer, Oberdorf, Karbownik – Sobottka, Hendrix (77. Baah) – Klaus (46. Iyoha), Tanaka (87. Hennings), Peterson (46. Appelkamp) – Kownacki
  • Schiedsrichter: Sven Jablonski (Bremen)
  • Tore: 1:0 Glatzel (21.), 2:0 Jatta (90.)
  • Videoschiedsrichter (VAR): Benjamin Cortus (Röthenbach a.d. Pegnitz)
  • Zuschauer: 49.616
  • Gelbe Karten: Reis (2), Heyer (2) - Hendrix, Karbownik (2), Kownacki (3)
  • Torschüsse: 19:4
  • Ecken: 8:3
  • Ballbesitz: 53:47 %
  • Zweikämpfe: 103:93

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