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Was den besten Zweitligastart möglich gemacht hat

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HSV-Verteidiger Moritz Heyer (2. v. l.) freut sich über sein Tor zum 2:0 bei Holstein Kiel.

HSV-Verteidiger Moritz Heyer (2. v. l.) freut sich über sein Tor zum 2:0 bei Holstein Kiel.

Foto: IMAGO/Hübner

Die HSV-Zwischenbilanz ist nach dem 3:2-Sieg in Kiel so gut wie nie seit dem Abstieg. Ein Profi empfahl sich nachdrücklich für die Startelf.

Hamburg. Tim Leibold und Anssi Suhonen hatten noch nicht genug. Die Teamkollegen waren bereits vom HSV-Trainingsplatz ins Wochenende getrottet, da jonglierten sich die beiden am Sonnabendmittag noch immer den Ball zu und hatten dabei ganz offenbar viel Spaß. Klar war die Stimmung gut unter den Ersatzspielern am Tag nach dem wilden 3:2-Sieg bei Holstein Kiel.

Aber was heißt hier Ersatzspieler?! Da standen ja einige Hauptdarsteller des Vorabends auf dem Trainingsplatz. Laszlo Benes, in der 65. Minute für Sonny Kittel eingewechselt, hatte mit zwei anspruchsvollen Torvorlagen geglänzt. Auch Ransford-Yeboah Königsdörffer, der kurz zuvor für Bakery Jatta von der Bank gekommen war, hatte in Kiel wichtige Impulse gegeben.

Wohl dem Trainer, der solche Optionen hat wie Tim Walter in dieser Zweitligasaison. „Das ist viel wert, solche Jungs bringen zu können, zeigt aber auch, dass sie dranbleiben und in die erste Elf drängen“, sagte HSV-Kapitän Sebastian Schonlau. Sein Abwehrkollege Moritz Heyer, mit einem Tor und einem Eigentor gleich zweimal auf der Anzeigetafel vertreten, sah es genauso: „Es spricht für die Mannschaft und den Teamspirit, dass sich mit den Einwechslungen sofort die Qualität erhöht.“

HSV legt besten Zweitligastart der Clubgeschichte hin

Die neue Tiefe im Kader könnte ein Grund dafür sein, warum der HSV nach knapp dem ersten Saisonviertel so gut dasteht wie noch nie in seiner Zweitligageschichte. Sechs Siege, zwei Niederlagen, 18 Punkte, Platz zwei: Das ist die Zwischenbilanz eines Aufsteigers.

Im Vorjahr hatte die Mannschaft von den ersten acht Spielen zwar nur eines verloren und nicht zwei – aber trotzdem fünf Punkte weniger gesammelt. Und vor zwei Jahren war man zwar zu diesem Zeitpunkt Tabellenführer, hatte aber nur 17 Punkte auf dem Konto. Und Kiel? Hat nach zuvor acht vergeblichen Anläufen nun seinen Schrecken für den HSV verloren.

Tabellenspitze 2. Bundesliga
1. SC Paderborn 8 / 24:8/ 19
2. HSV 8 / 12:5 / 18
3. Heidenheim 8 / 12:5 / 15
4. Darmstadt 98 8 / 15:10/ 15
5. Düsseldorf 8 / 16:10 / 14
6. Hannover 96 8 / 14:10 / 14
7. Kaiserslautern 8 / 16:13 / 13
8. Holstein Kiel 8 / 14:15 / 12

10. FC St. Pauli 8 / 14:13 / 10

In Kiel war es auch, wo der bemerkenswerten Aufwärtstrend begonnen hat. Am 10. April gab es dort eine unglückliche 0:1-Niederlage. Seither hat der HSV auswärts alle neun Pflichtspiele gewonnen, sieben allein in der Liga – eine solche Serie war zuvor nur Arminia Bielefeld 2019 gelungen.

Gewiss war am Freitag angesichts von 12:22 Torschüssen auch Glück im Spiel. Und es brauchte auch wieder eine außergewöhnliche Leistung von Torwart Daniel Heuer Fernandes – die HSV-Fans wählten ihn mit Dreiviertelmehrheit zum Spieler des Spiels.

„Aber wir wissen auch, dass wir durch eine Einzelaktion immer ein Tor machen können“, sagte Sportvorstand Jonas Boldt: „Wir reden viel über Resilienz und Flexibilität. Man kann erkennen, dass sich da bei uns einiges tut.“

Und noch etwas war anders als im April. Damals hatten HSV-Ultras mit Pyrotechnik für eine Unterbrechung gesorgt, die die eigene Mannschaft eher gelähmt haben dürfte. „Und bei Heimspielen gibt es immer mal ein paar Pfiffe“, sagte Boldt. Diesmal habe man „eine unfassbare, verrückte Unterstützung“ erfahren. Auch das könnte die Auswärtsstärke erklären. Dass sich die Gegner im eigenen Stadion nicht nur einigeln, wie es Kiel im April getan hatte, tue ein Übriges. Boldt: „Uns fällt es leichter, Lösungen zu finden, wenn eine Mannschaft mitspielen möchte.“

Benes drängt zurück in die HSV-Startelf

Aber selbst für diesen Fall hat der HSV inzwischen Rezepte. Eines heißt Jean-Luc Dompé. Der französische Neuzugang versteht es bislang verlässlich, mit seinen Dribblings Lücken auf dem linken Flügel zu reißen. Boldt sieht sich in seiner Last-Minute-Verpflichtung bestätigt: „Wir wussten, dass er gleich Akzente setzen kann und ein Element reinbringen kann, das uns fehlte." Ein anderes Rezept hieß am Freitag Benes. Der Steckpass des Slowaken vor dem 3:0 war ähnlich famos wie die Vollendung von Ludovit Reis.

Es dürfte Walter schwerfallen, Benes' Anspruch auf eine Rückkehr in die Startelf („Dafür bin ich hergekommen“) länger zu ignorieren. „Es ist schön zu sehen, dass ein Spieler reinkommt und Duftnoten setzt. Er war sehr präsent und aktiv“, sagte Boldt: „Wenn Laci so weitermacht, wird er seine Chance bekommen.“ Zumal Kittel die ihm zugedachte Führungsrolle auch auf der ihm genehmeren Achter-Position bislang nicht ausfüllt. Der Routinier musste in der Schlussphase Jonas David weichen.

Mit diesem Wechsel hatte Walter allerdings weniger Glück. Vor Kiels 2:3-Anschlusstreffer durch Fin Bartels in der Nachspielzeit schlug David am Ball vorbei und machte es so noch einmal unnötig spannend. Den Verteidiger dürfte Boldt gemeint haben, als er sagte: „Man hofft ja, dass die Spieler mit richtig Power reinkommen und versuchen, die wenigen Minuten zu nutzen. Das fand ich in der Schlussphase nicht so besonders.“

Überhaupt seien zwei Gegentore in der Nachspielzeit „fahrlässig“ zu nennen. „Das zweite Gegentor darf nicht passieren“, sagte auch Schonlau. Daraus müsse man lernen und es das nächste Mal besser machen. Der Nachweis kann am kommenden Sonnabend gegen Fortuna Düsseldorf erbracht werden (20.30 Uhr, Volksparkstadion/Sport 1 und Sky, Liveticker bei Abendblatt.de).

( leo )

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