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120 Millionen? Fans attackieren Kühne bei Sieg in Bielefeld

| Lesedauer: 7 Minuten

Die Hamburger haben gegen die Arminia ihre beste Saisonleistung gezeigt. Ransford Königsdörffer und Laszlo Bénes treffen.

Hamburg. Die pralle Sonne brannte im altehrwürdigen Stadion auf der Bielefelder Alm, als die Profis des HSV bei über 30 Grad mit den knapp 4000 Fans den starken und hochverdienten 2:0 (1:0)-Sieg bei Arminia Bielefeld ausgiebig feierten. Dank der Tore von Ransford Königsdörffer (28.) und Laszlo Bénes (74.) konnte das Team von Trainer Tim Walter den zweiten Auswärtssieg der Saison feiern.

HSV-Trainer Walter lobt Dominanz seiner Mannschaft

Es war die bislang stärkste Leistung der Saison gegen Ostwestfalen, die im vierten Ligaspiel die vierte Niederlage kassierten. "Wir hätten mehr Tore schießen können, haben echt viele Chancen verballert, aber im Endeffekt haben wir gerade in der ersten Hälfte super gespielt und gehen hier klar als Sieger vom Platz", sagte Königsdörffer nach dem Auswärtssieg, der historisch war.

Für die Hamburger gewann wettbewerbsübergreifend sieben Auswärtsspiele in Folge. Das gelang dem HSV in seiner Geschichte noch nie. "Wir waren gerade in der ersten Halbzeit sehr dominant, souverän und haben viele Torchancen kreiert. Auch die zweiten Bälle haben wir meistens erobert, damit den Gegner dem Schneid abgekauft", sagte Walter.

HSV: Fans gehen auf Investor Kühne los

Auf den Rängen war derweil das 120-Millionen-Euro-Angebot des mächtigen HSV-Investors Klaus Michael Kühne ein großes Thema. Die Anhänger der Hamburger machten kein Geheimnis daraus, was sie von der angestrebten Quasi-Übernahme durch den Milliardär halten.

„In der Satzung verankert. 75+1 unverhandelbar, Kühne verpiss dich“, stand auf einem Banner in der Gästekurve. „Die Jungs und Mädels in der Kurve wollen, dass wir uns auf Fußball konzentrieren. Und das machen wir“, erklärte Trainer Walter vor dem Spiel auf die Frage, inwieweit das Kühne-Anliegen ein Thema in der Mannschaft war.

HSV: Der Liveticker zum Spiel bei Arminia Bielefeld

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Unabhängig der Randthemen bot sich auf dem Rasen dasselbe Bild wie in den vorangegangenen vier Pflichtspielen. Der HSV mit viel Ballbesitz und Spielkontrolle, ohne zunächst allerdings in die wirklich gefährlichen Räume vorzustoßen. Den ersten Aufreger gab es daher erst in der 20. Minute, als Ransford Königsdörffer einen Elfmeter forderte, nachdem Bielefelds Masaya Okugawa ihn von den Beinen holte. Doch Schiedsrichter Marco Fritz signalisierte sofort, dass es kein elfmeterwürdiges Foul war.

HSV dominierte und bestrafte Bielefelder Fehler

In der Folge näherte sich der HSV dem Bielefelder Tor deutlich häufiger an. Ein harmloser Kopfball von Ludovit Reis (21.) sowie ein deutlich gefährlicherer Weitschussversuch von Sonny Kittel (23.) waren aber die einzigen Chancen, die sich die Hamburger zunächst erspielen konnten. Doch der HSV war weiter das deutlich aktivere Team.

Und das spiegelte sich in der 28. Minute auch im Ergebnis wieder. Nach einem katastrophalen Fehlpass von Bielefelds Abwehrspieler Oliver Hüsing kam der Ball über Sonny Kittel zu Königsdörffer, der aus acht Metern keine Mühe hatte, den HSV in Führung zu bringen. Für den Neuzugang war es das erste Zweitliga-Tor beim neuen Verein.

Und es hätte nur sechs Minuten später das zweite hinzukommen können. Nach schönem Steckpass von Kittel lief Königsdörffer allein auf Arminia-Keeper Stefanos Kapino zu, doch der Grieche konnte mit einer Fußabwehr entschärfen. So musste man nach 45 Minuten konstatieren, dass einzig die überschaubare Chancenverwertung die bis dato starke Leistung der Hamburger schmälerte, denn auch Innenverteidiger Mario Vuskovic (43., Latte) und Robert Glatzel (45.+2) verpassten aus aussichtsreichen Positionen das 2:0. So ging es nur mit einer knappen, aber hochverdienten Führung in die Halbzeit.

Bielefeld zeigte Reaktion auf schwache erste Hälfte

Nach dem Seitenwechsel zeigten die Gastgeber eine deutliche Reaktion auf die biedere Vorstellung in der ersten Halbzeit. Nach sechs Sekunden kam Arminia-Ikone Fabian Klos zum Abschluss, wurde aber von Vuskovic geblockt. Doch Bielefeld wirkte deutlich griffiger. Nach einem langen Ball kam Okugawa an den Ball, doch der Heber ging ebenso am Tor vorbei wie der Kopfball von Klos (53.). Bereits in den ersten acht Minuten hatten die Ostwestfalen mehr Torszenen als in den 45 Minuten der ersten Hälfte.

Der HSV ließ sich von der frühen Druckphase aber nicht beeindrucken und setzte selbst Nadelstiche. Der starke Königsdörffer scheiterte mit einem 20-Meter-Schlenzer am ehemaligen griechischen Nationalkeeper Kapino (60.). Deutlich genauer zielte eine Viertelstunde später der gerade eingewechselte Laszlo Bénes. Der Slowake fasste sich in der 74. Minute aus 22 Metern ein Herz und schoss den Ball sehenswert in den Winkel. Der bisher so unglückliche Neuzugang packte sich den Ball unter das Trikot und simulierte einen Baby-Jubel. Für Bénes gibt es also gleich in doppelter Hinsicht Grund zur Freude.

HSV verschafft Toptalent Megeed Zweitliga-Debüt

Freuen konnten sich auch die Hamburger Defensivspieler: Zum dritten Mal stand in dieser Saison die Null. Gegen den Bundesliga-Absteiger ließ der HSV kaum Chancen zu. Lediglich Frederik Jäkel in der 72. Minute und Bryan Lasme (86.) sorgten für Gefahr, doch beide fanden ihren Meister in Torhüter Daniel Heuer Fernandes. "„Wir haben heute über 90 Minuten sehr viel Kontrolle gehabt, auch wenn wir den Punch früher hätten setzen können. Jetzt wollen wir weiter punkten", sagte der HSV-Keeper.

Einen unvergesslichen Nachmittag erlebte auch Nachwuchstalent Omar Megeed. Der 16-Jährige feierte in der Schlussphase sein Profidebüt für den HSV. Es war der krönende Abschluss einer Auswärtsreise, die dafür sorgte, dass die Hamburger sich in der oberen Tabellenhälfte erst einmal festgespielt haben. I"nsgesamt zehrt die Mannschaft von der Energie und der Power, die wir haben. Genau dafür wollen wir auch stehen. Unterm Strich haben wir hochverdient gewonnen, daher ein großes Kompliment an meine Mannschaft", bilanzierte Trainer Walter.

Schema:

  • Arminia Bielefeld: Kapino – Sidler (61. Bello), Jäkel, Klünter, Oczipka (78. Ramos) – Rzatkowski (78. Krüger), Vasiliadis (61. Kanuric) – Okugawa (67. Lasme), Hack – Klos, Serra.
  • HSV: Heuer Fernandes – Heyer, Vuskovic, Schonlau, Muheim – Meffert – Reis, Rohr (61. Bénes) – Königsdörffer (89. David), Glatzel (89. Megeed), Kittel (77. Opoku).
  • Schiedsrichter: Marco Fritz (Korb)
  • Videoschiedsrichter (VAR): Timo Gerach (Landau)
  • Tore: 0:1 Königsdörffer (28.), 0:2 Bénes (74.)

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