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Ex-Trainer Thioune schon wieder der Hoffnungsträger

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Unterstützung für den HSV? Daniel Thioune ist als Trainer von Fortuna Düsseldorf noch ungeschlagen. Nun drückt ihm halb Hamburg erneut die Daumen.

Unterstützung für den HSV? Daniel Thioune ist als Trainer von Fortuna Düsseldorf noch ungeschlagen. Nun drückt ihm halb Hamburg erneut die Daumen.

Foto: imago/Uwe Kraft

Vor einem Jahr musste der Trainer beim HSV gehen. Mit Düsseldorf kann er Hamburg helfen, das zu schaffen, was ihm nicht gelang.

Hamburg.  Die Social-Media-Abteilung von Fortuna Düsseldorf veröffentlichte am Mittwoch den wohl erfolgreichsten Tweet ihrer Geschichte. Der Eintrag wurde in jedem Fall mit mehr Herzen versehen als der Aufstiegstweet von 2018. Bei Twitter schrieb die Fortuna: „Wenn Du plötzlich gaaaaaanz viele neue Freunde hast, die Dir an den letzten beiden Spieltagen die Daumen drücken und Dir Bier bzw. Bratwurst versprechen, wenn Du punktest.“

Dazu postete der Club einen Cartoon mit Homer Simp­son, der sich vom HSV-Schalke-Werder-Anhänger in einen Fortuna-Fan verwandelt. Rund 4000 Usern gefiel der Tweet. Auch der HSV reagierte und antwortete mit einem „Moini“ und dem Hashtag: #nurderHSVunddieFortuna.

HSV: Ex-Trainer Thioune macht den Hamburgern Mut

Am Freitag um 18.30 Uhr – so viel steht fest – drücken alle HSV-Fans der Fortuna die Daumen. Dann spielt Düsseldorf im eigenen Stadion gegen Darmstadt 98. Will der HSV (54 Punkte) an den letzten beiden Spieltagen der Saison noch vom vierten auf den dritten oder sogar auf den zweiten Platz springen, braucht er Schützenhilfe. Und die ist realistisch betrachtet am ehesten am Freitag zu erwarten, wenn die seit elf Spielen ungeschlagenen Düsseldorfer auf den Tabellenzweiten Darmstadt (57) treffen.

Dass die Fortuna so eine Serie hinlegen konnte, hat sie vor allem einem Mann zu verdanken: Daniel Thioune. Und ausgerechnet der 47-Jährige, der fast auf den Tag genau vor einem Jahr beim HSV drei Spieltage vor Saisonende freigestellt wurde und seit Februar die Fortuna trainiert, ist nun der große Hoffnungsträger der Hamburger. Und obwohl es für Düsseldorf tabellarisch nur noch um eine bessere Platzierung geht, macht Thioune den HSV-Fans Mut: „Ich bin nicht gewillt, Spieltag zwölf und 13 von mir zu verlieren“, sagt er.

Thioune nahm sich Zeit, um Zeit beim HSV aufzuarbeiten

Was Thioune nicht sagte: Sein Aus vor einem Jahr beim HSV hat ihn lange beschäftigt. Der Fußballlehrer nahm sich ganz bewusst eine längere Auszeit, um die Zeit in Hamburg zu reflektieren. Das gab er kürzlich im Podcast „Rot & Schweiß“ von Fortuna Düsseldorf zu. „Das Jahr in Hamburg aufzuarbeiten tut man nicht in drei Tagen“, sagte Thioune, der zuvor noch nie in seiner Karriere als Spieler oder Trainer einen Club vorzeitig verlassen musste. Rückblickend bewertet er seine Arbeit beim HSV aber auch selbstkritisch: „Ich habe es nicht geschafft, in dem Jahr das zu verwirklichen, was ich von mir verlangt habe und was der Verein von mir verlangt hat.“

Thioune war im Sommer 2020 als Hoffnungsträger in Hamburg gestartet. Im dritten Anlauf sollte die Rückkehr in die Bundesliga endlich gelingen. Dafür verpflichtete der HSV Spieler wie Simon Terodde, Sven Ulreich oder Toni Leistner. Am Ende aber scheiterte Thioune an einem Kader, in dem es zu viele Störfaktoren gab. Insbesondere die Topverdiener Aaron Hunt und Bobby Wood, die sportlich eine untergeordnete Rolle spielten, belasteten letztlich die Stimmung in der Kabine.

Was die Stimmung für Thioune zum Kippen brachte

Thioune machte den Fehler, indem er versuchte, alle Spieler zu integrieren. Dabei wurde ihm vor und während der Saison die Chance gegeben, sich von Spielern wie Wood zu trennen. Ein Kabinenstreit mit eben jenem Wood ließ die Stimmung kippen. Führungsspieler sprachen sich hinter dessen Rücken gegen Thioune aus.

Der Trainer selbst sieht die Gründe vor allem in der zu hohen Erwartungshaltung beim HSV. „Wir stellen ja fest, dass es nicht unbedingt an den Protagonisten liegt, die am Spielfeldrand stehen. Da wurde viel ausprobiert“, sagte Thioune mit Blick auf die verschiedenen Trainertypen in den vergangenen Spielzeiten. „Am Ende des Tages hat der HSV mehr Herausforderungen, und die sind dann auch für das Umfeld eine Bedrohung. Es wird viel schwarz-weiß gedacht, es ist sehr viel Druck auf dem Kessel und gerade auf den Spielern. Das Einzige, was unter Druck entsteht, sind Diamanten, aber sicherlich keine Menschen und keine Performance.“

Zudem sieht es Thioune kritisch, dass der HSV ihn als Entwickler holte, am Ende aber nur der Aufstieg von ihm erwartet wurde. „Man sagt, dass man etwas entwickeln will und nicht auf Zahlen guckt, aber am Ende des Tages braucht man das Ergebnis. Am Ende muss der Verein auch ankommen in der Liga und sich als Zweitligist sehen. Das ist wichtig, wenn man in dieser Liga bestehen will.“

Thioune hatte 52 Punkte aus 31 Spielen geholt. Einen mehr als Tim Walter zum selben Zeitpunkt der laufenden Saison. Trotzdem erfährt Walter von Sportvorstand Jonas Boldt mehr Unterstützung als Thioune vor einem Jahr. Was vor allem damit zu tun hat, dass der aktuelle HSV-Trainer in den vergangenen Wochen die Kurve bekommen hat und den HSV zurück ins Aufstiegsrennen geführt hat. Doch zwei eigene Siege gegen Hannover 96 am Sonnabend im Volksparkstadion und die Woche darauf bei Hansa Rostock werden für Walter und den HSV alleine nicht reichen.

Gelingt Fortuna Düsseldorf am Freitag aber ein Sieg gegen Darmstadt, kann der HSV es aus eigener Kraft über die Relegation zurück in die Bundesliga schaffen. Und das könnte sich selbst Thioune gut vorstellen. Auch wenn es dann in der kommenden Saison nicht zu einem Wiedersehen im Volkspark kommen würde. „Wenn der HSV am Ende des Tages die Liga verlässt, bin ich der Letzte, der böse darüber ist“, sagt Thioune.

Sollte es so kommen, gibt es zwischen dem HSV und Fortuna Düsseldorf tatsächlich eine neue Fanfreundschaft.

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