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Sechs Spiele in 21 Tagen: Das ist Walters Plan

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Die letzte Phase der Superkompensation: Moritz Heyer (l.) und Mikkel Kaufmann starteten am Dienstag mit hoher Belastung in die neue Trainingswoche des HSV.

Die letzte Phase der Superkompensation: Moritz Heyer (l.) und Mikkel Kaufmann starteten am Dienstag mit hoher Belastung in die neue Trainingswoche des HSV.

Foto: Valeria Witters

Der ultimative Stresstest: Jetzt wird sich zeigen, ob der HSV mit seiner Kader-Strategie die richtige Entscheidung getroffen hat.

Hamburg.  Das verlängerte Wochenende nutzten die HSV-Spieler, um abzuschalten. Für ein paar Tage einfach mal nicht an Fußball denken. Sonny Kittel traf sich in Frankfurt mit Freunden zum Kartfahren, Miro Muheim flog für ein paar Tage in seine Heimat nach Zürich, Ersatztorhüter Leo Oppermann verbrachte die Zeit mit seiner Familie im Disneyland in Paris. Nach dreieinhalb freien Tagen trafen sich die HSV-Spieler erst am Dienstagnachmittag wieder zur ersten Einheit der Woche.

„Wenn es drauf ankommt, müssen wir nicht nur von den Beinen, sondern auch vom Kopf her voll da sein“, sagte HSV-Trainer Tim Walter über die Belastungssteuerung bis zum Sonnabend. Dann beginnt für den HSV mit dem Heimspiel gegen den SC Paderborn (13.30 Uhr) die entscheidende Phase der Zweitliga-Saison.

HSV News: Sechs Spiele in 21 Tagen stehen an

Sechs Spiele in 21 Tagen warten auf die Hamburger. So ein straffes Programm hatte die Mannschaft in dieser Saison noch nicht. Sportlich geht es dabei um nicht weniger als alles. Aufstiegskampf. Dazu die historische Chance auf das erste DFB-Pokalfinale seit 35 Jahren. Es steht viel auf dem Spiel für den HSV. Auch die Zukunft von Spielern und Verantwortlichen. Und die große Frage lautet: Sind die Spieler jetzt am höchsten Punkt ihrer Leistungsfähigkeit, um den Stresstest erfolgreich zu bestehen?

In den kommenden drei Wochen wird sich zeigen, ob die Strategie des HSV mit dem kleinsten Kader der Liga aufgeht und die Mannschaft nicht nur intakt, sondern auch körperlich und mental in der Lage ist, wieder den Fußball zu spielen, den der Trainer erwartet.

„Wir brauchen volle, volle, volle Energie“

„Wir brauchen volle, volle, volle Energie“, sagte Walter nach dem 4:5 am vergangenen Donnerstag gegen den dänischen Erstligisten Viborg FF, als der HSV zur Pause 0:5 zurücklag und in der ersten Halbzeit vor allem eines war: leer, leer, leer. Walter setzt in dieser Woche daher auf ein dosiertes Trainingsprogramm. Nach dem Modell der Superkompensation nutzte der Coach die Länderspielpause, um für das Restprogramm noch einmal entscheidende Trainingsreize zu setzen.

Walter bleibt nichts anders übrig, da der Kader in diesem Jahr nicht mehr die Breite hat wie zuvor. Es war eine bewusste Entscheidung der Kaderplaner um Sportvorstand Jonas Boldt und Sportdirektor Michael Mutzel, auf eine geringere Spielerzahl zu setzen.

Jan Gyamerah noch in Isolation

Diese resultierte auch aus den Erfahrungen der vergangenen zwei Jahre, als der HSV in der Endphase der Saison zu viele unzufriedene Spieler im Kader hatte und es zu atmosphärischen Störungen im Team kam. Vor drei Wochen profitierte der Club ungewollt von der Entscheidung, als nach dem Corona-Ausbruch im Team nicht mehr genügend gesunde Spieler auf der Spielberechtigungsliste standen, um das Heimspiel gegen Erzgebirge Aue zu bestreiten, während Fortuna Düsseldorf trotz 14 infizierter Profis spielen musste.

Gleichzeitig stellt der kleine Kader weiterhin ein Risiko dar. Das aktuelle Infektionsgeschehen erwischt auch den HSV nach wie vor. Daniel Heuer Fernandes und Tom Mickel kehrten nach ihren Corona-Infektionen am Dienstag ins Training zurück. Derzeit ist nur noch Jan Gyamerah in Isolation. Ein Vorteil könnte für den HSV sein, dass fast alle Leistungsträger in diesem Jahr bereits eine Infektion hinter sich gebracht haben.

Leibold und Ambrosius fallen aus

Gleichzeitig ist auch klar: Längere Ausfälle darf sich der HSV in der letzten Saisonphase nicht mehr leisten. Mit Muheim und Ludovit Reis sind aktuell zwei Stammspieler leicht angeschlagen, die aber bis zum Paderborn-Spiel wieder fit sein sollen. Tim Leibold (Kreuzbandriss) fällt noch bis Saisonende aus, und auch mit Stephan Ambrosius ist weiterhin nicht zu rechnen.

Der Innenverteidiger leidet nach seiner Kreuzbandriss-Rückkehr nun schon seit Wochen an muskulären Problemen. „Wenn man denkt, dass man schon mehr machen kann, tritt muskulär ein Problem auf. Das ist eine typische Re-Verletzung“, sagte Walter.

Walter muss Enttäuschungen ausblenden

Trainer Walter muss aufgrund der fehlenden Kaderbreite zusehen, dass er seine zuletzt formschwachen Spieler wie Sonny Kittel, David Kinsombi oder Giorgi Chakvetadze wieder in Schwung bringt. Von den Alternativen im Kader konnte sich gegen Viborg kaum jemand empfehlen.

„Wenn die Energie weniger wird nach Einwechslungen, ist es nicht sehr hilfreich“, sagte Walter über den geringen Druck aus der zweiten Reihe. Zudem muss es dem Coach gelingen, die Enttäuschungen der vergangenen Jahre, die zu diesem Zeitpunkt regelmäßig erlebt wurden und öffentlich immer wieder thematisiert werden, auszublenden.

HSV News: „Wir sind topfit“

Körperlich sieht der Trainer sein Team gewappnet für die nächsten Wochen: „Wir sind topfit“, sagt Walter. Beim schwachen 1:1 in Düsseldorf vor zwei Wochen lief der HSV allerdings deutlich weniger als sonst und auch weniger als der Gegner. Das soll sich nun wieder ändern. „Unsere große Stärke ist das Gegenpressing nach Ballverlusten. Wenn wir das nicht hinbekommen, dann sind wir auch nicht so gut. Wenn wir das wieder drinhaben, brauchen wir uns vor niemandem zu verstecken“, sagt Walter.

Die gute Nachricht: Viel reisen muss der HSV in den nächsten Wochen nicht. Von den sechs Spielen in 21 Tagen finden vier im Volkspark statt. Dazu kommt ein Auswärtsspiel in Kiel. Am Reisestress wird es in dieser Saison also nicht liegen.

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