HSV News

Die Folgen der Spielabsage – und wie es jetzt weitergeht

| Lesedauer: 7 Minuten
Lachende Gesichter in traurigen Zeiten: Acht aus der Ukraine geflüchtete Kinder spielten am Sonnabend im Stadion mit HSV Maskottchen Dino Hermann.

Lachende Gesichter in traurigen Zeiten: Acht aus der Ukraine geflüchtete Kinder spielten am Sonnabend im Stadion mit HSV Maskottchen Dino Hermann.

Foto: ValeriaWitters / WITTERS

Spontane Aktion für Ukraine-Geflüchtete. HSV hofft auf Spiel gegen Düsseldorf. Ärger bei der Fortuna über DFL-Regeln.

Hamburg.  Es waren glückliche Gesichter, die am Sonnabendmittag auf dem Rasen des Volksparkstadions zu sehen waren. Acht Kinder, die mit ihren Familien aus dem Ukraine-Krieg nach Hamburg geflüchtet waren, spielten mit Maskottchen Dino Hermann und machten ein Gruppenfoto. Sie waren nur ein kleiner Teil von rund 400 Menschen, die auf Einladung des HSV zum Mittagessen in das Fanrestaurant Raute kamen. Kurzfristig hatte der Club am Sonnabend sein Netzwerk aus Mitarbeitern, Mitgliedern und Fans genutzt, um die entsprechenden Hilfseinrichtungen zu kontaktieren.

Am Mittag, als eigentlich das Spiel zwischen dem HSV und dem FC Erzgebirge Aue stattfinden sollte, saßen dann viele Geflüchtete und ihre Helfer zusammen und genossen das Essen, das bereits am Tag zuvor für das geplante Spiel angeliefert wurde, aus rechtlichen Gründen aber nur im Stadion verspeist werden durfte.

HSV News: Spontane Aktion für Ukraine-Flüchtlinge nach Spielabsage

„Ich finde es toll, wenn wir mit unserer Energie und unseren Möglichkeiten helfen können. Und natürlich ist es auch sinnvoll, das ganze Essen nicht entsorgen zu müssen“, sagte Sportvorstand Jonas Boldt über die spontane Aktion. „Den Geflüchteten aus der Ukraine, den engagierten Helfern und auch den Fans aus Aue, die bereits angereist waren und die wir zum Mittagstisch und zu Stadionführungen eingeladen haben, hat es gut geschmeckt. Und wir haben es sehr gern gemacht“, so Boldt.

Gerne hätte der HSV zur gleichen Zeit eigentlich gegen Aue gespielt, um den Rückstand auf die Aufstiegsplätze nach den Patzern der drei Führenden in der Zweitligatabelle – Darmstadt, St. Pauli und Bremen – zu verkürzen. Doch schon Mitte der Woche deutete sich an, dass es nach einem Corona-Ausbruch in der Mannschaft und im Betreuerstab für den HSV kaum möglich sein würde, eine schlagkräftige Mannschaft zusammenzubekommen. Der HSV stellte daher am Donnerstag bei der Deutschen Fußball Liga einen Antrag auf Spielverlegung. Doch erst am Freitag um 22.48 Uhr teilte die DFL mit, dass die Partie tatsächlich abgesetzt wird. Zu diesem Zeitpunkt waren nicht nur die Spieler von Aue bereits in Hamburg angekommen, sondern auch viele Fans aus dem Erzgebirge.

Düsseldorf meldete drei Spieler nach, der HSV nicht

Warum also kam die Spielabsage so spät? „Der Grund dafür ist, dass dem HSV nach einem weiteren Corona-Befund am Freitagabend die nach der DFL-Spielordnung notwendige Mindestanzahl an Spielern nicht zur Verfügung steht. Ein neuer Termin wird schnellstmöglich bekanntgegeben“, teilte die DFL mit. Eine Begründung, die einerseits nachvollziehbar ist angesichts von acht Spielern, die sich im Team des HSV mit dem Coronavirus infiziert hatten. Hinzu kamen Sportdirektor Michael Mutzel und Mitglieder aus dem Betreuerstab.

Schaut man aber gleichzeitig auf die Austragung des Spiels zwischen dem SC Paderborn und Fortuna Düsseldorf, verwundert die Absage beim HSV. Beim kommenden HSV-Gegner aus Düsseldorf hatten sich gleich 14 Profis infiziert, dazu bis auf Co-Trainer Julian Hoepner das gesamte Trainerteam um Chefcoach Daniel Thioune. Mit nur neun Profis stand die Fortuna am Sonnabend in Paderborn auf dem Platz. Fünf Spieler aus der Zweiten Mannschaft standen im Kader, zwei davon in der Startelf. Torhüter Kai Eisele wurde sogar als Feldspieler mit auf dem Spielberichtsbogen geführt.

Hinzu kam, dass drei verletzte Fortuna-Spieler von der DFL als „zur Verfügung stehend“ eingestuft wurden. Drei Spieler musste Düsseldorf daher nachmelden, um die von der DFL vorgeschriebene Mindestanzahl von 16 Mann zu erreichen. Mit ihrer Not-Elf kassierte die Fortuna in Paderborn trotzdem erst in der Nachspielzeit das 1:1. Manager Klaus Allofs war entsprechend sauer. „Wir müssen ganz schnell an die Regularien ran, weil die nicht in Ordnung sind“, sagte der Ex-Nationalspieler und kündigte weitere Gespräche mit der DFL an.

HSV-Talent Suhonen hat zum zweiten Mal Corona

Auch der HSV führte im Laufe der vergangenen Woche viele Gespräche mit der DFL. Und obwohl sich nach Moritz Heyer auch noch Sebastian Schonlau, Sonny Kittel, David Kinsombi, Faride Alidou, Giorgi Chakvetadze und Manuel Wintzheimer infizierten, wollte die DFL das Aue-Spiel austragen. Erst als mit Anssi Suhonen ein weiterer Spieler am Freitagabend positiv getestet wurde und Maximilian Rohr als nicht vollständig immunisierte Kontaktperson in Quarantäne musste, hatte der HSV nicht mehr genügend Spieler zur Verfügung.

Dabei trainierte Tim Walters Mannschaft am Sonnabend noch mit neun Feldspielern und vier Torhütern aus dem Lizenzspielerkader. Also mit mehr Profis, als bei Düsseldorf zur Verfügung standen. Dass der HSV laut DFL trotzdem offiziell zu wenige Spieler hatte, liegt an der sogenannten Spielberechtigungsliste, auf der 32 Namen stehen müssen. Weil der HSV im Gegensatz zu Düsseldorf keine Spieler nachmeldete, hatte er am Ende auch nicht genug Lizenz- und Vertragsspieler, die zum Einsatz hätten kommen können. „Spieler, die nicht auf der aktuellen Spielberechtigungsliste eingetragen sind, besitzen keine Spielberechtigung und können nicht eingesetzt werden“, heißt es in Paragraf 11 der DFL-Spielordnung.

HSV News: Nachmeldung aus Amateurbereich möglich

Bis zur nächsten Partie bei Fortuna Düsseldorf hätte der HSV also genug Zeit, Spieler aus dem Amateurbereich nachzumelden. Dass der HSV derzeit aber auch in der Zweiten Mannschaft an einer Personalnot leidet, zeigte sich am Sonntag, als bei der Regionalligamannschaft gegen Hildesheim gleich mehrere Spieler auf der Bank saßen, die am Sonnabend bereits mit der U19 beim FC Magdeburg mit 2:6 unterlagen.

Die HSV-Verantwortlichen setzen jetzt vor allem darauf, dass sich einige infizierte Spieler, die symptomfrei geblieben sind, bis zum kommenden Sonnabend freitesten lassen können. Wie etwa Suhonen, der bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen positiv getestet wurde und am Freitag vor dem Laborergebnis noch trainiert hatte.

Wann das Aue-Spiel nachgeholt wird, ist noch offen. Laut DFL muss der neue Termin immer der nächstmögliche Dienstag oder Mittwoch im Kalender sein. Das wäre nach der Länderspielpause und dem Paderborn-Spiel am 5./6. April. Das nächste Training des HSV steht am Montagnachmittag an. Zuvor werden erneut alle Spieler getestet. Das Wort zum Sonntag dazu von Jonas Boldt: „Wir werden uns ab Montag mit der Vorbereitung unseres nächsten Spiels in Düsseldorf beschäftigen und hoffen, dass wir dieses Spiel regulär austragen können.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: HSV