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Nicht kritikfähig? Woran Doyle laut Walter gescheitert ist

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HSV-Trainer Tim Walter (r.) drang bei Tomm Doyle nicht durch mit seinen Verbesserungsvorschlägen.

HSV-Trainer Tim Walter (r.) drang bei Tomm Doyle nicht durch mit seinen Verbesserungsvorschlägen.

Foto: Imago / Oliver Ruhnke

Die halbe Mannschaft fehlt zum Trainingsauftakt des HSV. Anfangs deutete gar vieles auf ein Corona-Drama hin.

Hamburg. Anssi Suhonen war der erste Profi des HSV, der am Donnerstagnachmittag um 14.52 Uhr die lange Treppe am Volksparkstadion herunterkam. Begleitet von Manuel Wintzheimer und Robin Meißner betrat der 20 Jahre alte Finne bei leichtem Nieselregen das Grün neben der Arena nach der elftägigen Winterpause, die nicht jeder Spieler so reibungslos überstand wie Suhonen. Denn auf die drei vorangehenden Youngster folgten gerade einmal zehn weitere Feldspieler und vier Torhüter zum Trainingsauftakt des HSV.

Mit Bakery Jatta, Robert Glatzel, Faride Alidou, Sebastian Schonlau, Mario Vuskovic, Jan Gyamerah und Mikkel Kaufmann fehlten gleich sieben Profis, von denen sechs beim jüngsten Heimspiel gegen Schalke 04 (1:1) in der Startelf standen. Schnell machten sich sorgenvolle Gedanken unter den zwölf Beobachtern breit, schließlich wurden alle Spieler am Vormittag auf das Coronavirus getestet. Haben sich etwa sieben HSV-Profis in ihrem Weihnachtsurlaub mit Covid-19 infiziert? Es dauerte exakt 17 Minuten, ehe der Club um 15.09 Uhr einen positiven PCR-Befund über die sozialen Netzwerke kommunizierte.

Allerdings war keiner der sieben unerwartet abwesenden Spieler betroffen. „Tim Leibold hatte heute einen positiven Corona-Test und begibt sich umgehend in Quarantäne“, twitterte der HSV. Eine bittere Nachricht für den Linksverteidiger, für den die Saison wegen seines Kreuzbandrisses allerdings ohnehin gelaufen ist. Darüber, warum die halbe Mannschaft fehlte, gab dieser Tweet allerdings noch keinen Aufschluss.

Walter fehlt das halbe HSV-Team

Diesen reichte die Presseabteilung weitere neun Minuten später nach – und gab zugleich Entwarnung bezüglich der Spekulation über weitere Corona-Fälle. Leibold war der einzige Infizierte, alle weiteren Tests brachten ein negatives Ergebnis. Doch es soll tatsächlich auch noch andere Krankheiten in diesen Zeiten geben, und so fehlte Kaufmann wegen eines grippalen Infekts. Auch Alidou und Vuskovic hatten mit leichten Erkältungssymptomen zu kämpfen. Der angeschlagene Glatzel trainierte individuell im Kraftraum, Josha Vagnoman und Maximilian Rohr joggten individuell auf dem Platz, und Jatta sowie Gyamerah bekamen aus privaten Gründen einen verlängerten Urlaub genehmigt. Wobei Jatta inzwischen als Corona-Verdachtsfall gilt. Kapitän Schonlau fehlt wegen seiner Nebenwirkungen nach einer Booster-Impfung.

Bis auf Leibold werden alle genannten Profis beim Trainingslager (2. bis 8. Januar) in Andalusien dabei sein. Genauso wie die Youngster Bent Andresen (18), Felix Paschke (18) und Elijah Krahn (18).

Dennoch wird Trainer Tim Walter zum Start des einwöchigen Trips weiterhin nur mit einer überschaubaren Gruppe arbeiten können. „Ich weiß nicht, ob ich mit allen trainieren kann, aber es werden mit Sicherheit noch einige dazukommen“, hofft der Coach, der solche Personalprobleme noch aus der Sommervorbereitung kennt, als er phasenweise sogar nur auf acht Feldspieler zurückgreifen konnte. „Wir haben uns darauf eingestellt und jammern nicht“, stellt Walter klar. „Wir arbeiten mit denen, die da sind und versuchen, sie besser zu machen.“

Walter: Woran Doyle beim HSV gescheitert ist

Einer, mit dem Walter sehr wahrscheinlich nicht mehr zusammenarbeiten wird und der am Sonntag auch definitiv nicht mit im Charterflieger nach Spanien sitzen wird, ist Tommy Doyle. Wie berichtet, befindet sich der von Manchester City ausgeliehene Engländer in Absprache mit dem HSV weiterhin in seiner Heimat, da ihm bei einer Rückkehr in die EU eine 14-tägige Quarantäne droht. Doch auf diese möchte Doyle gerne verzichten, denn es ist davon auszugehen, dass sein bis Saisonende gültiger Leihvertrag in Kürze aufgelöst wird.

Woran der zweifellos talentierte und vor allem schussgewaltige Mittelfeldspieler in Hamburg gescheitert ist, darüber hat Walter eine klare Meinung. Offenbar war der Youngster nicht lernfähig genug. Doyle habe zwar Potenzial, „aber es geht auch darum, weiter an Dingen zu arbeiten, die man noch nicht so gut kann, und nicht denkt, dass man sie schon kann“, sagte Walter in aller Deutlichkeit – und kritisierte zusätzlich die fehlende Kritikfähigkeit des englischen U-21-Nationalspielers. „Er muss auch Dinge akzeptieren. Wenn man das nicht kann, ist man vielleicht noch nicht weit genug.“

Doyles bevorstehender Abgang ermöglicht dem HSV neuen finanziellen Spielraum für einen Neuzugang im Januar. Verbesserungsbedarf habe der Club auf jeder Position, sagte Walter. „Wir haben gute Jungs, um sie noch besser zu machen, brauchen aber noch weitere Jungs, um das zu forcieren.“ Jungs, die sich auch verbessern wollen.

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