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Warum der HSV immer auf die Nachrücker setzen kann

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Mario Vuskovic mit Torwart Marko Johansson.

Mario Vuskovic mit Torwart Marko Johansson.

Foto: ValeriaWitters / WITTERS

„Konkurrenz belebt das Geschäft": Der interne Konkurrenzkampf im Kader könnte ein wichtiger Faktor im Kampf um den Aufstieg werden.

Hamburg. Ludovit Reis (21) kam als einer der letzten HSV-Profis die lange Stadiontreppe herunter, dick eingepackt und mit einem Halsschutz gegen das nasskalte Hamburger Schmuddelwetter, das ihm offenkundig mehr zu schaffen machte als seine Rückenverletzung, die am Donnerstag für ein vorzeitiges Trainingsende gesorgt hatte. Die lockere knapp 40-minütige Abschlusseinheit vor dem Topspiel gegen den FC Schalke 04 (Sa, 20.30 Uhr, Sky, Sport1 und Liveticker auf abendblatt.de) konnte der Niederländer ohne Probleme absolvieren. Es deutet vieles darauf hin, dass die Startelf vom 3:0-Sieg gegen Hansa Rostock aus der Vorwoche auch gegen die „Königsblauen“ erneut das Vertrauen erhält.

Doch eben jenes Vertrauen hat HSV-Trainer Tim Walter nicht nur in seine mutmaßliche Startelf, die sich zum Ende der Hinrunde mehr und mehr herauskristallisiert hat. Der 46-Jährige macht keinen Hehl daraus, dass in der Hinrunde auch der zweite Anzug der Hamburger wie maßgeschneidert sitzt. Für Walter ist es eine Luxussituation, dass in seiner Mannschaft eine – wie es im US-amerikanischen Sportarten heißt – „Next Man up“-Mentalität herrscht.

HSV News: Ausfälle konnten aufgefangen werden

Heißt übersetzt: Fällt einer aus, rückt eben ein anderer Profi nach, ohne dass die Qualität nachlässt. So war es bei Torwart Marko Johansson (23), der dafür sorgt, dass sich Daniel Heuer Fernandes (29) nach seiner Kapselverletzung im Knie in Ruhe auskurieren kann. Auch der Ausfall von Innenverteidiger Jonas David (21), der bis zu seinem Muskelfaserriss Mitte November als einziger Profi keine Minute verpasst hatte, konnte ohne Probleme aufgefangen werden, weil Mario Vuskovic (20) nach anfänglichen Problemen zeigt, warum er als eines der größten Abwehrtalente Kroatiens gilt.

Und es passte irgendwie zur personellen Widerstandsfähigkeit des HSV, dass selbst das vorzeitige Saison-Aus von Tim Leibold (28, Kreuzbandriss) keine Panik verursachte. Miro Muheim (23) und nach dessen Muskelfaserriss zuletzt Jan Gyamerah (26) vertaten den Vizekapitän. Auf andere Art und Weise zwar, aber eben nicht signifikant schlechter.

„Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft"

„Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Da muss jeder noch mehr an seine Grenzen gehen. Es wichtig, dass wir aufeinander Druck machen, versuchen, besser zu werden. Das spüre ich“, lobt Walter die vermeintliche „Zweite Garnitur“. Der interne Konkurrenzkampf auf allen Positionen könnte auf Sicht ein wesentlicher Faktor im Kampf um den Bundesliga-Aufstieg werden. Frei nach dem Motto: mit Breite im Kader in die Spitze der Tabelle.

„Durch unsere Ausfälle sind extrem viele Jungs, die am Anfang nicht so viel zum Einsatz gekommen sind, jetzt im Vordertreffen, die von den Jungs, die langsam wieder zurückkommen, wiederum Konkurrenzdruck bekommen.“ Bei allem Kampf um die begehrten elf Stammplätze: Die Chemie unter den Spielern leidet darunter bislang nicht. Es wird im Training gelacht, gescherzt, bei missglückten Aktionen auch mal gefrotzelt. Walter hält Augen und Ohren offen, um Unzufriedenheit oder schlechte Stimmung im Keim zu ersticken: „Entscheidend sind der positive Umgang und die Harmonie in der Mannschaft. Denn unterm Strich geht es um den gemeinsamen Erfolg. Alle ziehen aber voll mit, das macht mir riesig Spaß.“

"Jeder, der reinkommt, der brennt, will sich zeigen"

Und genau das kommt dem Coach auch bei seinen Einwechslungen zugute. In der Hinrunde haben die Hamburger in Person von David Kinsombi (26), Manuel Wintzheimer (22), Anssi Suhonen (20) und Tommy Doyle (20) vier Jokertore erzielt. Hinzu kommen noch sechs Assists von Kinsombi (26, zwei), Suhonen, Reis, Sonny Kittel (28) und Maximilian Rohr (26). Zudem erzwang Tommy ­Doyle (20) beim 1:1 in Aue das Eigentor von Dirk Carlson (23), das zum Remis führte. Einen offiziellen Assist bekam der Engländer dafür aber nicht gutgeschrieben.

Und trotzdem: „Ich habe gelesen, dass wir, was Einwechselspieler betrifft, die effektivste Mannschaft sind. Jeder, der reinkommt, der brennt, will sich zeigen und bringt diese unglaubliche Energie mit, die wir für unser Spiel brauchen“, sagt Walter. Und im neuen Jahr kommen mit Stephan Ambrosius (22, Aufbau nach Kreuzbandriss), Maximilian Rohr (Aufbau nach komplexer Muskelverletzung im Oberschenkel) und Josha Vagnoman (21, Aufbau nach Muskelsehnenriss im Oberschenkel) gleich drei weitere Alternativen für Walter hinzu. Schöne Aussichten für 2022.

Walter: „Wir freuen uns riesig auf das Spiel"

„Doch erst einmal freuen wir uns riesig auf das Spiel. Schalke war vor gefühlt drei Jahren noch Vizemeister in der Bundesliga. Solche Duelle mit den besten Mannschaften der Liga brauchen wir, um uns auf unserem Weg weiter zu verbessern. Wir sind guter Dinge.“ Bei der personellen Situation kein Wunder.

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