HSV News

Was Chefscout Claus Costa im Managerlehrgang lernen kann

| Lesedauer: 7 Minuten
Kai Schiller
HSV-Chefscout Claus Costa an seinem Arbeitsplatz.

HSV-Chefscout Claus Costa an seinem Arbeitsplatz.

Foto: Valeria Witters / WITTERS

Der 37-Jährige absolviert den neuen Kurs von DFB und DFL – und mit ihm ein alter HSV-Bekannter, der jetzt für Gegner Rostock arbeitet.

Hamburg. Wahrscheinlich war der Opa schuld. Der hatte den kleinen Claus Costa und dessen Bruder bereits Anfang der Neunzigerjahre gerne in München an die Säbener Straße mitgenommen, um beim Bayern-Training über den Zaun zu luschern. Torhüter Raimond Aumann war da, genauso wie Lothar Matthäus, Olaf Thon, Mehmet Scholl. Und eben Dreikäsehoch Claus, der sich beim Training der großen Bayern erstmals als eine Art kleiner Scout versuchte.

Rund 30 Jahre später ist aus dem Mini-Scout der Chefscout des HSV geworden. Er liebe seinen Job, sagt Costa am frühen Mittwochmorgen, bevor der ganz normale Arbeitswahnsinn losgeht. Costa sitzt um 8.30 Uhr beim Bäcker Junge in Othmarschen, trinkt einen Kaffee und checkt seine Mails. Auf der To-do-Liste des Tages steht: zwei Mitarbeitergespräche vorbereiten, fünf Beratergespräche führen, zwei komplette Spiele auf DVD schauen. Ein Treffen mit den festen Scouts vor Ort im Volkspark, Telefonate mit den freien Scouts, die als Honorarkräfte überall im Land verteilt sind. Scoutingberichte schreiben und mit Sportdirektor Michael Mutzel über das Wintertransferfenster sprechen.

Alltag also. Costa atmet einmal tief durch. Er sei extrem gerne Scout – aber natürlich sei er auch immer offen für neue Dinge.

HSV-Chefscout spricht über Managerlehrgang

Diese Neugier war es vermutlich auch, die den 37-Jährigen vor ein paar Monaten auf den neuen Managerlehrgang der DFL und des DFB aufmerksam gemacht hat. „Als ich von der Möglichkeit des Managementkurses gehört habe, hatte ich sofort Interesse“, sagt Costa, der sich nach kurzer Abstimmung mit Sportvorstand Jonas Boldt und Sport­direktor Michael Mutzel beim zweiten Lehrgang, der im vergangenen Oktober startete, anmeldete.

Insgesamt waren es am Ende 16 Teilnehmer, die beim Zertifikatsprogramm „Management im Profifußball“, eine Art Äquivalentprogramm zum Fußballlehrerlehrgang für angehende Trainer, dabei sein durften. Neben Costa beispielsweise auch St. Paulis Carsten Rothenbach (Assistent sportliche Geschäftsleitung und sportlicher Leiter U 23), Hannovers Teammanager Fabio Morena, Dieter Heckings Sohn Jonas, der bei Arminia Bielefeld als Assistent des Geschäftsführers Sport arbeitet, sowie Bayerns Kathleen Krüger (Abteilungsleiterin Team Management). Und Rostocks Sportvorstand Martin Pieckenhagen, der einst das HSV-Tor hütete und den Costa an diesem Sonntag beim Spiel gegen Hansa im Volksparkstadion treffen wird.

Pieckenhagen ist mit 50 Jahren der Senior der Manager-Rasselbande, der sich aber nicht zu alt fühlt, um noch etwas zu lernen. „Ich hoffe, dass ich da ganz viele Dinge für meinen Job mitnehme“, sagt Pieckenhagen. „Neben dem Netzwerk, das man erweitert, sprechen mich auch die Inhalte sehr an: Es geht beispielsweise um Persönlichkeitsentwicklung, wie man nach außen wirkt und welche Inhalte man an Mitarbeiter weitergibt.“

„Das ist ähnlich wie ein Fernstudium“

18 Monate, unterteilt in neun Module, soll der Lehrgang dauern. „Das ist ähnlich wie ein Fernstudium, wobei es nicht um konkrete Noten geht. Es geht eher darum, seinen Blickwinkel zu erweitern“, sagt Costa, der bereits vor Jahren ein Fernstudium zum Sportmanager an der IST abgeschlossen hat. Beim DFL-DFB-Lehrgang trafen sich Costa, Pieckenhagen und Co. erstmals Mitte Oktober zu einem dreitägigen Workshop in Frankfurt, wo Modul Nummer eins auf dem Lehrplan stand: Selbstwahrnehmung und Softskills. Als Gastredner waren Frankfurts Sportvorstand Markus Krösche und Wolfsburgs Sportdirektor Marcel Schäfer, der selbst Teilnehmer des ersten DFL-DFB-Managerlehrgangs ist, vor Ort.

„Der Lehrgang ist auch aus Netzwerkgründen sehr hilfreich. Man lernt viele neue Kollegen aus der Branche kennen“, sagt Costa, der auf der Rückfahrt St. Paulis Rothenbach mitnahm und so Kontakte zum Stadtrivalen knüpfte. Auch seinen früheren Gegenspieler Morena und Heckings Sohn Jonas kannte Costa bereits vor dem Lehrgang.

Neben dem kleinen Wiedersehen mit Pieckenhagen am Sonntag im Stadion gibt es ein großes Wiedersehen mit allen Teilnehmern im Januar bei Hertha in Berlin, wenn Modul Nummer zwei auf dem Programm steht: Fußballlehre im Profifußball. Grundsätzlich sind alle neun Module Unterpunkte von den drei Hauptfeldern: Bundesliga-Know-how, sportliches und Management-Know-how. „Durch den Lehrgang bekomme ich eine Horizonterweiterung über das Scouting hinaus und einen theoretischen Einblick in andere Themenfelder“, sagt Costa. „Das gefällt mir.“

Im Lehrplan: Sportrecht, Lizenzierung, Kaderplanung, Finanzmanagement

Ziel der gemeinsamen DFL- und DFB-Initiative ist es, Sportverantwortliche aus den ersten drei Bundesligen sowie aus der Frauen-Bundesliga bestmöglich auf ihre bevorstehenden Aufgaben als Entscheider im Profifußball vorzubereiten. Auf dem von Leiter Bernd Baumbach ausgearbeiteten Lehrplan stehen unter anderem Schwerpunkte wie Sportrecht, Lizenzierung, Kaderplanung, Finanzmanagement und Leadership. Das Programm findet auch künftig im sogenannten Blended-Learning-Format statt, also einer Mischung aus Onlinephasen und Präsenztagen alle zwei Monate.

Ob Costa nach dem Abschluss des Lehrgangs im März 2023 eine ähnliche Richtung wie der Rostocker Kollege Pieckenhagen einschlagen und sich als Hauptverantwortlicher im Sport ausprobieren will, weiß der frühere Co-Trainer von Viktoria Köln noch nicht. „Ich habe keinen Masterplan, wo ich mich selbst in drei, fünf oder zehn Jahren sehe“, sagt er. „Aktuell fühle ich mich besonders in der momentanen Konstellation mit Jonas Boldt, Michael Mutzel, Tim Walter und meinem Scoutingteam pudelwohl.“

Manchmal geht es ja auch schneller, als man denkt. So erinnert sich Costa noch gerne an seine erste offizielle Scoutingreise (abseits der Säbener Straße), als er noch als Regionalligaspieler von Viktoria Köln im Hauptjob und Praktikant von Bayer Leverkusen im Nebenjob vom Werksclub zum Länderspiel zwischen Italien und Kroatien kurzfristig ins Mailänder San Siro geschickt wurde. Sein Scoutingauftrag: Matteo Darmian (heute 32/Inter Mailand).

Costa fuhr nach Mailand, achtete auf jede Bewegung, machte sich jede Menge Notizen und fuhr wieder nach Hause. Dort nahm man Costas Expertenmeinung zur Kenntnis – und fragte dann, wie sich denn Kroatiens Marcelo Brozović (heute 29/ebenfalls Inter Mailand) bewährt habe. Bei dieser Frage musste Costa, der sich ausschließlich auf Darmian konzentriert hatte, passen. Der weiteren Karriere sollte dies aber nicht schaden. Costas damaliger Chef: Jonas Boldt.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: HSV