HSV heute

Walters Startelf-Rätsel und eine vielsagende Doyle-Bemerkung

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"Mich interessiert nicht, was der 1. FC Nürnberg macht"

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HSV-Trainer macht zur Aufstellung im Pokal bei Nürnberg allenfalls Andeutungen. Über Tommy Doyle findet er klare Worte.

Hamburg. Steht Kapitän Tim Leibold gegen seinen Ex-Verein wieder auf dem Platz? Erhält Paderborn-Matchwinner Tommy Doyle nun mehr Einsatzzeit? Lässt er rotieren oder doch nicht?

Einen Tag vor dem Auswärtsspiel des HSV in der zweiten Runde des DFB-Pokals beim 1. FC Nürnberg (Dienstag, 20.45 Uhr/Sky und Liveticker auf abendblatt.de) ließ sich Trainer Tim Walter bei der voraussichtlichen Aufstellung erwartungsgemäß nicht weiter in die Karten blicken.

HSV in Nürnberg wieder mit Leibold?

Aber: Bei Leibold, der beim Sieg in Paderborn am Freitag mit einem dick angeschwollenen Auge als Ausdruck einer rätselhaften allergischen Reaktion zur Halbzeit hatte ausgewechselt werden müssen, sieht es nach Walters Angaben zumindest ganz gut aus – im wahrsten Sinne des Wortes.

„Die Augen sind wieder auf, dann kann er auch“, sagte Walter nach dem Training am Montag über Leibold. Erste Untersuchungen wurden angestellt, weitere sollen folgen. „Aber es ist einfach schwer, da was zu finden“, so Walter über Leibolds Allergie.

HSV will Alidou „nicht in dem Himmel loben“

Wird der Linksverteidiger in Nürnberg also lieber doch noch geschont? „Das sind alles Überlegungen“, sagte Walter, der dabei auf seine generell vermeintlich „gute Qualität im Kader“ verwies: „Da kann jeder spielen, bisher haben das alle nachgewiesen.“

Den jüngsten ersten großen Leistungsnachweis hat Faride Alidou erbracht, der am Freitag für viele überraschend seine Startelf-Premiere bei den Profis gefeiert hatte. Ein Freifahrtschein fürs Nürnbergspiel? „Wir müssen schauen, dass der Junge nicht zu sehr in den Himmel gelobt wird“, sagte Walter nur über den 20 Jahre alten Offensivmann aus der zweiten Mannschaft des HSV.

HSV und die Debatte um Tommy Doyle

Völlig offen scheinen auch die Startelf-Chancen für Kurzarbeiter Tommy Doyle zu sein, der nach seinem späten Siegtreffer gegen Paderborn nun schon ein Tor und eine Vorbereitung in nur sieben Minuten Einsatzzeit vorweisen kann.

„Wenn man nur die Daten und Zahlen nimmt, macht er das natürlich klasse“, sagte Walter am Montag über den 20 Jahre jungen Engländer, „darum verstehe ich auch Jonas.“ HSV-Vorstandschef Jonas Boldt hatte sich am Wochenende für längere Auftritte der Leihgabe von Manchester City starkgemacht.

„Das darf er gerne sagen, ich sehe es ja genauso“, sagte Walter zu den Äußerungen seines Vorgesetzten über Doyle. „Trotzdem muss jeder Spieler im Training an die Grenzen gehen und mir zeigen, dass er spielen will.“

Doyle schießt HSV zu Last-Minute-Sieg in Paderborn

Doyle: Walter macht vielsagende Bemerkung

Er sei sich mit Boldt sowie Sportdirektor Michael Mutzel darüber einig, dass der kreative Mittelfeldmann weiter an sich arbeiten müsse – vor allem im Hinblick auf die in der Zweiten Bundesliga „extrem wichtige“ Intensität gegen den Ball. Dazu gehöre für Doyle auch, „immer wach“ zu sein und „dass er in die Zweikämpfe will“, sagte Walter – mit vielsagender Betonung auf „will“.

„Das Entscheidende im modernen Fußball ist, dass er im Gegenpressing ist, das kennt er auch aus England“, so Walter weiter: „Das macht er immer mehr, und darum belohnt er sich ja auch dafür.“ Er wisse aber schon sehr wohl, was er an dem bei Pep Guardiola ausgebildeten Spieler habe.

HSV: Sonny Kittel „gewinnt an Souveränität“

Das gilt ebenso für Sonny Kittel, wie Doyle im kreativen Bereich tätig, mit 28 Jahren aber deutlich erfahrener als der englische U-21-Nationalspieler. Doch auch bei Kittel schützt Alter nicht vor Lerneffekten.

„Er entwickelt sich ständig weiter und gewinnt an Souveränität“, sagte Walter über den Offensivspieler, der in dieser Saison neben einem eigenen Treffer bislang immerhin fünf weitere vorbereitete.

„Vielleicht hat er noch nicht die Zahlen, aber ich habe ihm schon gesagt: Die kommen mit Sicherheit, so wie er spielt, mit solcher Intensität und Freude, das belebt uns.“

Walter: Kittel wird zum Mannschaftsspieler

Inzwischen achte Kittel nicht mehr nur darauf, selbst zu glänzen, sondern werde mehr und mehr zum Mannschaftsspieler. „Er ist jetzt nicht mehr der, der alles kommentiert, abtut und nur auf seine Szenen achtet“, so Walter. „Das macht richtig, richtig Spaß. Die Jungs akzeptieren ihn zu Hundert Prozent.“

Entscheidend sei, viel mit Kittel zu reden, um ihm seine benötigte Sicherheit, aber auch Freiheit zu geben. „Du kannst solche Spieler nicht in Schemata pressen“, so Walter. Klingt zumindest bei Kittel alles schon recht deutlich nach einem Startplatz in Nürnberg.

HSV-Gegner Nürnberg rotiert im Tor

Die Franken selbst gehen mit der Aufstellung gegen den HSV indes schon ein wenig offener um. Zumindest im Tor hat sich Trainer Robert Klauß bereits auf einen Wechsel festgelegt. Statt dem ehemaligen Hamburger Christian Mathenia wird Ersatzmann Claus Karl zwischen den Pfosten stehen. „Das haben wir mit den Torhütern besprochen“, sagte Klauß am Montag in der Pressekonferenz.

Aber ein Geheimnis behält auch der „Club“-Coach noch für sich. „In Hamburg haben wir bewusst tiefer verteidigt“, sagte Klauß mit Blick auf das 2:2 in der Liga. „Jetzt haben wir ein Heimspiel. Ich verrate aber wie immer nicht, wie wir es machen. Wir werden aber paar Dinge anpassen.“

Die garantierten Pokal-Antrittsprämien:

  • 1.Runde: 128.757 Euro
  • 2. Runde: 257.514 Euro
  • Achtelfinale: 515.028 Euro
  • Viertelfinale: 1,004 Millionen Euro
  • Halbfinale: 2,008 Millionen
  • Finale: steht noch nicht fest

HSV in Nürnberg – Thema Chancenverwertung

Klauß' Amtskollege in Hamburg dürften solche Verklausulierungen wenig anfechten. „Mich interessiert das nicht, was der 1. FC Nürnberg macht, sondern meine Belange sind der HSV“, stellte Tim Walter einen Tag vor der Abreise in den Süden klar.

Was ihn dann allerdings doch interessiert: „Die Chancenverwertung des Gegners ist sehr hoch im Gegensatz zu unserer“, sagte Walter. „Wir müssen deshalb noch konsequenter werden und das Glück auf unsere Seite ziehen.“

Welchem Personal er dies im Max-Morlock-Stadion am ehesten zutraut, werden die HSV-Fans wohl spätestens eine Stunde vor dem Anpfiff erfahren.

Nürnbergs Trainer Klauß: „Der HSV hat enormes Potenzial“
( jdr/ks )

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