Stadtderby gegen St. Pauli

HSV II verpasst den Derbysieg auf unglaubliche Art und Weise

| Lesedauer: 6 Minuten
Mirko Schneider
Zwei Torschützen im Laufduell! Moses Otuali Omohe  vom HSV II (r.) und Bennet van den Berg vom FC St. Pauli II jagen dem Ball hinterher.

Zwei Torschützen im Laufduell! Moses Otuali Omohe vom HSV II (r.) und Bennet van den Berg vom FC St. Pauli II jagen dem Ball hinterher.

Foto: LeonieHorky / WITTERS

Amateurfußball-Kolumne: Kleine Stadtmeisterschaft ohne Sieger. Nikolic zu alt für den Kiez, MSV Hamburg zofft sich in der Kabine.

Hamburg. Rexhepi jagt Matchball drüber. Die kleine Stadtmeisterschaft auf dem Silbertablett serviert bekam Arlind Rexhepi in der 93. Minute beim Regionalliga-Duell zwischen dem HSV II und dem FC St. Pauli II. Doch kaum zu fassen: Der HSV-II-Akteur jagte den Ball völlig blank aus zwei Metern übers leere Tor. „Ich bin nicht sauer auf Arlind. Klar hätten wir uns alle dieses Tor gewünscht, aber wir machen ihm keinen Vorwurf“, sagte sein Trainer Pit Reimers. Und obwohl sein Team diesen Matchball plus eine 2:0-Führung vergab, räumte Reimers fair ein: „Es ist ein gerechtes 2:2.“

Der HSV II war durch die Treffer von Robin Velasco (43., St. Pauli II sah den Ball vor der Vorlage im Aus) und Moses Otuali Omohe (45., abseitsverdächtig) etwas glücklich in Front gegangen. Die zwei umstrittenen Treffer konterten die agilen Gäste mit zwei Traumtoren. Justin Plautz versenkte einen Freistoß in den Winkel (53.), Bennet van den Berg schloss eine herrliche Kombination über den halben Platz eiskalt ab (77.). „Wir erspielen uns viele Chancen. Das zeichnet uns aus. Den Schnitt unserer Gegentore müssen wir aber dringend reduzieren“, sagte St. Pauli II-Coach Joachim Philipkowski. „Am Ende haben wir uns den Punkt auf jeden Fall verdient.“

Nikolic zu alt für den Kiez

Unerwartet schöner Kiezabend. Mit einem mulmigen Gefühl startete Oberligist VfL Lohbrügge in die Partie gegen Seriensieger TuS Dassendorf. Aufgrund von Verletzungspech mussten mit Arne Hantusch im Tor und Joshua Behn auf der Linksverteidigerposition sogar zwei A-Jugendliche ran. „Unser Mannschaftsabend sollte nach dem Spiel stattfinden. Einige von uns waren sich nicht sicher, ob der Termin so klug ist. Mit einer deftigen Niederlage macht Feiern ja wenig Spaß“, sagte VfL-Trainer Elvis Nikolic.

Doch der VfL Lohbrügge überraschte sich komplett selbst und sorgte mit einem 1:1 für die ersten Flecken auf der bisherigen weißen Dassendorfer Weste. Bis zwei Minuten vor dem Ende lag der VfL durch Martin Schauers Treffer (40.) sogar vorne, dann erzielte Dassendorfs Sven Möller den Ausgleich. „Der Stolz auf den Punkt überwiegt eindeutig trotz des späten Ausgleichs“, so Nikolic. „Die Feier auf dem Kiez wurde somit für die Jungs natürlich unerwartet schön.“ Für Nikolic brachte die Party auf St. Pauli allerdings auch eine spezielle Erkenntnis: „Ich bin jetzt 45 Jahre. Für Clubs wie Blaue Nacht und Titty Twister bin ich mittlerweile einfach zu alt.“


Keine Rücktrittsgedanken. Ein einziges Rätsel sind aktuell die Auftritte des Oberligisten HSV III. Dem schlimmen 2:6 beim HEBC folgte nun ein vogelwildes 3:6 gegen Niendorf. Immerhin kassierte der HSV III diesmal drei Treffer beim Stand von 3:3 erst in den letzten sieben Spielminuten und war nicht wie beim HEBC fast die gesamte Spielzeit chancenlos. „Anfang der Woche hatten die Mannschaft und das Trainerteam eine fast einstündige Aussprache, in der absolut offen Kritik geübt wurde. Das war sehr gut“, sagte HSV-III-Coach Marcus Rabenhorst. Auf dem Platz war nun allerdings erneut keine Wende zu erkennen. „Uns fehlen momentan die Grundtugenden wie Disziplin, Mentalität, Bereitschaft und die gegenseitige Zusammenarbeit auf dem Platz. Und bei Gegentoren gehen zu schnell die Köpfe runter“, so der HSV III-Trainer. Rücktrittsgedanken hege er aber keine. „Natürlich hinterfrage ich mich“, so Rabenhorst. „Aber ich bin weit davon entfernt, den Hut zu ziehen und davon zu laufen. Ich sehe die Situation als eine Chance für uns. Wir wollen dieses Tief gemeinsam meistern und gestärkt daraus hervorgehen.“ Die nächste Möglichkeit dazu bietet sich dem HSV III erst am 12. November. Im Heimspiel gegen Rugenbergen.


Haimerl bedankt sich und fliegt. Einen eigentümlichen Feldverweis kassierte Barmbek-Uhlenhorsts Trainer Jan Haimerl bei der 0:2-Niederlage beim USC Paloma. Nach dem 1:0 Palomas durch Moritz Niemann, dem ein strittiger Freistoß vorausging, wurde Haimerl gegenüber Schiedsrichter Dr. Michael Ehrenfort ironisch und kommentierte die Entscheidung mit einem „Danke, Schiri!“ Der Unparteiische konterte: „Das ist unterstes Niveau!“ Haimerl daraufhin: „Vielen Dank, das Kompliment kann ich nur zurückgeben.“ Daraufhin sah Haimerl von Schiedsrichter Dr. Michael Ehrenfort die Rote Karte. Die Internetplattform hafo.de berichtete zuerst von dem Dialog am Spielfeldrand, Haimerl bestätigte ihn auf Abendblatt-Nachfrage.

„Ich habe dem Schiedsrichter in der Pause gesagt, es ist okay für mich, wenn ich wegen einer verbalen Entgleisung vom Platz fliege. Aber nicht wegen eines so harmlosen Spruchs“, so Haimerl weiter gegenüber dem Abendblatt. „Wenn der Schiri zudem selber einen Spruch macht, sollte er auch mit einer Antwort auf demselben Level leben können. Ich wünsche mir wieder mehr Augenhöhe zwischen Schiedsrichtern und Spielern auch von Seiten der Schiedsrichter.“

Nicht nur den Derbysieg feiern konnte dagegen USC Paloma-Coach Marius Nitsch. Der Verein von der Brucknerstraße verlängerte vorzeitig aufgrund des bisher großen Erfolgs den Vertrag mit seinem erst 28 Jahre alten Coach.

MSV Hamburg zofft sich in der Kabine

Trainer geht wegen Halbzeitstreit. Einen seltsamen Trainerwechsel musste am Wochenende der Bezirksligist MSV Hamburg hinnehmen. Im Auswärtsspiel beim SC Wentorf lag der MSV nach 45 Minuten mit 0:9 hinten, als es beim Tabellenletzten zu Streitereien in der Kabine kam. Letztlich spielte der MSV Hamburg nicht mehr weiter, die Partie wurde offiziell abgebrochen und wird nun mit 9:0 für den SC Wentorf gewertet.

Nicht mehr länger anschauen will sich die Talfahrt der Mannschaft jedoch Ex-MSV-Trainer Engin Sakarya. Deshalb verkündete Sakarya nach dem Abbruch der Partie auch gleich seinen Rücktritt. „Das war der einzig richtige Schritt“, wurde Sakarya auf der Internetplattform fussifreunde.de zitiert. Sein Nachfolger Akin Gökdal soll nun den fast unmöglich erscheinenden Klassenerhalt mit dem offensichtlich sehr zerstrittenen Team bewerkstelligen.

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