HSV heute

Warum Steffen Baumgart nicht nach Hamburg wechselte

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Henrik Jacobs

HSV-Check: Rückendeckung für Trainer Tim Walter

Wir sprechen im Video über den Fan-Eklat im Volkspark, die Kritik am HSV-Trainer und die Aufstellung gegen Paderborn.

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Kölns Trainer verhandelte mit dem HSV über einen Wechsel – der letztlich nicht zustandekam. Den kommenden Gegner kennt er bestens.

Hamburg.  Am Freitag um 18.30 Uhr wird Steffen Baumgart den Fernseher anschalten. Zwei Tage vor seinem ersten Derby mit dem 1. FC Köln gegen Bayer Leverkusen schaut sich der Chefcoach des FC ein Zweitligaspiel an. Genauer gesagt die Partie zwischen seinem Ex-Club SC Paderborn und dem HSV. „Ich beobachte Paderborn schon noch und gucke genau hin. Du gehst ja nicht weg, und dann ist es erledigt“, sagt Baumgart im Gespräch mit dem Abendblatt.

Aber auch den HSV verfolgt der 49-Jährige nach wie vor intensiv. Schließlich ist der Rostocker im Herzen auch ein Hamburger, wurde in den 80er-Jahren HSV-Fan. „Dass der HSV mich interessiert, ist kein Geheimnis. Daran wird sich auch nichts ändern“, sagt Baumgart.

HSV verhandelte mit Baumgart

Dass sich der HSV auch für Baumgart interessiert hat, ist ebenfalls kein Geheimnis. Und wäre es ein wenig anders gelaufen, würde Baumgart am Freitag mit dem HSV das erste Mal nach Paderborn reisen. Wenige Monate ist es her, dass der Fußballlehrer mit den Verantwortlichen der Hamburger zusammensaß, um über eine mögliche gemeinsame Zukunft zu sprechen. Das bestätigt Baumgart.

„Es waren sehr gute Gespräche“, sagt Baumgart, der kurze Zeit später allerdings beim 1. FC Köln unterschrieb. „Als der HSV nach der Entlassung von Daniel Thioune auf Trainersuche gegangen ist, war ich schon weit mit dem FC.“ Trotzdem teilte er den Kölner Verantwortlichen mit, dass er noch mit anderen Vereinen sprechen werde. Baumgart unterhielt sich mit Hannover 96 und eben auch mit dem HSV.

Dass ihn auch Hamburg gereizt hätte, ist klar. Doch das Timing passte nicht. „Der HSV hatte noch ein bisschen Zeit gebraucht. Die Gespräche mit Köln waren weiter.“

HSV: Baumgart verteidigt Trainerkollegen Tim Walter

Und so entschied sich Baumgart nach vier Jahren Paderborn für die Domstadt. Den guten Start und die Euphorie, die Baumgart beim Bundesligisten nach der Relegationsrettung entfacht hat, will er aber nicht als Bestätigung für seine Entscheidung sehen. „Das heißt ja nicht, dass die andere Wahl nicht auch gut geworden wäre.“ Über die Gespräche mit dem HSV sagt Baumgart im Rückblick: „Ich habe mit offenen Karten gespielt. Da bleibt nichts Negatives hängen.“

Die Entwicklung des HSV unter Tim Walter verfolgt Baumgart weiterhin als Fan und Fußballverrückter. „Ich denke, dass der HSV es mit der neuen Struktur schon gut macht. Dass nicht alles gleich gelingt, ist auch normal.“ Zuletzt blieben die Hamburger dreimal in Folge sieglos, verloren aber auch nicht. „Ich habe vom HSV noch kein richtig schlechtes Spiel gesehen“, sagt Baumgart. Selbst das enttäuschende 1:1 beim Tabellenletzten Erzgebirge Aue relativiert der Kölner Trainer. „Aue ist eine sehr erfahrene Mannschaft mit abgezockten Spielern. Und der HSV hat noch alle Möglichkeiten, der Abstand nach oben ist nicht groß.“

Aktuell ist der HSV Tabellenachter, drei Punkte hinter dem Vierten Paderborn. Dass der SC nach seinem Abgang sowie dem Verlust verschiedener Leistungsträger so gut in die Saison gestartet ist, kommt für Baumgart nicht überraschend. „In Paderborn wird einfach eine gute Arbeit gemacht. Man weiß aber auch, dass die Saison noch lang ist und jeder Punkt wichtig sein kann.“

Den HSV schätzt Baumgart trotz der aktuellen Probleme in jedem Fall besser ein. „Ich sehe den HSV am Ende schon bei den oberen Mannschaften. Dem Club tut es ganz gut, jetzt mal in der lauernden Position zu sein. So ist man der Jäger.“

HSV-Kapitän Schonlau weckt Interesse bei Baumgart

Mit besonderem Interesse schaut Baumgart auch auf HSV-Kapitän Sebastian Schonlau, der im vorigen Jahr noch sein eigener Kapitän in Paderborn war. Der 27-Jährige sagte am Mittwoch vor seiner Rückkehr, dass Baumgart ihn nach einer schwierigen Phase „wiederbelebt“ habe. Nun ist Schonlau beim HSV ein zentraler Bestandteil der neuen Achse. „Bascho ist einer der besten Innenverteidiger der Liga, auch spielerisch. Dass vorher keiner auf ihn geguckt hat, ist mir ein Rätsel“, sagt Baumgart, der Schonlau vor einem Jahr zum Spielführer ernannt hatte. „Er hat in seiner Zeit als Kapitän in Paderborn auch als Persönlichkeit einen Sprung gemacht. Man sieht jetzt in jedem Spiel beim HSV, dass er der Mannschaft Sicherheit gibt. Er geht mit Leistung voran und macht einen sehr stabilen Eindruck.“

Vor einem Jahr hatten Baumgart und Schonlau noch gegen den HSV zusammen auf der Seite der Paderborner gestanden. Die Hamburger gewannen am zweiten Spieltag bei den Ostwestfalen in einem spektakulären Spiel mit 4:3. Dem Paderborner Stil von Baumgart ist der SC auch unter Nachfolger Lukas Kwasniok treu geblieben. Er sagt aber auch: „Man sollte aufhören, immer alles zu vergleichen. Es ist nach dem Umbruch eine andere Situation.“

Dass es am Freitag auch ohne Baumgart wieder ein Spektakel geben könnte, hatte selbst SC-Sportchef Fabian Wohlgemuth im Abendblatt schon prognostiziert. „Es kann sein, dass wir wieder darauf zusteuern.“ Baumgart hätte als Fernsehzuschauer sicher nichts dagegen.

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