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Jonas Meffert: Wovon ein Kölscher Jung in Hamburg träumt

| Lesedauer: 6 Minuten
Henrik Jacobs
Jonas Meffert (27) wechselte zu Saisonbbeginn von Holstein Kiel nach Hamburg.

Jonas Meffert (27) wechselte zu Saisonbbeginn von Holstein Kiel nach Hamburg.

Foto: Valeria Witters

HSV-Profi Jonas Meffert kommt aus Köln. Nun trifft er auf den rheinischen Rivalen Düsseldorf. Ein Gespräch über Kölsch und Karneval.

Hamburg.  Er wurde in Köln geboren, wuchs in Rösrath bei Köln auf, er liebt die Stadt und den Karneval, er hört am liebsten die FC-Köln-Hymne der Höhner, zum Einstand beim HSV hat er „Viva Colonia“ gesungen. Jonas Meffert (27) ist ein echter Kölscher Jung. Am Sonnabend (20.30 Uhr) spielt der Mittelfeldmann mit dem HSV gegen Fortuna Düsseldorf. Zeit für ein Heimatgespräch.

Herr Meffert, kommen wir gleich zur Sache. Was ist Ihr Lieblingsbier?

Jonas Meffert: Natürlich Kölsch. Am liebsten ein kaltes Gaffel vom Fass.

Die Antwort haben wir erwartet. Wie schmeckt Ihnen das Düsseldorfer Alt-Bier?

Das habe ich tatsächlich noch nie probiert. Davon wurde mir immer abgeraten. Unter meinen Freunden in Köln ist das verboten (lacht).

Welche Beziehung haben Sie als Kölner denn zur Stadt Düsseldorf?

Man macht als Kölner natürlich immer mal Witze, aber ich habe letztlich nichts gegen Düsseldorf. Ich würde sogar sagen, dass die Stadt ganz schön ist. Ich war natürlich schon dort, so ist es nicht. Trotzdem bleibe ich mit meinen Freunden und meiner Familie aus der Heimat lieber in Köln und feiere auch dort lieber Karneval, wenn ich wieder zu Hause bin. Südstadt, Zülpicher Straße oder am Rhein.

Waren Sie als Kind auch FC-Köln-Fan?

Bei uns ist man automatisch für den FC. In meiner Familie gibt es riesige Köln-Fans. In meiner Jugend habe ich aber für Leverkusen gespielt. Da musste ich mich ein wenig umstellen. (schmunzelt)

Sie leben jetzt seit drei Jahren im Norden. Zunächst in Kiel, seit diesem Sommer beim HSV. Spürt man als Rheinländer den kulturellen Unterschied?

Der Norden hat mich sehr positiv überrascht. Ich war vorher eigentlich nie hier, habe lange im Süden gelebt. Mir wurde immer gesagt, dass die Leute hier verschlossener sein sollen. Das erlebe ich nicht so. Die Hamburger finde ich sehr nett und offen. Mich erinnert die Stadt unter anderem in diesem Punkt an Köln.

Sie sind beim TV Hoffnungsthal in Rösrath vor den Toren Kölns groß geworden und galten als hoffnungsvolles Talent. Warum hat sich der FC nicht gemeldet?

Es gab einen Scout bei Leverkusen, der bei uns im Kreis dafür zuständig war, Talente zum Probetraining einzuladen. Mein erster Trainer bei Bayer ist heute Mannschaftsarzt bei den Profis. Burak Yildirim. Der hat mir auch sehr geholfen in der Zeit, als ich verletzt war. Auch mein zweiter Trainer Slawomir Czar­niecki arbeitet noch im Nachwuchs bei Bayer. Mit ihm habe ich auch noch einen guten Kontakt. Im Nachhinein hätte ich damals auch beim FC mittrainieren können. Da war für mich aber schon klar, dass ich nach Leverkusen gehe.

Träumen Sie davon, irgendwann noch einmal für den FC zu spielen?

Ich glaube, davon hat jeder Kölsche Jung mal geträumt. Ich habe leider noch nie in dem Stadion gespielt. Bei Freiburg saß ich damals auf der Bank, mit Kiel war ich in der Relegation gesperrt. Da konnte ich auf der Tribüne zumindest innerlich die Hymne mitsingen. (lacht) Für mich wäre es einfach mal schön, in dem Stadion zu spielen. Gerne auch als Gegner.

Ist ein Spiel gegen Düsseldorf für Sie eine Zusatzmotivation?

Nein, das nicht. Ich habe gegen die Fortuna mein letztes Tor geschossen. Leider war es ein Eigentor. Das musste ich mir von meinen Kölner Freunden noch lange anhören (lacht). Mit Düsseldorf verbindet mich ansonsten nicht viel. Wir waren auch in der Jugend eher im rheinisch-bergischen Kreis unterwegs. Mit Leverkusen haben wir in der Jugend ab und an in Düsseldorf gespielt, echte Derbys waren es aber nur gegen den FC. Wir hatten immer auch Spieler in der Mannschaft, die aus Düsseldorf kamen.

Einer Ihrer Mitspieler in Leverkusen war Khaled Narey. Der spielt seit dieser Saison für Fortuna Düsseldorf.

Mit Khaled verstehe ich mich heute noch gut. Wir schreiben uns häufig. Wenn es meine Zeit zulässt, gucke ich auch seine Spiele. Mich freut es, dass es in Düsseldorf so gut für ihn läuft.

Er ist aktuell der Topscorer mit zwei Toren und sechs Vorlagen. Man sagt hier beim HSV, dass er vor allem ein sehr lustiger Mensch sei. Können Sie das bestätigen?

Das kann ich. Er lacht sehr gerne und sehr laut. Es macht immer Spaß, mit ihm Zeit zu verbringen, und ich freue mich auf das Wiedersehen am Sonnabend.

Wenn Sie Nareys Spiele schauen, können Sie Düsseldorf gut bewerten. Ist die Fortuna trotz Platz zwölf ein Aufstiegskandidat?

Für mich auf jeden Fall. Ich kenne den Trainer Christian Preußer noch aus meiner Zeit in Freiburg. Da habe ich in der Zweiten Mannschaft mal unter ihm gespielt. Er ist ein sehr guter Trainer. Die Mannschaft hat auch gute Einzelspieler. Mit Rouwen Hennings habe ich in Karlsruhe zusammengespielt. Er ist immer für 15 Saisontore gut. Wenn du so einen Stürmer hast, kannst du immer oben mitspielen.

Wer sind Ihre anderen Aufstiegskandidaten?

Die Mannschaften, die jetzt oben sind, stehen zu Recht dort. Schalke, Bremen und Düsseldorf werden auch noch um den Aufstieg mitspielen. Die sollte man nicht vergessen.

Und den HSV?

Klar sollte man uns auch nicht vergessen. Wir haben eine hohe Qualität im Kader und wachsen als Team immer mehr zusammen. Die anderen Mannschaften haben Re­spekt vor uns.

Aktuell steht St. Pauli an der Spitze. Trainer Timo Schultz hat gerade verraten, dass es am Abend vor den Spielen eine Bierrunde gibt und auch nach Siegen eine Kiste in der Kabine steht. Wie sieht es beim HSV aus?

Bei uns gibt es nach Siegen natürlich auch Bier. Vielleicht gibt es demnächst ja auch mal ein Kölsch. (lacht)

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