HSV

Heimspiel unter 2G: Gelingt die Rückkehr zur Normalität?

| Lesedauer: 5 Minuten
Am Sonnabend sind Stehplätze im Volksparkstadion auch offiziell wieder erlaubt. Hier feiert der HSV seinen bislang einzigen Heimsieg gegen den SV Sandhausen.

Am Sonnabend sind Stehplätze im Volksparkstadion auch offiziell wieder erlaubt. Hier feiert der HSV seinen bislang einzigen Heimsieg gegen den SV Sandhausen.

Foto: imago images/Claus Bergmann

HSV-Partie gegen Düsseldorf am Sonnabend wird das größte Hamburger Zuschauerevent seit Corona. Einige Fragen sind noch offen.

Hamburg.  Plötzlich gab es im Volksparkstadion einen lauten Knall. Die Polizei war am Dienstagmittag in der HSV-Arena. Was war passiert? Im Rahmen eines Sicherheitstests führten die Beamten eine Sprengübung durch. Fünf Tage vor dem Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf am Sonnabend (20.30 Uhr) fand im Stadion eine große Sicherheitsbesprechung statt. Stadionchef Kurt Krägel, Polizei und Mitarbeiter des Ordnungsdienstes planten die Organisation des ersten 2-G-Heimspiels.

Erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie darf der Zweitligist wieder die gesamte Zuschauerkapazität des Stadions ausschöpfen. Dafür dürfen aber nur Geimpfte und Genesene am Sonnabend auf den Rängen dabei sein. „Wir freuen uns auf die Zuschauer. Uns tut das gut, und auch der Stadt tut das gut“, sagte Trainer Tim Walter.

Kann der HSV unter 2G zur Normalität zurückkehren?

Bis Dienstagmittag hatte der HSV rund 32.500 Karten verkauft. Damit ist schon jetzt klar, dass am Sonnabend das größte Hamburger Zuschauerevent seit Corona stattfindet. Der Club hofft auf bis zu 40.000 Zuschauer, was Einnahmen von rund 500.000 Euro bedeuten würde. Vor allem aber ist das Spiel die Rückkehr zur Normalität. In der Arena fallen am Sonnabend alle Regeln weg, die es zuletzt noch unter 3G-Bedingungen gegeben hatte.

Für Stadionchef Krägel und sein Team wird die Veranstaltung aber auch zur großen Herausforderung. Der schwierigste Part ist die Überprüfung der Impf- und Genesungsnachweise. Um die Einlassphase der Zuschauer und Zuschauerinnen zu beschleunigen, setzt der Club auf den 2G-Check außerhalb des Stadions.

140 Ordner, darunter 40 Freiwillige, werden nach Abendblatt-Informationen bereits auf den Hauptzufahrtswegen von den S-Bahnhöfen bis zum Stadion die Besucher auf die Echtheit ihrer Nachweise überprüfen. Ist der 2G-Nachweis erfolgt, bekommen die Fans ein Armbändchen mit dem Datum des Spieltags. Wer das Bändchen trägt, braucht bei der Karten- und Körperkon­trolle an den Stadioneingängen den Nachweis nicht mehr vorzulegen.

Mit 2G-Regel: Knifflige Einlasssituation

Dieser Vorgang ist auch eine Reaktion auf die Erfahrung des ersten Heimspiels unter 3G-Bedingungen gegen Dynamo Dresden, als der HSV die Geschwindigkeit der Kontrollen unterschätzte. Insgesamt werden gegen Düsseldorf 800 Ordner im Einsatz sein. Noch befindet sich der Club in der Klärungsphase darüber, ob genügend Dienstleister im Stadion arbeiten können, die die 2G-Anforderungen erfüllen. Auf der Südtribüne bleiben einige Blöcke noch geschlossen. Diese könnten nur dann geöffnet werden, wenn genügend geimpfte oder genesene Ordnerinnen und Ordner zur Verfügung stehen.

Für den Einlass hat der Club das Stadion in neun Sektoren unterteilt. In vier unterschiedlichen Zeitphasen müssen die Zuschauer ihren jeweiligen Einlassbereich passiert haben. Wer das Drehkreuz hinter sich gelassen hat, braucht keinen Mund-und-Nasen-Schutz mehr zu tragen. Es gelten die Regeln, die es vor der Corona-Pandemie gab. Es wird wieder Bier verkauft. Die Stehplätze wurden am Dienstag wieder zurückgebaut. Auch die Ultra-Gruppen wollen wieder zu großen Teilen dabei sein.

Für den HSV ist die Rückkehr zur Normalität auch ein Gradmesser, ob neben der Corona-Pandemie auch der dritte verpasste Wiederaufstieg in Folge bei den Fans Spuren hinterlassen hat. „Vielleicht sinkt auch das Interesse der Fans, das können wir aber noch nicht genau beziffern, weil wir lange ohne Zuschauer gespielt haben“, sagte Sportvorstand Jonas Boldt dazu kürzlich im Podcast „Kicker meets Dazn“.

Supporters organisieren ersten Sonderzug seit Corona

Für einen Schritt zurück zur Normalität sorgt indes auch der Supporters Club. Wie die größte Abteilung des HSV e. V. am Dienstag mitteilte, wird es beim Auswärtsspiel in Karlsruhe am 6. November erstmals seit Corona wieder einen Sonderzug geben. Unter der Federführung von Supporters-Vize Christian Bieberstein konnte die Fan-Organisation eine Genehmigung erwirken.

Der Sonderzug startet am Spieltag morgens um 9 Uhr in Hamburg-Harburg und kommt am nächsten Morgen nach einer Nachtfahrt um 7 Uhr wieder in Altona an. Wie viele Fans dabei sein dürfen, steht noch nicht fest. Klar ist aber, dass auch in diesem Fall die 2G-Regel gilt. Der Supporters Club steht dem Modell grundsätzlich positiv gegenüber.

Tim Walter: „Die Vorfreude steigt“

Beim ersten Heimspiel unter 2G-Bedingungen müssen alle Gäste im Stadion einen Nachweis erbringen. Lediglich in der Zone 1 gilt auch weiterhin das 3G-Modell: im Bereich der Mannschaften. Für Spieler, Trainer und alle Mitarbeitenden rund um die Teams gibt es keine Impfpflicht, um in den Innenraum zu gelangen.

Zwar ist der Großteil aller Profis, auch beim HSV, gegen Covid-19 geimpft. Das von der Deutschen Fußball Liga entwickelte Hygienekonzept gilt aber weiterhin. Spieler und Trainer müssen also nach wie vor mehrmals pro Woche durch einen PCR-Test auf das Coronavirus überprüft werden.

Für alle anderen Stadiongäste gibt es ab sofort bei den Heimspielen keine Einschränkungen mehr. „Die Vorfreude steigt“, sagt Trainer Tim Walter in der Hoffnung, dass die Stimmung auch nach dem Schlusspfiff so gut sein wird wie die Vorfreude.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: HSV