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Glücklicher Punkt in Aue: Ist das die neue Realität?

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HSV-Stürmer Robert Glatzel (l.) freut sich über das Eigentor von Aues Dirk Carlson (2.v.l.) in der vierten Minute der Nachspielzeit.

HSV-Stürmer Robert Glatzel (l.) freut sich über das Eigentor von Aues Dirk Carlson (2.v.l.) in der vierten Minute der Nachspielzeit.

Foto: Imago / Kruczynski

Dem HSV fehlt es an Qualität und Kreativität – das wurde nicht erst in Aue deutlich. Doch es gibt einen Hoffnungsträger.

Aue/Hamburg. Nach einer 19-stündigen Reise und einem mageren 1:1 bei Erzgebirge Aue trafen die beiden Mannschaftsbusse des HSV in den frühen Morgenstunden am Sonnabend wieder in Hamburg ein. Für die Spieler stand direkt eine Joggingeinheit durch den Volkspark auf dem Programm. Danach durften sich alle Akteure ins freie Wochenende verabschieden, um etwas Schlaf nachzuholen, aber auch um über die eigene, teilweise dürftige Leistung in Aue nachzudenken.

Auch die Verantwortlichen des HSV werden sich ihre Gedanken über das Freitagabendspiel beim Tabellenletzten machen. Über 90 Minuten fanden die fast 30 Minuten in Überzahl spielenden Hanseaten keine Mittel gegen die kampfbetonte und zerstörende Spielweise der Gastgeber aus dem Erzgebirge. Ein Problem, das aus den vergangenen Jahren bekannt ist und das der Club Sommer für Sommer mit einem neuen Umbruch bekämpfen will.

1:1 in Aue: Ist das die neue HSV-Realität?

Doch nach neun Spieltagen muss sich das Management um Sportvorstand Jonas Boldt und Michael Mutzel, die das ernüchternde Aue-Spiel von der Tribüne aus verfolgten, die Frage stellen, ob die Qualität im Kader ausreicht für die eigens gesteckten, ambitionierten Ziele um den Aufstieg mitzuspielen. Ist der HSV möglicherweise bereits in der grauen Tabellenzone der Zweiten Liga angekommen? Ist es die neue Realität, sich über einen glücklichen Punkt beim Tabellenletzten zu freuen?

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HSV-Trainer Tim Walter hält dagegen und hofft, dass der Auftritt im Erzgebirge nur ein Ausrutscher war. „Heute haben wir scheiße gespielt, das muss man so sagen. Trotzdem haben wir uns diesen Punkt verdient, weil wir nie aufgehört haben – und das muss unser Weg sein“, sagte er und bat einmal mehr um den Faktor Geduld. „Unsere Entwicklung dauert an. Wenn wir am 9. Spieltag schon am Ende unserer Entwicklung wären, dann könnten wir jetzt das Buch zumachen.“

Dreht sich also noch alles zum Guten beim HSV? Walter kündigte unmittelbar nach der Partie in Aue eine intensive Analyse an, wie es dazu kommen konnte, dass seine Mannschaft kaum eine seiner Vorgaben umsetzte. „Wir haben viele Dinge nicht so gut gemacht wie in den vergangenen Wochen. Wir waren nicht zielstrebig, sehr, sehr pomadig, haben mit wenig Tempo agiert und nicht ins Spiel gefunden“, klagte der Coach, der das 1:1 aber auch nicht überbewerten will. „Solche Tage hat man einfach, dass gar nichts zusammenläuft.“

HSV fehlt es an Qualität und Kreativität

Die Frage ist nur: Wie viele solcher Tage werden im Laufe dieser Saison noch folgen? Nach einem Viertel der Saison zeigt sich, dass der HSV zwar bemüht ist, offensiven und attraktiven Fußball zu spielen. Doch zugleich wird deutlich, dass die Hamburger mit ihrem Kader längst nicht mehr die Übermacht der vergangenen Zweitligajahre sind. Finanziell zahlten sich die Abgänge von Topverdiener Aaron Hunt (vereinslos), Jeremy Dudziak (750.000 Euro / Fürth) und Amadou Onana (sieben Millionen / Lille) zwar aus. Doch sportlich konnte der HSV alle drei Kreativspieler nicht adäquat ersetzen.

Im Mittelfeldzentrum auf der Acht hat der HSV weiterhin die größten Probleme. Aktuell kommen dort Defensiv-Allrounder Moritz Heyer und David Kinsombi zum Einsatz. Von der Bank bringt Walter vorzugsweise die Talente Ludovit Reis (21) und Anssi Suhonen (20). Andere Mannschaften in der Liga sind auf dieser Position besser besetzt.

Pikanter Vorfall in Aue:

Löst Tommy Doyle das HSV-Problem?

Als Hoffnungsträger, um das Kreativvakuum zu füllen, könnte sich Neuzugang Tommy Doyle erweisen. Der 19 Jahre englische U-21-Nationalspieler deutete sein Potenzial bei seinem ersten Kurzeinsatz in Aue an, als er in der 87. Minute eingewechselt wurde und mit seinem Chipball an die Latte das späte Eigentor zum Ausgleich forcierte.

„Was er mit dem Ball kann und dass er einen überragenden Fuß hat, haben wir heute gesehen“, lobte Walter am Freitag. „Ich beglückwünsche den HSV, dass wir so einen Transfer getätigt haben. Trotzdem braucht er noch Zeit, er muss noch viel lernen.“ Eine Aussage, die auf den gesamten HSV zutrifft.

Die Statistik

  • Erzgebirge Aue: Männel – Carlson, Gonther, Bussmann, Barylla – Strauß (92. Majetschak), Fandrich – Zolinski (78. Sijaric), Messeguem, Jonjic (86. Kühn) – Gueye (78. Mance).
  • HSV: Heuer Fernandes – Gyamerah, David, Schonlau, Leibold (75. Muheim) – Heyer (46. Reis), Meffert, Kinsombi (58. Suhonen) – Kittel (87. Doyle) – Wintzheimer (46. Jatta), Glatzel. Tore: 1:0 Jonjic (23.), 1:1 Carlson (90.+4/Eigentor).
  • Schiedsrichter: Koslowski (Berlin).
  • Zuschauer: 7.750.
  • Rote Karte: Messeguem (69., Aue) wegen groben Foulspiels.
  • Gelbe Karten: Fandrich, Hensel, Zolinski / Wintzheimer, Kittel, Suhonen.

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