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HSV-Sportchef lobt Widerstandsfähigkeit der Mannschaft

| Lesedauer: 8 Minuten
Alexander Berthold
Michael Mutzel (M.) und Tim Walter (l.) sehen den HSV auf einem guten Weg, auch wenn die Tabelle derzeit eher nach Mittelmaß aussieht.

Michael Mutzel (M.) und Tim Walter (l.) sehen den HSV auf einem guten Weg, auch wenn die Tabelle derzeit eher nach Mittelmaß aussieht.

Foto: Witters

Nach dem 2:2 gegen den 1.FC Nürnberg kritisierte Michael Mutzel dagegen die Schiedsrichter-Leistungen in dieser Saison.

Hamburg. Am Tag nach dem 2:2 des Hamburger SV gegen den 1. FC Nürnberg hatte Michael Mutzel trotzdem etwas zu Feiern. Der Sportdirektor wurde am Montag 44 Jahre alt. Am Morgen gab es ein Ständchen von den Kindern und einen selbstgebackenen Kuchen seiner Tochter.

Auch deshalb war die Laune nach dem verpassten Heimsieg des HSV gegen die Franken gar nicht so schlecht. "Ich finde, dass es ein guter Auftritt war. Wir hatten eine gute Kontrolle über das Spiel, trotzdem mussten wir auf die Nürnberger Konter aufpassen. Das machen wir besser, wir bieten dem Gegner nicht mehr so viel an. Wie das ganze Stadion auch, hatte ich das Gefühl, dass wir noch das dritte Tor schießen", blickte Mutzel zurück.

Elfmeter gegen HSV ärgert Mutzel

Für viel Diskussionsstoff sorgte auch zu Wochenbeginn der von Startelf-Debütant Mario Vuskovic an Nicola Dovedan verursachte Foulelfmeter, der erst nach Videobeweis von Schiedsrichter Felix Zwayer gepfiffen wurde. "Ich finde, dass es keine Entscheidung ist, bei der der Videoschiedsrichter eingreifen muss. Es war keine klare Fehlentscheidung, das Spiel zunächst weiterlaufen zu lassen", sagte Mutzel und fügte an: "Die Zweikampfszene ist unglücklich. Erst schubst ihn Dovedan, dann gehen die Arme ein wenig raus, was im Sechzehner ganz normal ist. Dovedan nutzt das, und lässt sich fallen."

HSV: Mutzels Wunsch an den VAR

Ohnehin ist der HSV-Sportdirektor mit der Leistung der Unparteiischen in dieser Saison unglücklich. Vor allem die Tatsache, wann der Videoschiedsrichter eingreift und wann nicht, nervt Mutzel gewaltig. "Das ist grundsätzlich ein Problem. Ich habe gestern die Zusammenfassung von Hannover gegen Sandhausen gesehen, wo ein klarer Elfer nicht gegeben wird, und der Videoschiedsrichter nicht eingreift. Wir hatten das auch gegen Pauli (Jatta hatte einen klaren Foulelfmeter nicht bekommen. Anm. Red). Mir fehlt da ein wenig die Linie", so Mutzel.

Zumal vor dem zwischenzeitlichen Gegentreffer zum 1:2 in Mutzels Augen ein klares Foul gegen HSV-Linksverteidiger Tim Leibold vorlag."Wenn das erste ein Foul war, war das auch ein Foul, als der Gegenspieler mit dem Ellenbogen in Tim Leibold springt. So kommt er zu langsam wieder in seine Position, das ist auch ein Foul, das wurde aber nicht geprüft. Wir waren gestern nicht begünstigt bei den Schiedsrichtern", haderte der Sportdirektor.

Mutzel lobt Widerstandsfähigkeit des HSV

So sehr ihn die Leistung der Unparteiischen ärgerte, so zufrieden ist er mit der grundsätzlichen Entwicklung der Hamburger. Auch wenn der Sprung auf Platz drei nicht gelang, sieht Mutzel den HSV auf einem guten Weg. Vor allem die Widerstandsfähigkeit nach Rückschlägen durch Gegentore oder Schiedsrichterentscheidungen gefällt ihm. "Unsere Mannschaft zeichnet im Moment aus, dass sie unbedingt gewinnen will, dass wir alles dafür tun. Leider hat es nicht geklappt, werte das Spiel aber total positiv. Die Art, wie wir auftreten, stimmt mich zuversichtlich."

Dabei sind Aufwand und Ertrag in dieser Saison noch nicht im Einklang. Zur ganzen Wahrheit gehört auch, dass der HSV nach acht absolvierten Spielen noch immer keine Partie hatte, die er komplett souverän heruntergespielt hat. Bei den Siegen bei Schalke 04 (3:1) und Werder Bremen (2:0) profitierten die Hamburger von einem überragenden Torhüter Daniel Heuer Fernandes (27) und dem Unvermögen der Gegner im Abschluss und beim einzigen Heimsieg gegen Sandhausen fiel der Siegtreffer erst in der 96. Minute. "Da hatten wir das Spielglück, dass uns sonst ein wenig fehlt. Wir sind gefühlt noch am Saisonanfang und gewisse Dinge müssen sich noch finden. Ich hoffe, dass wir die Stabilität im Verlauf der Saison haben werden", erklärte Mutzel.

HSV-Zeugnis: Viel Aufwand, zu wenig Ertrag

Mit 13 Punkten rangiert der HSV nur auf Rang sieben. Angesichts des Etats und der Zweitligaerfahrung zu wenig. "Wenn man das nüchtern betrachtet, ist das so. Ich finde, dass wir hätten mehr Zähler haben können, gerade in den Partien, die unentschieden ausgegangen sind, wo wir vielleicht einen Sieg verdient gehabt hätten. Aber das ist ein Lernprozess, wir kriegen es hart aufs Brot geschmiert, dass wenn wir zwei Fehler machen, zwei Tore kassieren", analysierte Mutzel.

Immerhin: Die Abstände in der Zweiten Liga sind noch so gering, sodass die Aufstiegsränge nicht in weiter Ferne sind. Und doch - das weiß auch Mutzel - muss der HSV konstanter darin werden, einen Weg zu finden, Spiele zu gewinnen. Zu Saisonbeginn hatte der HSV gerade in den Auswärtsspielen schwierige Gegner, nun kommt am Freitag mit Erzgebirge Aue ein schwer angeschlagener Abstiegskandidat. "Pflichtsiege gibt es in die Liga fast nicht mehr. Wir fahren da hin, um zu gewinnen. Da gibt es keine zwei Meinungen", sagte Mutzel.

HSV-Torjäger Glatzel findet Form dank Einzelanalysen

Da passt es gut ins Bild, dass Torjäger Robert Glatzel (27) so langsam aber sicher beim HSV angekommen ist Sein Doppelpack gegen Nürnberg waren bereits die Saisontreffer vier und fünf. Durch eine Corona-Erkrankung zu Beginn der Vorbereitung brauchte der Neuzugang von Cardiff City etwas Zeit, um in Schwung zu kommen. Zuletzt hatte das Trainerteam mit Chefcoach Walter sowie den Assistenten Merlin Polzin und Filip Tapalovic Einzelanalysen mit dem Torjäger gemacht, um ihm mehr Lösungsansätze im Angriffsspiel mit an die Hand zu geben.

Zu Saisonbeginn hatte sich der spielstarke Stürmer zu häufig ins Mittelfeld fallen lassen, um Bälle festzumachen und zu verteilen. Deshalb fehlte er dann wiederum im Strafraum bei Hereingaben und Pässen. Inzwischen findet Glatzel deutlich mehr die Balance zwischen mitspielen und im Strafraum lauern. "Es gab ein paar kritischere Stimmen, weil er nicht so getroffen hat. Vor seinem Wechsel hat er nicht so häufig gespielt, kommt zu einem neuen Verein. Jetzt spielt er regelmäßiger, alles wird selbstverständlicher. Wir arbeiten viel mit ihm, wo er hinlaufen muss. Die Tore sind der Lohn fürs erste Viertel der Saison. Er ist fleißig, nimmt die Dinge an und trifft jetzt. Ich hoffe, dass es so weitergeht", sagte Mutzel.

HSV fordert Geduld mit Talent Doyle

Geduld ist auch das Stichwort bei einem Mann, den die Fans gerne endlich mal auf dem Platz sehen würden. Bislang hat der von Manchester City ausgeliehene Mittelfeldspieler Tommy Doyle (19) keine Sekunde gespielt. Offenbar hat der Engländer die Spielidee von Trainer Tim Walter noch nicht komplett verinnerlicht. "Tim fordert viel von den Spielern. Mit dem Ball, aber auch gegen den Ball. Er kam am letzten Tag der Transferperiode. Die Gegenpressing-Momente sind für ihn noch neu, aber wir sind völlig entspannt. Er deutet an, warum er bei Manchester City einen Vertrag bekommen hat", sagte Mutzel. Auch bei Jonas David (20), so sagte Mutzel, habe es ein wenig gedauert, bis er im Profifußball angekommen ist. Mittlerweile ist das Eigengewächs unumstrittener Stammspieler in der Innenverteidigung.

HSV testet in Wolfsburg

Unterdessen wird der HSV in der Länderspielpause ein Testspiel beim Bundesligisten VfL Wolfsburg absolvieren. Die Partie soll am 6. Oktober, um 13 Uhr in der Volkswagen-Stadt angepfiffen werden. Zuschauer werden dabei nicht zugelassen, allerdings soll es einen Livestream für die Fans geben.

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