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Nach 2:0 in Bremen: Der HSV kann ja doch Derby

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Alexander Berthold
Emotionen pur: Robert Glatzel und David Kinsombi feiern das 1:0 gegen Werder Bremen. Der HSV hat endlich in einem Derby den Kampf angenommen.

Emotionen pur: Robert Glatzel und David Kinsombi feiern das 1:0 gegen Werder Bremen. Der HSV hat endlich in einem Derby den Kampf angenommen.

Foto: Witters

Die Fans hatten in den vergangenen Jahren wenig Freude an Duellen mit Werder und St. Pauli. Nun der Prestigeerfolg.

Hamburg. Wer glaubte, dass beim HSV rund um das Volksparkstadion am Sonntagmorgen Ekstase pur herrschte, der wurde ein wenig enttäuscht. Elf Reporter, zwei Kamerateams und zehn Zuschauer, das war der Empfang nach dem emotionalen 2:0-Sieg im Nordderby bei Werder Bremen.

Während die Stammspieler eine regenerative Einheit im Kraftraum absolvierten, standen die Profis, die wenig oder gar nicht zum Einsatz kamen, beim Spielersatztraining auf dem Rasen. Business as usual nach einer denkwürdigen Partie, die allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben wird.

"Es fühlt sich irgendwie heute noch schöner an als gestern Abend. Wir haben über 90 Minuten eine richtig gute Partie abgeliefert. Hintenraus hatten wir ein wenig Glück, dass wir keinen Gegentreffer gefressen haben, aber es war ein verdienter Sieg. Ich glaube, Werder hätte noch fünf Stunden spielen können und hätte nicht getroffen", bilanzierte Vizekapitän Tim Leibold.

HSV nahm von Beginn an den Kampf gegen Werder an

Endlich konnten die HSV-Fans mal wieder genießen, schließlich waren sie in den vergangenen Jahren alles andere als verwöhnt, was Derbysiege angeht. Gegen Werder Bremen gelang – auch wegen der unterschiedlichen Ligazugehörigkeit – der letzte Sieg 2015, und gegen den Stadtrivalen FC St. Pauli gab es zuletzt fünf Spiele ohne Sieg. Nun der emotionale Befreiungsschlag im Weserstadion.

Vor allem die Art und Weise, wie die Mannschaft von Trainer Tim Walter auftrat, beeindruckte. In der ersten Hälfte spielten die Hamburger mit dem personell überragend aufgestellten Bundesliga-Absteiger Katz und Maus. "Jeder hat die Eier, von hinten herauszuspielen und auch mal ins Dribbling zu gehen. Dass es ein gewisses Risiko mit sich bringt, hat man in der zweiten Halbzeit gesehen, wenn man mal die Kugel verliert", sagte Leibold.

HSV-Spieler feiern im Mannschaftsbus den Derbysieg

Auch wenn in der zweiten Hälfte die Spielkontrolle abhanden kam, kompensierte der HSV das mit unbändigem Willen und Leidenschaft. Attribute, die bei den vergangenen Derbyauftritten häufig fehlten. "Wir sind glücklich und stolz. Es war über 90 Minuten ein hitziges Nordderby. Wenn man in der dritten Minute in Führung geht, hilft das natürlich ungemein. Wir haben mit sehr viel Mut und Selbstvertrauen gespielt", sagt Leibold.

Die Party, die im Spielerkreis auf dem Rasen begann und vor der Fankurve ihren vorläufigen Höhepunkt fand, ging anschließend auf der kurzen Rückfahrt nach Hamburg im Mannschaftsbus weiter. "So einen Sieg im Nordderby darf man ja auch gebührend feiern. Es gab einen Kasten Bier und die Musik war auch ganz okay", plauderte Leibold aus dem Nähkästchen.

Droht Derbyheld Moritz Heyer eine Pause?

Das Walter-Team hatte sich das nötige Spielglück aber verdient, das bei der Vielzahl an hochkarätigen Chancen der Bremer auch nötig war. "Es ist einfach ein geiles Gefühl. Wir wollten das Derby unbedingt gewinnen. Wir wussten, was das Spiel auch für die Fans bedeutet. Wir haben alles reingeschmissen, natürlich auch den einen oder anderen Fehler gemacht, aber die Leidenschaft haben alle auf den Platz gebracht und alles bis zur 96. Minute gegeben. Deshalb haben wir uns den Sieg auch verdient", erklärte Rechtsverteidiger Jan Gyamerah.

Eine wesentliche Rolle beim zweiten Auswärtssieg der Saison spielte einmal mehr Moritz Heyer. Der Defensivallrounder brillierte mit einem Tor und einer Vorlage. Mit fünf Torbeteiligungen ist der 24-Jährige der Topscorer des HSV. In der Schlussphase musste die personifizierte "Lebensversicherung" der Hamburger verletzungsbedingt ausgewechselt werden.

Während die Handverletzung am Sonntag noch etwas Sorgen bereitete, scheint die Muskelverletzung am hinteren Oberschenkel nicht so schlimm zu sein. Sein Einsatz gegen den 1. FC Nürnberg am kommenden Sonntag soll nicht in Gefahr sein.

Leibold adelt HSV-Keeper Heuer Fernandes

Neben Heyer glänzte in Bremen vor allem ein weiterer Profi im Weserstadion. Der "positiv verrückte" Torhüter Daniel Heuer Fernandes (Zitat: Tim Walter) stand vor allem in der Schlussphase im Blickpunkt und strahlte dabei extrem viel Ruhe und Sicherheit aus.

Der Deutschportugiese, der mit einem gebrochenen Zeh spielt, knüpfte nahtlos an die starken Leistungen der vergangenen Wochen an. "Daniel hatte ein sehr gutes erstes Jahr beim HSV, hat dann letzte Saison Sven Ulreich vor die Nase gesetzt bekommen, was für ihn nicht so schön war, aber wir wissen, was wir an ihm haben. Er ist ein überragender Fußballer. Daniel passt wie die Faust aufs Auge zur Spielweise, die der Trainer sehen will", schwärmte Linksverteidiger Leibold und ergänzt. "Wenn er dann noch die Bälle von der Linie kratzt, ist es überragend. Jede Mannschaft wünscht sich so einen Torhüter."

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