Corona-Regeln Sport

„2G“ auch für FC St. Pauli und den HSV eine Option

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Beim Derby durften 10.003 Fans ins Millerntor-Stadion.

Beim Derby durften 10.003 Fans ins Millerntor-Stadion.

Foto: imago images/Nordphoto

Pläne fürs Millerntor-Stadion mit 15.000 Zuschauern – Partie der Walter-Elf gegen Darmstadt vor 17.950 Fans.

Hamburg. Am 1. August machten 17.100 HSV-Fans mächtig Stimmung beim ersten Heimspiel der Saison im Volksparkstadion gegen Dynamo Dresden. Es war die größte Kulisse in Hamburg seit Beginn der Pandemie im vergangenen Jahr. Doch der Club wollte mehr, stellte vor einer Woche einen Antrag, am Sonntag gegen den SV Darmstadt 98 (13.30 Uhr) vor 25.000 Zuschauern spielen zu dürfen.

Doch daraus wird nichts. In Abstimmung mit dem Gesundheitsamt genehmigte die Innenbehörde nur eine kleine Erhöhung auf 17.950 Zuschauer, darunter 850 Gästefans. Angesichts steigender Infektionszahlen könne man derzeit nicht mehr Fans zulassen, lautete die Begründung.

FC St. Pauli und HSV: Arbeit an Corona-Konzepten

Doch das Thema Zuschauerzulassung in Fußballstadien ist damit längst nicht beendet. Auch nicht beim Stadtrivalen. Beim Derby zwischen dem FC St. Pauli und dem HSV am vergangenen Freitagabend durften 10.003 Zuschauer (inklusive 700 HSV-Fans) ins Millerntor-Stadion. Einen Antrag auf eine Erhöhung der Kapazität hat der Club zwar noch nicht gestellt, aber nach Abendblatt-Informationen beschäftigt man sich auch bei St. Pauli – in Abstimmung mit den Behörden – intensiv mit Konzepten, wie deutlich mehr Fans ins Stadion gelassen werden können. Intern ist die Rede von knapp 15.000 Zuschauern.

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Eine große Rolle könnte auch im Fußball die „2G“-Regelung spielen. St. Paulis Präsident Oke Göttlich hat vor einigen Tagen in der „Süddeutschen Zeitung“ bestätigt: „Wir müssen uns mit so einem Modell beschäftigen, weil wir glauben, dass das die Chance erhöht, die Stadien wieder vollzubekommen.“

Um eine Aufstockung auf 25.000 Zuschauer zu ermöglichen, ist man offenbar auch beim HSV grundsätzlich bereit, nur noch Geimpfte und Genesene ins Stadion zu lassen, Getestete nur noch in Ausnahmefällen. Mit dem 1. FC Köln und Borussia Dortmund (ließ gegen Frankfurt nur 1000 Getestete ins Stadion) praktizieren bereits zwei Bundesligaclubs die 2G-Variante.

Großer wirtschaftlicher Druck

Klar scheint: Der wirtschaftliche Druck beim HSV und dem FC St. Pauli, möglichst bald mit mehr Fans in den Arenen planen zu dürfen, dürfte „2G“ weiter Vorschub leisten. Bei den derzeit erlaubten Fanzahlen wäre ein negatives Ergebnis im aktuellen Geschäftsjahr kaum zu vermeiden.

Doch dafür müsste erst die Verordnung signifikant geändert werden. Bisher galt in Hamburg: Sowohl der FC St. Pauli als auch der HSV durften ihr Stadion mit rund 30 Prozent auslasten. Bei der Bund-Länder-Konferenz am 10. August wurde jedoch prinzipiell beschlossen, dass eine Auslastung von 50 Prozent der Stadionkapazität möglich ist, jedoch nicht mehr als 25.000 Zuschauer für den Fall, dass das Fassungsvermögen bei mehr als 50.000 Plätzen liegt – wie beim HSV.

Mit der Größenordnung 25.000 Zuschauer braucht sich St. Pauli bei einer Kapazität von 29.546 Plätzen zunächst nicht auseinanderzusetzen. Neben der bisher von der Behörde angeordneten Sitzplatzverteilung im Schachbrettmuster (jeder zweite Sitz bleibt frei) weist St. Pauli auch 16.940 Stehplätze aus – mehr haben im Profifußball nur Borussia Dortmund und Union Berlin.

Die aktuellen Corona-Fallzahlen aus ganz Norddeutschland:

  • Hamburg: 740 neue Corona-Fälle (gesamt seit Pandemie-Beginn: 115.251), 207 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (davon auf Intensivstationen: 67), 1892 Todesfälle (+4). Sieben-Tage-Wert: 248,3 (Stand: Mittwoch)
  • Schleswig-Holstein: 907 neue Corona-Fälle (97.283), 207 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 58). 1800 Todesfälle (+4). Sieben-Tage-Wert: 1527; Hospitalisierungsinzidenz: 4,05 (Stand: Dienstag).
  • Niedersachsen: 3066 neue Corona-Fälle (378.234), 220 Covid-19-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung in Krankenhäusern, 6373 Todesfälle (+27). Sieben-Tage-Wert: 207; Hospitalisierungsinzidenz: 7,3 (Stand: Mittwoch).
  • Mecklenburg-Vorpommern: 1539 neue Corona-Fälle (73.687), 386 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 96), 1337 (+2) Todesfälle, Sieben-Tage-Wert: 417,7; Hospitalisierungsinzidenz: 8,3 (Stand: Mittwoch).
  • Bremen: 280 neue Corona-Fälle (40.105), 75 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 30), 547 Todesfälle (+1). Sieben-Tage-Wert Stadt Bremen: 227,5; Bremerhaven: 230,7; Hospitalisierungsinzidenz Bremen: 5,12, Bremerhaven: 9,69 (Stand: Mittwoch; Bremen gibt die Inzidenzwerte getrennt nach beiden Städten an).

Wie dieser Bereich während der Pandemie effektiver zu nutzen ist – auch darüber macht man sich bei St. Pauli intensiv Gedanken. Wie übrigens auch über „2G+“ – dann müssten sich auch Geimpfte vorher testen lassen. Hauptsache, die Fans dürfen bald in Massen ins Stadion.

Zweitligist SV Sandhausen hat Offensivspieler Christian Conteh vom niederländischen Erstligaclub Feyenoord Rotterdam bis zum Saisonende ausgeliehen. Mit dem 21 Jahre alten ehemaligen Profi des FC St. Pauli habe man „einen jungen, dynamischen Spieler“ verpflichtet, „der beide offensiven Außenbahnen besetzen kann“, sagte Trainer Stefan Kulovits.

( jal/lx )

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