Uwe Seeler trauert

"Echter Spaßvogel": HSV-Idol nimmt Abschied von Gerd Müller

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Alexander Laux
Mexiko 1970: Gerd Müller (l.) und HSV-Ikone Uwe Seeler jubeln über den Einzug ins WM-Halbfinale.

Mexiko 1970: Gerd Müller (l.) und HSV-Ikone Uwe Seeler jubeln über den Einzug ins WM-Halbfinale.

Foto: Hans-Dietrich Kaiser / WITTERS

Uwe Seeler erinnert sich an eine Epoche, in der die Nationalmannschaft noch über zwei Weltklasse-Mittelstürmer verfügte.

Hamburg. Zwei Tage nach dem Tod von Gerd Müller ergibt sich in Norderstedt die Gelegenheit, mit HSV-Idol Uwe Seeler zu sprechen, der in seiner Reha nach seiner Hüftoperation weiter gute Fortschritte macht. „Die Nachricht machte mich sehr traurig. Gerd war ein lebenslustiger Mensch, ein echter Spaßvogel. Aber wahrscheinlich war sein Tod für ihn eine Erlösung“, sagt der 84-Jährige ernst und fügt hinzu: „Ich hoffe, dass mir so ein Schicksal erspart bleibt, wenn es einmal so weit ist.“

Schnell werden während der Unterhaltung Erinnerungen wach an eine Epoche, in der die Fußball-Nationalmannschaft – anders als heute – über zwei Weltklasse-Mittelstürmer verfügte. Vor der WM 1970 reaktivierte der damalige Bundestrainer Helmut Schön „Uns Uwe“, was dem Bayern-Torjäger nicht sonderlich schmeckte. Nach einer 0:2-Testspielniederlage in Spanien gab Müller der Presse Futter für Negativ-Schlagzeilen: „Herr Schön muss sich entscheiden – Uwe Seeler oder ich!“

Uwe Seeler und Gerd Müller bei WM auf einem Zimmer

„Aber Helmut Schön hat den Konflikt gut moderiert und uns im WM-Mannschaftsquartier in Mexiko sogar auf ein Zimmer gelegt“, sagt Seeler rückblickend. „Der Bundestrainer hat mich als Halbstürmer postiert, was mir recht war. Und Gerd hat während unserer Aussprache sofort gemerkt, dass ich ihm nichts will, und damit allen den Wind aus den Segeln genommen. In den Spielen hat sich dann ja gezeigt, dass wir miteinander und nicht gegeneinander gespielt haben, wie das einige prophezeit hatten. Am Ende hatte Gerd sogar Spaß an dieser Variante mit uns beiden.“

Das Ende der Geschichte ist bekannt: Müller wurde mit zehn Treffern WM-Torschützenkönig, der trotz seiner damals 33 Jahre noch sehr laufstarke Seeler kam auf drei Treffer, inklusive des legendären Hinterkopftores gegen England im Viertelfinale.

HSV-Ikone Uwe Seeler erinnert an Gerd Müller

„Wir blieben auch danach in Kontakt, solange es ging“, sagt Seeler noch. Wie 2005, in dem Jahr, als der Uwe-Seeler-Fußball am Volksparkstadion eingeweiht wurde. Auch 2013, bei Müllers letztem öffentlichem Auftritt bei einer „Sport-Bild“-Veranstaltung in der Fischauktionshalle. „Aber da war es schon etwas kritisch bei Gerd.“ Zwei Jahre später wurde dann Müllers Alzheimer-Erkrankung öffentlich.

Wir verabschieden uns. Und zurück bleibt das Gefühl, wie gut wohl zwei so bodenständige Menschen wie Müller und Seeler dem deutschen Fußball damals getan haben. Und wie wichtig es auch für künftige Generationen wäre, diesen gelebten Mannschaftsgeist den heute üblichen Egotrips vorzuziehen.

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