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Was stellt der HSV mit den Onana-Millionen an?

| Lesedauer: 10 Minuten

Der Kader wird sich bis Ende August noch verändern – auch für ein Hamburger Talent gibt es offenbar einen hartnäckigen Interessenten.

Hamburg. Amadou Onana weg, mit Toni Leistner eine Führungsfigur außen vor, die Angreifer noch relativ glücklos – Gründe genug für den HSV, außer auf der Torhüterposition den Kader noch weiter verändern zu wollen? "Wenn wir glauben, dass wir die Mannschaft noch verstärken können, dann werden wir das tun", sagte Hamburgs Sportdirektor Michael Mutzel am Montag zu möglichen Bewegungen auf dem Transfermarkt.

Allerdings betonte Mutzel auch am Tag nach dem am Ende enttäuschenden 1:1 (1:0) gegen Aufsteiger Dresden, keine allzu große Not für weitere Wechsel zu sehen. "Wir fühlen uns eigentlich ganz wohl mit dem Kader, wie er im Moment ist", sagte der Manager. "Wir haben keinen Druck, weil wir auf fast allen Positionen Möglichkeiten haben zu wechseln."

Auch Leitwölfe könne er trotz Leistners Abwesenheit in der aktuellen Stammbesetzung zur Genüge erkennen und hob dabei Kapitän Sebastian Schonlau, Jonas Meffert und Tim Leibold hervor. "Ich habe auch das Gefühl, dass es relativ harmonisch ist im Kader. Der Mix zwischen Jung und Alt passt ganz gut", findet Mutzel, der dabei auch an die jeweils 21 Jahre alten Talente Ludovit Reis und Jonas David denkt.

HSV: Reis und David sollen vorweggehen

Jenes Duo solle nach Vorstellung der sportlichen Leitung ebenfalls mit vorangehen. "Jonas macht das schon sehr gut", sagte Mutzel über HSV-Eigengewächs David. "Er ist ein schlauer Kerl, der auch Verantwortung übernehmen will. Er ist einer, der da reinwachsen kann."

Sportlich wachsen müsse gleichwohl auch Reis weiterhin. "Er ist ein junger Spieler, der noch nicht fertig ist. Das muss man dann auch mal respektieren", sagte Mutzel über den Torschützen gegen Dresden. Der Mittelfeldspieler zeige "super Ansätze in beide Richtungen", allerdings habe er für Mutzels Empfinden gerade in der zweiten Halbzeit zu viele Fehler gemacht.

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Dies sah der Sportchef der Kombination von großem Ehrgeiz und aufkommender Müdigkeit geschuldet. "Er wollte dann auch ein bisschen was erzwingen. Dadurch wurde er fehlerhaft", so Mutzel über den Niederländer.

HSV ohne unzufriedende Profis im Kader

Den Stab brechen über den Neuzugang möchte er deshalb nicht. "Das sei ihm mal zugestanden", so Mutzel. Schließlich sei Reis als junger Spieler Leistungsschwankungen eher unterworfen als erfahrenere Kollegen. "Ich fand den Gesamtauftritt trotzdem erfrischend und mutig", schloss Mutzel über Reis, der nach 68 Minuten und damit unmittelbar nach Dresdens Ausgleichstreffer für Moritz Heyer hatte Platz machen müssen.

Und wer muss nun generell im Kader noch Platz machen für einen möglichen Neuzugang? Wenn es nach Mutzel geht, niemand – und auch von den Spielern selbst sei bislang keiner mit einem Wechselwunsch an ihn herangetreten. Den großen Spaß im Training und an der Art, wie Tim Walter spielen lasse, sehe er auch als gute Argumente an für einen Verbleib im Volkspark.

HSV: Der Stand bei Meffert, Leistner und der Torwartsuche

Leistner "muss sich halt wieder aufdrängen"

Das gelte auch für Toni Leistner. "Ein Spieler, der zwei Mal nicht spielt, muss ja nicht gleich wechseln", so Mutzel über den 30 Jahre alten Routinier, der sowohl auf Schalke als auch gegen Dresden auf der Bank schmorte. "Bei Innenverteidigern ist das immer etwas schwieriger", so Mutzel über den internen Zweikampf zwischen Leistner und Jungspund David. "Jonas hat das gut gemacht in der Vorbereitung und ihn dann auch verdrängt aus der Startelf."

Leistner sei aber erfahren genug und wisse, wie schnell er auch wieder in die erste Elf rutschen könne. "Ich sehe das gar nicht so dramatisch, weil es normal ist, dass man seinen Platz auch mal verliert, weil ein anderer das gut macht oder der Trainer eine andere Vorstellung hat", sagt Mutzel über Leistners derzeitige Nichtberücksichtigung. "Er geht gut damit um, gibt Gas und muss sich jetzt halt wieder aufdrängen."

HSV: Keine Garantie für Heuer Fernandes

Aufgedrängt im Tor hat sich längst Daniel Heuer Fernandes. Dennoch soll die neue, alte Nummer eins nach zwei überragenden bis soliden Auftritten einen weiteren Konkurrenten erhalten. "Grundsätzlich so schnell wie möglich" wolle der HSV einen neuen jungen Schlussmann präsentieren, sagte Mutzel am Montag: "Aber es ist kein Wunschkonzert."

Außerdem sei er froh darüber, mit Heuer Fernandes und Tom Mickel bereits zwei gute Torhüter zu haben und, dass "die Jungen hintendran es auch gut machen".

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Gleichwohl wollte Mutzel auch im Hinblick des noch angestrebten Transfers Heuer Fernandes keine Garantie für einen Stammplatz in Aussicht stellen. Er tue sich schwer damit, im Tor eine klare Hierarchie herzustellen. Das "Leistungsprinzip" gelte schließlich auch für Heuer Fernandes, der es bisher zwar gut gemacht habe: "Aber von vornherein zu sagen, er ist Nummer eins oder zwei, finde ich nicht richtig."

HSV nimmt Stürmer Glatzel in Schutz

Nichtsdestotrotz verspüre Mutzel in der T-Frage ebensowenig "Panik" wie im zweiten peripheren Mannschaftsteil, dem Angriff. Nach zwei Spieltagen steht erst ein Stürmertreffer zu Buche. Zum Vergleich: Hamburgs Ex-Torjäger Simon Terodde hat für Schalke auch schon wieder dreimal getroffen.

Vor allem bei Nachfolger Robert Glatzel will Mutzel aber noch Milde walten lassen. "Robert hat jetzt in zwei Spielen schon mal ein Tor geschossen", sagt Mutzel über den 27 Jahre alten Mittelstürmer, der im Auftaktspiel allerdings auch einen Elfmeter vergeben hatte.

"Mir ist wichtig, dass Robert die Chancen hat. Das hat er gegen Schalke gehabt, die hat er gestern gehabt." Glatzel trage außerdem die Hypothek seiner Corona-Erkrankung und dem damit verbundenen späteren Einstieg in die Vorbereitung. "Da muss man mit der Einschätzung vielleicht auch noch ein bisschen warten", findet Mutzel.

HSV: Onana-Millionen "nicht sofort investieren"

Gleiches gelte für Manuel Wintzheimer, der ebenfalls bereits viele Chancen gehabt habe. "Jetzt lassen wir mal nach zwei Spielen die Endabrechnung im Toreschießen noch hinten an", sagte Mutzel. "Wir haben viele Chancen. Wenn wir nächste Woche ein paar Tore machen, dann spricht keiner mehr über einen Stürmer, der mehr oder weniger trifft."

Bleibt also die Frage, in welchen Mannschaftsteil die zu erwartenden sieben Millionen Euro Ablöse von OSC Lille für Amadou Onana bis zum Ende der Sommertransferperiode am 31. August gesteckt werden sollen – und, ob überhaupt?

"Wir werden nicht sofort das Geld nehmen und investieren", sagte Mutzel am Montag über die Onana-Millionen. Schließlich fehlten nach anderthalb Spielzeiten ohne Zuschauereinnahmen auch an anderen Stellen die finanziellen Mittel.

HSV-Verkauf von Vagnoman wieder aktuell?

Nicht auszuschließen, dass der Verkauf weiteren Tafelsilbers Mutzels Entscheidung zu einer Reinvestition in Beine aber noch einmal deutlich erleichtern könnte.

Am Montag machte schließlich auch die Meldung über ein angebliches neu aufgekommenes Interesse des englischen Premier-League-Aufsteigers FC Brentford an Josha Vagnoman die Runde. Laut "Sky Sports UK" hat der Club aus London den rechten Außenverteidiger als Ersatz für den abgewanderten Dänen Henrik Dalsgaard ins Auge gefasst.

Zuletzt hatte Eigenwächs und U-21-Europameister Vagnoman allerdings durchblicken lassen, sich eine weitere Zukunft beim HSV vorstellen zu können. Brentford hatte schon vor zwei Jahren als möglicher neuer Club für Vagnoman gegolten.

HSV-Transfers: "In einer ganz guten Situation"

Gerüstet für eine mögliche Suche nach einem Vagnoman-Ersatz fühlt sich Mutzel allemal. "Wir haben ein super Scouting, sind überall unterwegs und haben viele Infos", sagt der HSV-Sportdirektor über die Sichtung potenzieller Neuzugänge.

Nicht auszuschließen, dass sich ein solcher auch auf der Bank eines deutschen Erstligisten befindet. "Das muss aber auch passen und uns klar besser machen", sagt Mutzel zu Gedankenspielen über einen unzufriedenen Bundesliga-Ersatzspieler.

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Auch den Start des Oberhauses will Mutzel "in aller Ruhe" abwarten. Auf dem Transfermarkt befinde sich der HSV "in einer ganz guten Situation", noch habe man drei, vier Wochen Zeit. "Wenn es Sinn macht, werden wir sicher noch etwas investieren. Aber wir fühlen uns eigentlich ganz gut aufgestellt."

HSV gegen Dynamo Dresden (1:1):

  • HSV: Heuer Fernandes – Gyamerah, David, Schonlau, Leibold – Meffert (60. Rohr) – Kinsombi, Reis (69. Heyer) – Wintzheimer (69. Kittel) – Jatta (79. Kaufmann), Glatzel.
  • Dresden: Broll – Schröter (74. Aidonis), Sollbauer, Knipping, Löwe (60. Akoto) – Stark, Herrmann, Kade (46. Mörschel) – Königsdörffer (71. Hosiner), Daferner, Borello (46. Vlachodimos).
  • Schiedsrichter: Martin Petersen (Stuttgart)
  • Tore: 1:0 Reis (5.), 1:1 Knipping (68.).
  • Gelbe Karten: Wintzheimer, Rohr, Leibold, Kaufmann – Daferner, Herrmann
  • Zuschauer: 17.100 (ausverkauft)
  • Torschüsse: 18:7
  • Ecken: 8:3
  • Ballbesitz: 61:39 %
  • Zweikämpfe: 117:99

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