Unentschieden in Regensburg

Nächster Nackenschlag: „Der HSV geht mir auf den Sack“

| Lesedauer: 7 Minuten

Die Hamburger können bei Jahn Regensburg St. Paulis Steilvorlage im Aufstiegskampf nicht nutzen. Für Ärger sorgt eine VAR-Entscheidung.

Regensburg/Hamburg. Der HSV droht die Bundesliga aus den Augen zu verlieren. Drei Tage nach der ernüchternden 1:2-Niederlage beim SV Sandhausen mussten sich die Hamburger bei Jahn Regensburg mit einem 1:1-Unentschieden (0:1) zufriedengeben und verpassten es so, bis auf einen Punkt zum Tabellenzweiten Greuther Fürth aufzuschließen. Der verlor gleichzeitig beim FC St. Pauli mit 1:2. Doch die Steilvorlage des Lokalrivalen blieb weitgehend ungenutzt.

„Die zweite Halbzeit war sehr stark von uns. Mit ein bisschen Glück gehen wir hier als Sieger vom Platz. Aber aufgrund der ersten Halbzeit ist das Ergebnis wohl okay“, sagte HSV-Kapitän Tim Leibold bei Sky. Tatsache ist: Der HSV ist nun seit vier Spielen sieglos liegt in der Rückrundentabelle nur auf Platz 13.

„Es tut mir sehr leid für meine Mannschaft. Sie hat heute gezeigt, dass sie lebt“, sagte Trainer Daniel Thioune bei Sky. Ein später Sieg wäre „sicher nicht unverdient gewesen“. Den letzten Eindruck gelte es in den verbleibenden vier Spielen zu bestätigen.

Erik Meijer vom HSV nur noch genervt

Die mutmaßliche Stimmungslage bei den Fans fasste der frühere Hamburger Stürmer Erik Meijer zusammen, der inzwischen als Sky-Experte tätig ist: „Ich muss ehrlich sagen: Der HSV geht mir auf den Sack.“

Es sei Jahr für Jahr ein Kampf und ein Krampf mit diesem Verein. Er habe immer mit Leidenschaft und Herzblut für diesen Verein gespielt. „Das jetzt zu sehen, tut einfach weh.“

Tabellenspitze 2. Bundesliga
1. FC Schalke 04 34 / 72:44 / 65
2. Werder Bremen 34 / 65:43 / 63
3. HSV 34 / 67:35 / 60
4. Darmstadt 98 34 / 71:46 / 60
5. FC St. Pauli 34 / 61:46 / 57

HSV-Trainer Thioune ändert Startelf auf drei Positionen

Thioune musste wie befürchtet auf Bakery Jatta verzichten. Der Flügelstürmer hatte in Sandhausen einen scharf geschossenen Ball aus kurzer Distanz an den Kopf bekommen, war kurzzeitig bewusstlos und musste ausgewechselt werden. Er zog sich eine leichte Gehirnerschütterung zu. Trainer Daniel Thioune wechselte allerdings auch in zwei anderen Mannschaftsteilen.

  • Im Angriff nahm Manuel Wintzheimer, in Sandhausen nach seiner Einwechslung der einzige Hamburger Lichtblick, Jattas Startplatz ein.
  • Im Mittelfeld rückte Spielmacher Jeremy Dudziak anstelle von David Kinsombi in die Mannschaft.
  • In der Abwehr gab Toni Leistner nach fast drei Monaten Verletzungspause sein Comeback. Für ihn rotierten Jan Gyamerah aus der Startelf und Moritz Heyer von der Innenverteidigung ins Mittelfeld. Gyamerahs Platz auf der rechten Abwehrseite nahm Josha Vagnoman ein, Leibold kehrte dafür aus dem Mittelfeld in seine angestammte Position hinten links zurück.

"Die Wechsel zielen darauf ab, dass wir durch frische Spieler lockere Beine bekommen und mit Toni Leistner einen Stabilisator für die Abwehr", sagte Thioune vor dem Anpfiff. Taktisch wolle er aber bei einem 4-3-3-System bleiben.

Von frischem Hamburger Wind war im sonnendurchfluteten Jahnstadion aber zuerst wenig zu spüren. Die Regensburger hatten offenbar drei Tage zuvor genau hingeschaut und setzten ähnlich wie Sandhausen den HSV schon früh unter Druck. „Sie haben auf unsere Verunsicherung spekuliert, und die war ja auch spürbar“, gestand Thioune spätert. Fast hätte es schon nach fünf Minuten die Quittung gegeben, doch Max Besuschkow zielte aus kurzer Distanz genau auf HSV-Torwart Sven Ulreich.

VAR-Pech: Heyer-Tor zählt wegen angeblichen Abseits nicht

Gut eine Minute später gaben auch die Hamburger durch Sonny Kittel den ersten Torschuss ab, aber auch der einst beim HSV ausgebildete Jahn-Torwart Alexander Meyer hatte keine Mühe zu parieren.

Es sollten für längere Zeit die einzigen Torraumszenen bleiben. Mehr als das Zertifikat „Stets bemüht“ war den Hamburger Angriffsversuchen nicht zuzusprechen. Gut nur, dass Rückkehrer Leistner in der Abwehr da weitermachte, wo er bis zu seinem Muskelbündelriss im Oberschenkel Ende Januar aufgehört hatte. In der 40. Minute war er es, der Kaan Caliskaners Schuss im letzten Moment zur Ecke klären konnte.

HSV-Einzelkritik:

Zwei Minuten später jubelten plötzlich die Hamburger: Nach einer Ecke von Aaron Hunt staubte Heyer am zweiten Pfosten zur vermeintlichen Führung ab. Doch Schiedsrichter Florian Heft gab den Treffer nicht: Heyer soll hauchzart im Abseits gestanden haben. Die TV-Bilder lieferten dafür zwar keinen Beweis – aber auch keinen Gegenbeweis, weshalb die Entscheidung des Schiedsrichtergespanns Bestand hatte.

Regensburgs Albers schockt den HSV

Umso bitterer kam es wenig später. Einen Schuss von Charalambos Makridis konnte Ulreich noch stark zur Ecke lenken (44.). Aus der folgte die Regensburger Führung: Wintzheimer konnte zunächst klären, aber nur vor die Füße von Regensburgs Torjäger Andreas Albers, der aus knapp 16 Metern flach ins linke Toreck traf (45.).

Was den Halbzeitstand noch erschreckender machte: Er war bei allem verständlichen Ärger über den Video Assistant Referee (VAR) durchaus verdient.

Thioune reagiert zur Pause auf den Rückstand

Den Vorwurf, zu spät zu reagieren, wollte sich Thioune offenbar kein zweites Mal gefallen lassen. Zur Halbzeit kamen Klaus Gjasula und Khaled Narey für Heyer und Dudziak. Und tatsächlich baute der HSV nun so etwas wie Druck auf: Leistner köpfte nach einem Eckball vorbei (48.). Wenig später ging Vagnoman bei einem Zweikampf im Regensburger Strafraum zu Boden, doch statt eines Elfmeters bekam er ein Stürmerfoul gepfiffen, was Thioune zu einer gut hörbaren Schimpftirade veranlasste.

Die Abschlussdichte nahm nun deutlich zu: Narey verzog knapp (54.), einen abgefälschten Wintzheimer-Schuss konnte Meyer gerade noch vor der Linie stoppen (63.). Und auch beim Kopfball des kurz zuvor eingewechselten Robin Meißner lag der Ausgleich gewissermaßen in der Luft (75.).

Leistner und Kittel verpassen den Siegtreffer

In der 83. Minute war es dann so weit: Einen Linksschuss von Aaon Hunt konnte Meyer noch gut parieren, doch den Abpraller köpfte Kittel aus kurzer Distanz ins Tor – und diesmal hielt der HSV-Treffer der Überprüfung durch den VAR stand.

Der HSV drängte nun auf den Sieg, und die Chancen waren da. Und was für welche! Erst scheiterte der starke Leistner in der Nachspielzeit aus kurzer Distanz am nicht minder starken Meyer, dann rettete der Regensburger Torwart in höchster Not gegen Kittel.

Ex-Stürmer Meijer geht der HSV „auf den Sack“

Und so blieb es beim Ergebnis, das dieses Spiel wohl verdient hatte, weil sich der HSV wie schon in Sandhausen zu spät seiner Stärke besann. „Mit einer Leistung wie in der zweiten Halbzeit schlagen wir jeden Gegner. Und es sind noch vier Spiele“, sagte Kapitän Leibold. Der erste Beweis darf am Donnerstag gegen den Karlsruher SC erbracht werden.

( leo )

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