US-Stürmer wechselt

Wie sich Bobby Wood beim HSV gewandelt hat

| Lesedauer: 8 Minuten
Stefan Walther und Henrik Jacobs

HSV-Check: Bobby Wood und Simon Terodde im Fokus

Im Video: Wie ist die Stimmung beim HSV vor dem Hannover-Spiel und was plant Trainer Daniel Thioune? Eine Abendblatt-Analyse.

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Der Stürmer wird zum zweiten Mal Vater. Bevor er Hamburg verlässt, hat er selbstkritisch mit dem Hamburger Abendblatt gesprochen.

Hamburg. Der flammende Appell von HSV-Trainer Daniel Thioune bei der Frage nach einem Startelfeinsatz von Bobby Wood gegen seinen Ex-Club Hannover 96 (Sonntag, 13.30 Uhr/Sky und im Liveticker bei abendblatt.de) war gerade einmal rund 30 Minuten alt, da grüßte der Stürmer breit grinsend auf dem Twitter-Profil von Real Salt Lake.

„Ich bin froh, dass ich endlich meinen Wechsel verkünden kann“, sagte Wood in dem am Karfreitag vom US-Club veröffentlichten Kurzvideo. Der auf Hawaii geborene Ex-Nationalspieler geht vom Sommer an, wenn sein Vertrag beim HSV ausläuft, in seiner Heimat auf Torejagd.

Doch bis zu diesem neuen Kapitel seiner Karriere will Wood das alte noch erfolgreich beenden. „Auch wenn es für mich persönlich nicht immer optimal gelaufen ist, bin ich traurig, dass die Zeit beim HSV zu Ende geht“, sagte Wood zuvor im Gespräch mit dem Abendblatt. „Der Verein und die Mitspieler sind mir sehr ans Herz gewachsen – trotz der größtenteils negativen Phasen. Ich bin ein echter Hamburg-Fan geworden und fühle mich sehr wohl hier.“

Bobby Wood hat sich beim HSV gewandelt

Wer in diesen Tagen beim Training des HSV genau auf Wood achtet, dem fällt schnell die gute Laune des auf Hawaii geborenen US-Stürmers auf. Der oft so verschlossene 28-Jährige ist in dieser Saison auch mal offen für einen Scherz mit seinen Mitspielern. Es scheint, als hätte bei Wood in seinem fünften und zugleich letzten Vertragsjahr in Hamburg eine Art Wandlung stattgefunden.

„Ich habe über die Jahre gelernt, mich mental nicht zu sehr hängen zu lassen, auch wenn es sportlich mal nicht so gut läuft“, sagt Wood. „Ich glaube, das sieht man auch.“ Die Zeiten, in denen er wie ein Fremdkörper beim HSV wirkte, sollen endgültig der Vergangenheit angehören.

Stürmt Wood beim HSV erneut für Terodde?

Einen weiteren Beleg für diese These will Wood am Ostersonntag im kleinen Nordderby bei seinem Ex-Club liefern. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass er zum zweiten Mal in Folge von Beginn an stürmen wird, da Hauptkonkurrent Simon Terodde nach überstandener Corona-Infektion erst seit Mittwoch wieder mit der Mannschaft trainiert und die Kräfte noch nicht für 90 Minuten reichen.

Fest steht somit lediglich, dass Wood in Hannover zum Einsatz kommen wird. Die Frage ist nur, ob von Beginn an oder als Einwechselspieler. „Bobby hatte als Person nicht immer das leichteste Standing, er hat sich aber nie unterkriegen lassen und sich immer angeboten“, sagte Thioune über Wood, kurz bevor dessen Wechsel in die USA verkündet wurde. „Sein größtes Problem ist, dass ich als Trainer häufig mit einer Spitze spiele und mit Simon einer vor ihm steht, der weiß, wo der Rahmen steht.“

Einmal in Fahrt geriet Thioune regelrecht ins Schwärmen über den Mann, der in dieser Saison erst einmal von Beginn an stürmte. „Bobby hatte sich in dieser Saison häufig für mehr Spielzeit qualifiziert, als er letztlich bekam“, ergänzte der HSV-Coach.

Als der HSV Wood loswerden wollte

Thioune weiß, dass Wood gegen seinen Ex-Club am liebsten von Beginn an zeigen würde, was er kann. In Hannover erlebte er vor zwei Spielzeiten mit drei Toren und einer Vorlage zwar seine persönlich erfolgreichste Saison nach seinem Debütjahr beim HSV, als fünf Tore für eine üppige Vertragsverlängerung mit einem Jahresgehalt von 3,5 Millionen Euro ausreichten. Dennoch denkt Wood nur ungern an die Zeit bei den Niedersachsen zurück.

„In dem Jahr, als ich bei 96 war, herrschte viel Hektik im Verein“, sagt Wood rückblickend. „Es lief für alle Beteiligten nicht gut. Für mich hat es leider nicht so gepasst, wie ich es mir erhofft hatte. In dieser Zeit habe ich trotzdem viel gelernt. Nun wünsche ich Hannover, dass sie irgendwann wieder aufsteigen.“

Als nach dem Abstieg mit Hannover Woods Rückkehr beim HSV anstand, waren sich die Club-Verantwortlichen längst nicht einig, wie es mit ihm weitergehen sollte. Nicht wenige im Verein wollten den seinerzeit oftmals lustlos wirkenden Stürmer noch vor dem Trainingsauftakt abgeben, um seine Rückkehr in die Kabine zu verhindern. Doch Wood blieb – und hat diese negative Phase seiner Karriere inzwischen hinter sich gelassen.

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HSV: Wood bei Mitspielern beliebt

Seine verbesserte Körpersprache kommt auch innerhalb der Mannschaft gut an. Der Angreifer ist beliebt und genießt eine hohe Wertschätzung bei den Kollegen. Deutlich wurde dieser für ihn persönlich neue Status beim Heimspiel gegen Heidenheim (2:0) vor der Länderspielpause, als sich Thioune­ bei Simon Terodde und Kapitän Tim Leibold erkundigte, ob die Leistungsträger ihrem Mitspieler einen Startelfplatz zutrauen würden.

Ein ungewöhnlicher Vorgang, der Wood in der Bewertung seiner Mitspieler bestätigte. „Ich kann unsere Mannschaft nur loben. Wir verstehen uns alle gut, jeder freut sich für den anderen. Das ist sehr authentisch und nicht gespielt“, sagt Wood. „Man kann so eine Stimmung auch nicht erzwingen. Es muss einfach passen, und das ist bei uns der Fall.“

Welche Rolle Thioune für Wood spielt

Dieser neu gewonnene Teamgeist, den Wood beschreibt, ist auch auf eine Ansprache von Thioune in der Saisonvorbereitung zurückzuführen, als der HSV-Coach jedem Profi seine Bedeutung für die Mannschaft verinnerlichte.

„Wir haben nicht speziell über meine Situation gesprochen, aber der Trainer hat zur gesamten Mannschaft gesagt, dass wir jeden Einzelnen brauchen werden – auch die, die zwischendurch mal weniger Spielzeit erhalten“, erinnert sich Wood. „Es gibt immer wieder Ausfälle, und dann ist es wichtig, dass alle Spieler vom Kopf her voll da sind.“

Genau das war auch bei Wood der Fall. Nachdem der Stürmer an den ersten beiden Spieltagen gar nicht zum Einsatz kam, erarbeitete er sich in der Folgezeit immer mehr Spielminuten. Als Belohnung für seinen Trainingsfleiß kommt er mittlerweile auf 15 Einsätze, bei denen ihm zwei Scorerpunkte gelangen. „Damit hatte ich vor der Saison nicht wirklich gerechnet“, gibt Wood offen zu. „Ich habe einfach versucht, mich in jedem Training reinzuhauen und anzubieten, und wurde dafür belohnt.“

HSV-Profi Wood erwartet zweite Tochter

Dass Wood überhaupt dazu bereit war, seinen Einsatz und seine Körpersprache zu verbessern, liegt auch an seiner privaten Situation. Seit seine Tochter Ella vor zwei Jahren in Hannover zur Welt kam, wirkt der Offensivspieler ausgeglichener. Wie das Abendblatt erfuhr, erwartet Wood im Mai seine zweite Tochter. Auch der Name steht schon fest, verraten will er ihn aber noch nicht.

„Es ist einfach schön, Papa zu sein. Bevor meine erste Tochter zur Welt kam, war ich oftmals zu verbissen. Doch seitdem sehe ich das Leben mit anderen Augen und weiß, dass es Wichtigeres gibt als Fußball“, sagt er. Wenn Wood über seine Familie spricht, wird seine persönliche Freude nach außen spürbar. „Zeit mit meiner Tochter zu verbringen macht mich einfach glücklich.“

Privat hat Wood das Glück gefunden, was ihm beruflich beim HSV viele Jahre nicht gelang. Nun will er sich zumindest mit dem Aufstieg von den Fans verabschieden.

Die voraussichtliche Aufstellung:

HSV: Ulreich – Vagnoman, Ambrosius, Heyer, Gyamerah – Onana – Kittel, Leibold – Hunt – Terodde (Wood), Wintzheimer.

Tabellenspitze 2. Bundesliga
1. FC Schalke 04 34 / 72:44 / 65
2. Werder Bremen 34 / 65:43 / 63
3. HSV 34 / 67:35 / 60
4. Darmstadt 98 34 / 71:46 / 60
5. FC St. Pauli 34 / 61:46 / 57

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