HSV gegen FC St. Pauli

Hamburger Derby treibt die Wettumsätze nach oben

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Sorgt Guido Burgstaller für Jubel bei den St.-Pauli-Tippern?

Sorgt Guido Burgstaller für Jubel bei den St.-Pauli-Tippern?

Foto: Witters

Bei den Buchmachern ist der HSV vor dem Auftritt beim FC St. Pauli immer noch klarer Favorit – Formstärke beeinflusst Quoten kaum.

Hamburg.  Thomas Häßler glaubt am stärksten an den HSV. Sein Weltmeister-Kollege Lothar Matthäus dagegen am wenigsten. Also, nicht jetzt die beiden persönlich, sondern die Online-Wettanbieter, die die einstigen Fußballgrößen als bezahlte Werbelokomotiven einsetzen. „Icke“ ist für „Sky Bet“ tätig.

Dort gibt es für einen Sieg des HSV im 105. Lokalderby am Montag (20.30 Uhr/Sky) beim FC St. Pauli nur 1,95 Euro pro Euro Einsatz. Matthäus wirbt für „Interwetten“, die den Bestwert von 2,15 Euro für einen Sieg der Rothosen anbieten.

Wette auf die Kiezkicker wirkt attraktiv

Angesichts der letzten Ergebnisse in der Zweiten Liga wirkt eine Wette auf die Kiezkicker durchaus attraktiv. Zwischen 3,70 und 3,90 Euro würden dann ausgezahlt. Bei der Bewertung der Favoritenrolle herrscht somit große Einigkeit zwischen den Anbietern.

Daran hat sich auch nicht viel geändert durch die jüngsten Ergebnisse (der HSV schwächelte, St. Pauli legte eine Siegesserie hin). Eine Mischung aus Spielstatistiken, historischen Quoten und mathematischen Wahrscheinlichkeiten aus dem Computer in Verbindung mit menschlicher Expertise durch angestellte Buchmacher ergeben diese Quote.

Dinge wie Verletzungen oder Sperren von Schlüsselspielern werden stärker bewertet als die Topform einzelner Profis, wie zum Beispiel die Treffsicherheit von St. Paulis Torjäger Guido Burgstaller.

Das Hamburger Stadtderby elektrisiert die Fans nicht nur emotional

Das Hamburger Stadtderby jedenfalls elektrisiert die Fans nicht nur emotional, sondern führt auch dazu, dass das Geld lockerer sitzt, als das normalerweise der Fall ist.

„Die Hamburger Derbys hatten in den vergangenen Jahren im Schnitt etwa doppelt so hohe Wetteinsätze wie ein durchschnittliches Zweitligaspiel“, sagt Matthias Folkmann, der Leiter Unternehmenskommunikation von Tipico: „Das Derby im September 2019 (2:0 für St. Pauli) war sogar das zweitumsatzstärkste Zweitligaspiel der Jahre 2019 und 2020.“

Nur der Wettanbieter gewinnt

Das Unternehmen mit Sitz auf Malta setzt etwa eine Milliarde Euro im Jahr um. 2019 sollen die Sport-Wettumsätze in Deutschland laut „Goldmedia“ insgesamt 9,3 Milliarden Euro betragen haben, über die Hälfte davon kommt vom Fußball. Laut einer Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aus dem Jahr 2015 zeigten 38,8 Prozent derjenigen, die bei Sportwetten mitmachen, ein problematisches beziehungsweise pathologisches Wettverhalten. Es gibt deshalb bei den großen Internet-Anbietern eingebaute Warnsysteme, die Spieler bei auffälligem Verhalten sofort sperren.

„Sportwetten sind nichts, um damit Geld zu verdienen“, sagt Folkmann, „es ist Unterhaltung, ein spannender Zeitvertreib. Wie Kino. Das kostet auch Geld.“ Gewinnen tut eben nur einer, und das ist der Wettanbieter, der 90 Prozent seiner Einnahmen als Gewinn ausschüttet.

HSV gehört weiterhin zu den Top-Clubs in Deutschland

Der HSV gehört trotz des dritten Jahres in der Zweiten Liga weiterhin zu den Top-Clubs in Deutschland. Das zeigt sich nicht nur an der häufigen Ansetzung in Montagsspielen (das Abendblatt berichtete), sondern eben auch bei Wetteinsätzen. „HSV-Spiele sind allgemein sehr zugkräftig“, berichtet Folkmann.

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Auch vor dem Derby deuten sich verstärkte Umsätze bei den einzelnen Anbietern an. „Für diesen Montag zeichnen sich wieder hohe Einsätze ab“, erklärt der Tipico-Sprecher, „derzeit recht gleichmäßig auf beide Teams verteilt.“ Aber das hat nichts mit gleichmäßigen Vorlieben zu tun – sondern mit der Quote. So könnte sich ein HSV-Fan bei einer Niederlage wenigstens mit einem Geldgewinn trösten.

( ah )

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