Ex-Nationalspieler

Wechsel ins Ausland? Aaron Hunt auf Abschiedstour beim HSV

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Henrik Jacobs
Der dreimalige Nationalspieler Aaron Hunt (34) erzielte seit dem Jahr 2015 in 144 Pflichtspielen für den HSV 23 Tore.

Der dreimalige Nationalspieler Aaron Hunt (34) erzielte seit dem Jahr 2015 in 144 Pflichtspielen für den HSV 23 Tore.

Foto: Witters

Am Sonntag in Würzburg steht der HSV-Routinier wohl in der Startelf. Seine Zukunft dagegen steht in den Sternen.

Hamburg. Am Sonntag steht Aaron Hunt vor einer Premiere. 454 Pflichtspiele hat der 34 Jahre alte Mittelfeldspieler in seiner Karriere für Werder Bremen, den VfL Wolfsburg und den HSV bereits bestritten. Eine Begegnung mit den Würzburger Kickers war bislang aber nicht dabei. So wird Hunt 16 Jahre und 158 Tage nach seinem Bundesligadebüt für Bremen am Sonntag (13.30 Uhr/Sky und Liveticker auf abendblatt.de) in der Flyeralarm-Arena noch einmal einen neuen „Ground“ kennen lernen, wie man es in der Sprache der Fußballtouristen sagt. Und die Chancen stehen gut, dass der Mittelfeldspieler in Würzburg das zweite Mal in Folge von Beginn an spielt.

„Aaron hat in der vergangenen Woche ein richtig gutes Spiel gemacht, das durften wir alle sehen“, sagte Trainer Daniel Thioune am Freitag bei der Pressekonferenz. Von den Fans wurde Hunt nach dem 0:0 gegen Greuther Fürth vor sieben Tagen sogar zum Spieler des Spiels gewählt. Trotz der Rückkehr des wiedergenesenen Jeremy Dudziak dürfte Hunt seinen Platz sicher haben.

Dass Würzburgs Trainer Bernhard Trares versuchen wird, den HSV in viele Zweikämpfe zu verwickeln, spricht für Thioune nicht gegen Hunt. „Aaron kann sehr gut passen zu dem, was uns Bernhard Trares anbieten wird. Wir wissen, dass er die Intensität gehen kann. Und das auch in jedem Spiel.“

Hunt auf Abschiedstour beim HSV?

Für Hunt könnten die kommenden Spiele bis zum letzten Spieltag am 23. Mai eine Art Abschiedstour werden. Nach fast sechs Jahren beim HSV läuft sein Vertrag im Volkspark am 30. Juni aus. Und anders als in der vergangenen Saison gibt es in diesem Jahr keine automatische Verlängerung, sollte Hunt wieder auf eine bestimmte Anzahl von Spielen kommen. Dass der Club den Kontrakt mit dem im September 35 Jahre alt werdenden Ex-Nationalspieler ein weiteres Mal verlängert, gilt aktuell als unwahrscheinlich. Oder etwa doch?

HSV-Trainer Thioune: Ich bewundere Felix Magath sehr
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Bekannt ist, dass Hunt beim HSV einen Anschlussvertrag besitzt. Bekannt ist aber auch, dass er in der kommenden Saison noch weiter Fußball spielen will. Und klar ist auch, dass Hunt das am liebsten weiterhin beim HSV tun will. Völlig unklar aber ist aktuell, in welcher Liga der HSV dann spielen wird und vor allem: unter welchen finanziellen Bedingungen. Für Hunt spielt das Budget aber offenbar keine große Rolle mehr. Dem Vernehmen nach ist er bereit, für einen Verbleib beim HSV deutliche Gehaltsabstriche zu machen.

Das spricht gegen Hunt beim HSV

Für die Verantwortlichen ist die Personalie Hunt dennoch nicht leicht zu lösen. Steigt der HSV auf, braucht der Club in der Bundesliga zusätzliche Spieler, die das höhere Tempo mitgehen können. Verpasst er den Aufstieg erneut, bräuchte er vor allem junge, hungrige und günstige Spieler, mit denen der nächste Neustart vollzogen werden kann.

Aktuell deutet daher vieles auf eine Trennung zwischen dem HSV und Hunt im Sommer hin. Doch im Fußball und vor allem in Hamburg kann sich vieles schnell ändern. Deswegen wollen die Verantwortlichen das Thema aktuell auch nicht größer machen, als es ist. Was sie alle noch erinnern: Vor zwei Jahren verlor der damalige Trainer Hannes Wolf in der Rückrunde den Rückhalt von Pierre-Michel Lasogga und Lewis Holtby, nachdem den beiden früh signalisiert wurde, dass sie in den Planungen des Clubs keine Rolle mehr spielen.

Beim HSV weiß man, dass auch Hunt als Typ die Stimmung in der Kabine beeinflussen kann. Er ist nicht der Typ Führungsspieler, der als Wortführer vorweggeht. Trotzdem hat seine Rolle im Team noch immer eine große Bedeutung.

Wechselt Hunt vom HSV ins Ausland?

Auch deswegen führte Daniel Thioune vor der Saison sein erstes Gespräch als HSV-Trainer mit Hunt. Der neue Chefcoach wollte herausfinden, ob sich der Routinier mit einer weniger dominanten Rolle anfreunden kann, als er sie in den vergangenen zwei Jahren als Kapitän beim HSV innehatte. „Ich wollte, dass Aaron es mitträgt und mich und das Team unterstützt. Das tut er zu 100 Prozent. Wir können uns Woche für Woche auf ihn verlassen“, sagt Thioune ein halbes Jahr nach diesem Gespräch.

Für Hunt kam ein Abgang nicht infrage – trotz Anfragen aus Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Mit seiner Rolle als Teilzeitarbeiter hat er sich mittlerweile angefreundet. Zudem ist er kaum noch verletzt.

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Trotzdem wird er sich nach dieser Saison wieder die Frage stellen, ob er zum Ende seiner Karriere noch einmal neue Grounds kennen lernen will. Sollte es beim HSV nicht weitergehen, wird er ins Ausland gehen. Das deutete Hunt in der neuen Ausgabe der „HSV live“ an. „Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass ich gern einmal im Ausland spielen würde.“

Bis dahin hat Hunt noch eine Vision: „Es ist mein großes sportliches Ziel, den HSV zurück in die Bundesliga zu bringen. Danach kann man sehen, wie es weitergeht.“ Sicher ist nur: Würzburg soll nicht der letzte Ground sein, den er in seiner Karriere noch kennenlernt. ​

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

  • Würzburg: Bonmann – Feltscher, Douglas, Strohdiek, Feick – Hägele – Sontheimer, Hasek – Lotric – Pieringer, Munsy.

  • HSV: Ulreich – Gyamerah, Jung, Heyer, Leibold – Onana – Kinsombi, Hunt – Jatta, Terodde, Kittel.

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